Aktuelles 2015   

 

Ende Dezember 2015

Ein Jahr geht zu Ende – Die Atomära leider noch nicht

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende und wir blicken zurück: Im vergangenen Herbst sind in Japan trotz fehlender Notwendigkeit und all der Gefahren und Folgen, die Japan ja bereits zu spüren bekommen hat, zwei Reaktoren (AKW Sendai) wieder ans Netz gegangen. Weitere Reaktoren sollen bald folgen. Darunter auch die Reaktoren 3 und 4 am  AKW Takahama, die ja eigentlich per Gericht untersagt worden sind, was die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke jedoch nicht sonderlich beeindruckt. Denn trotz des Gerichtsurteils laufen schon die Vorbereitungen für die Wiederinbetriebnahme beider Reaktoren auf Hochtouren.

Die Regierung hat damit auch kein Problem, eher im Gegenteil. Man ist sogar bestrebt, so schnell wie möglich einige Reaktoren wieder ans Netz zu nehmen. 

Genau das hatte Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) nämlich auch auf der 21. UN-Klimakonferenz, die Anfang Dezember in Paris stattfand, noch einmal bekräftigt. Denn laut Abe wäre Japan weiterhin auf Kernenergie angewiesen. Dabei kam auch wieder das „CO2-Argument“ zur Sprache und die weltweite Klimaerwärmung. 

Nach Wünschen der Regierung will Japan den CO2-Ausstoß bis 2030 um 26% im Vergleich zu 2013 senken. Um dieses Ziel zu erreichen sei man jedoch auf Kernenergie angewiesen, so Ministerpräsident Abe. Die Kernenergie sei auch ein wichtiger Träger für die Grundlast in der Stromversorgung. Dazu strebt Abe bis 2030 einen Anteil an Kernenergie von 20 – 22% im Strommix an.

Laut Abe trägt die Regierung die Verantwortung und hat auch den Überblick über alle kerntechnischen Anlagen in Japan. Alle Reaktoren, die durch die Atomaufsichtsbehörde NRA überprüft und genehmigt worden sind, würden ja schließlich höchste Sicherheitsstandards erfüllen und dem entsprechend von der Regierung auch befürwortet werden. Zudem sei Japan rohstoffarm und somit auf vermehrte Importe fossiler Energieträger angewiesen, wenn es auf Kernenergie verzichten würde. 

Der Rückbau am havariertem AKW Fukushima dai ichi, sowie das Dauerproblem mit dem radioaktiv verseuchten Wasser sei laut Abe auch auf einem guten Weg.    

Wie gut das alles „unter Kontrolle“ ist. Fragt sich nur was da unter Kontrolle ist. Denn ständig entweicht radioaktives Wasser. Der neue Schutzwall entlang der Küste vor dem AKW Fukushima dai ichi hält auch nicht das was er verspricht und das AKW-Gelände als solches gleicht, wegen dem hohen Grundwasserspiegel schon einer radioaktiven Sumpflandschaft. Die Radioaktivitätswerte, z.B. im Hafenbecken steigen weiter an. Und das größte Problem dabei bereitet das Tritium („überschweres Wasser“), was ebenfalls hohe Werte erreicht und aufgrund seiner chemischen Ähnlichkeit zum „normalen“ Wasser quasi gar nicht herauszufiltern geht.

Bezüglich dem CO2-Ausstoß gibt Abe ausgerechnet das Jahr 2013 als Indikatorjahr an, was überhaupt nicht repräsentativ ist. Denn 2013 waren fast alle Reaktoren vom Netz und es wurde sehr viel an Rohstoffen wie Öl, Gas und Kohle für einen hohen Preis importiert, statt die erneuerbaren Energien voran zu treiben. Richtig teuer wurde der Rohstoffimport auch, weil die Araber die Gunst der Stunde nutzten und mit einer drastischen Preiserhöhung für Öl auf die starke Nachfrage Japans reagierten. 

Mit 2013 als Ausgangspunkt erscheint es nämlich leicht den CO2-Ausstoß bis 2030 um 26% zu senken. Und die japanische Regierung könnte dann am Ende damit protzen, dass sie ihr Versprechen, das Klimaziel zu erreichen eingehalten hat. Mit dem CO2-Argument will die Regierung die „Notwendigkeit“ der wenig CO2 emittierenden Kernenergie „begründen“.

Ja, ein laufendes AKW als solches stößt tatsächlich wenig CO2 aus. Es gibt jedoch genügend andere Energieformen, die ebenfalls wenig CO2 verursachen und dazu noch deutlich sicherer sind (was im Vergleich zur Kernenergie ja auch nicht sonderlich schwer ist). Außerdem muss man sich auch das Nutzen-Risiko-Verhältnis vor Augen halten. Oder würden Sie ein Medikament einnehmen, wo neben wenig Linderung viele Nebenwirkungen zu erwarten sind? Wahrscheinlich eher nicht.

 

Das Jahr 2010, was die ursprünglichen Gegebenheiten der Energieversorgung in Japan repräsentiert, wäre als Indikatorjahr nämlich wesentlich besser geeignet als 2013.

 

Das Jahr 2010 mit einem Anteil von 33% an Kernenergie und mäßigen Anteil an fossilen  Rohstoffen im Energiemix würde die CO2-Reduktion bis 2030 realistischer darstellen, als das Jahr 2013 mit 1% Kernenergie und einem hohen Anteil an reichlich CO2 emittierenden fossilen Energieträgern. Denn unter diesen Umständen ist es nämlich wesentlich leichter, das gesteckte Ziel den CO2-Ausstoß um 26% bis 2030 zu senken! Und genau das ist nämlich der Grund, warum sich die Regierung ausgerechnet das Jahr 2013 als Indikatorjahr herausgepickt hat.

Unabhängige Experten haben das jedoch alles durchschaut und das Märchen der „sauberen“ Kernenergie wieder einmal widerlegt und noch einmal bestätigt, dass Japan ohne weiteres auf Kernenergie verzichten kann und sehr wohl genügend Potential für erneuerbare Energien hat (siehe dazu auch die vorherigen Berichte).  

__________________________________________________

 

November/Dezember 2015

Japan und die verantwortungslose Atompolitik

AKW Takahama – Werden rechtskräftige Gerichtsurteile einfach ignoriert?

Obwohl Japan jetzt über fast zwei Jahre lang bewiesen hat, dass man problemlos auf Kernenergie verzichten kann, wurde im vergangenen August der erste Reaktor wieder angefahren. Mittlerweile laufen schon zwei Reaktoren und der dritte ist schon in der Warteschleife.

Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima von 2011 gingen alle AKWs nach und nach vom Netz. Trotz aller Prophezeiungen und „Befürchtungen“ war es dennoch möglich, innerhalb kurzer Zeit von 33 auf 0% Kernenergie im Energiemix zu kommen.

Womit die Atomlobby ebenfalls nicht gerechnet hat, war, dass die Bevölkerung die „Unbequemlichkeiten“ (Einschränkung von Klimaanlagen, Rolltreppen usw.), die die Stromsparmaßnah- men in den Sommermonaten 2011, 2012 und 2013 mit sich brachten, ohne „Murren“ in Kauf nahmen und dabei gut kooperierten.

Man hatte wohl gehofft, dass die Stromsparmaßnahmen wenig Akzeptanz in der Wohlstandsbevölkerung finden würden und die Leute zur „Einsicht“ kämen, dass die Atomkraft in einem hochmodernen Industrieland wie Japan unverzichtbar" sei. Diese Rechnung ging jedoch nicht auf. Und im Sommer 2014 und 2015 wurden auch keine großartigen Stromsparmaßnah- men mehr durchgeführt, bzw. empfohlen.

Das Jahr 2014 war sogar komplett frei von Atomenergie! Die erneuerbaren Energien sind weiter auf dem Vormarsch und im April 2016 soll auch der Strommarkt liberalisiert werden, so dass man sich den Stromanbieter selber aussuchen kann.

Aber leider wird die Energiewende, da die Lobbyisten um ihren Profit fürchten, eher blockiert, statt gefördert. Die japanische Regierung will trotz massiver Ablehnung durch die Bevölkerung und der fehlenden Notwendigkeit zurück zur Kernenergie. Auch die USA ist daran interessiert, dass Japan die AKWs wieder in Betrieb nimmt (Militärische und wirtschaftliche Gründe beider Länder). 

Links: Plakat ,,Nein zu Abes Politik". Rechts: Infobroschüre, ,,Ist die Atomkraft wirklich noch vertretbar?"


Trotz der allgemeinen Gefahren, die Japan ja auch schon zu spüren bekommen hat, der erhöhten Erdbebengefahr, der Vulkane und der fortbestehenden Probleme am havarierten AKW Fukushima dai ichi, wurde der Wiedereinstieg in die Kernenergie einfach durchgeboxt und die ersten Reaktoren wieder angefahren.

Am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima in Südjapan (nicht zu verwechseln mit Sendai, Präfektur Miyagi in Nordjapan) laufen schon zwei Reaktoren. Der dritte Reaktor am AKW Ikata, Präfektur Ehime könnte als nächstes in Betrieb gehen. Die Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama, Präfektur Fukui wurden ebenfalls durch die Atomaufsicht NRA freigegeben. Die Wiederinbetriebnahme wurde jedoch im vergangenen April per Gerichtsurteil untersagt. Die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke, der Bürgermeister von Takahama und die Regierung LDP/Komeito handeln jedoch so, als habe das Urteil keinen Bestand. Die Kansai Elektrizitätswerke geben sogar auch schon einen Termin für die Wiederinbetriebnahme bekannt, der für Ende Januar 2016 angesetzt ist. Ursprünglich sollte die beiden Reaktoren sogar schon Mitte Dezember wieder angefahren werden! Und das alles trotz dem bestehenden Gerichtsurteil, was ja schließlich rechtskräftig ist.

Anti Atom Camp in Tokyo. Bild: P.  Alt
Anti Atom Camp in Tokyo. Bild: P. Alt

Ja, was ist denn nun mit dem Gerichtsurteil? Und die Regierung sagt auch nichts! Hat ein rechtskräftiges Gerichtsurteil etwa keinen Bestand? Der Richter, der das Urteil fällte, wurde, da das Urteil nicht „atomlobbyistenkonform“ war, einfach in einen weniger wichtigen Gerichtshof versetzt.

Die Reaktoren 6 und 7 am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata werden zur Zeit sogar prioritär durch die Atomaufsichtsbehörde NRA überprüft, damit der angeschlagene Stromkonzern Tepco „so rasch wie möglich auf einen grünen Zweig kommt“.

Zur Erinnerung: Tepco ist nämlich genau der Stromkonzern, der auch das AKW Fukushima dai ichi zu verantworten hat!! Und die Verantwortlichen wurden bisher auch noch nicht belangt!

Profit, Macht und Stärke gehen hier vor Menschenleben! So werden auch die Probleme in Fukushima heruntergespielt, vieles verschwiegen und eine heile Welt propagiert. Und natürlich ist auch alles „unter Kontrolle“, wie Ministerpräsident Shinzo Abe letztes Jahr im September sagte, als es sich um die Kandidatur für die Olympischen Spiele in Japan ging.

137 Kinder in der Präfektur Fukushima sind schon an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Auch aus den Nachbarpräfekturen wurden schon 3 Fälle gemeldet (08/2015).

Einige ehemalige AKW-Arbeiter (AKW Fukushima dai ichi) sind schon an Leukämie erkrankt. Ein Fall wurde jetzt von den Behörden als beruflich bedingte Folgeerkrankung anerkannt, viele weitere Anträge anderer Betroffene jedoch abgelehnt (11/2015). 

Bd. Bilder: Gelbes Antiatom X in einem Baum am Abukuma in Fukushima City. Bild: P. Alt 

Aber zumindest wurde jetzt der schnelle Brüter Monju, wenn auch „nur sehr ungerne“ und auch „nur mit vorgehaltener Hand“, für „gescheitert“ erklärt. Einige andere alte Reaktoren sollen ebenfalls stillgelegt werden. Aber leider gibt es möglicherweise auch Laufzeitverlängerungen für einige Altreaktoren.  

Japan könnte jedenfalls, trotz nicht vorhandener Rohstoffvorkommen wie Öl und Kohle, weiterhin ohne Probleme auf Atomenergie verzichten und auf erneuerbare Energien umsteigen. Denn Japan verfügt nämlich über ganz andere Möglichkeiten der Energiegewinnung, wie z.B. reichlich Sonne und Wind. Für die Grundlast käme die Energiegewinnung aus Vulkangestein und Wasserkraft infrage. Somit wäre auch der CO2-Ausstoß begrenzt. Und die Behauptung, dass aufgrund der abgeschalteten AKWs vermehrt fossile Brennstoffe importiert werden müssen, wurde bereits widerlegt.

Fest steht jedenfalls, dass Japan absolut keine AKWs braucht und ohne der massiven Widerstände aus der Bevölkerung mit Sicherheit jetzt schon viel mehr AKWs wieder am Netz wären, als es jetzt aktuell der Fall ist. Und Fukushima, was von der Regierung eh schon sträflich vernachlässigt wird, wäre mittlerweile auch schon völlig in Vergessenheit geraten. 

----------------------------------------------------------------------

 

 

August 2015

Hiroshima Gedenktag in Dortmund

Am 06. August jährte sich der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima zum 70. Male. Nur drei Tage später, am 09.08.1945 folgte der zweite Abwurf auf Nagasaki und am Folgetag kapitulierte die japanische Armee dann endlich.

Für einen sinnlosen Krieg, der sich bis zum Einsatz von Nuklearwaffen hochschaukelte, mussten zahllose unschuldige Leute ihr Leben lassen.

Nach Kriegsende schuf Japan ein Gesetz, was den aktiven militärischen Einsatz seitens der japanischen Armee verbietet. Die japanische Armee solle nur noch der Selbstverteidigung im Falle eines Angriffes dienen. Damit tat Japan einen entscheidenden Schritt in richtige Richtung, also Richtung Frieden, von dem die jetzige Regierung jedoch jetzt abweicht.

August 1945, Hiroshima nach Abwurf der Atombombe
August 1945, Hiroshima nach Abwurf der Atombombe

Kurz nach den beiden Atombombenabwürfen verbündete sich die USA, nicht ganz uneigennützig, mit Japan und „half“ bei der Versorgung der Atombombenopfer.

Das „Bündnis“ bestand darin, dass die USA die Kernenergie nach Japan einschleppte und mit dem Hintergedanke militärischer Nutzung, den Bau von AKWs enorm vorantrieb. Dabei wurde fein zwischen der militärischen und der „friedlichen Nutzung“ der Atomenergie unterschieden.

Die „medizinische Hilfe“ war primär eine Forschungstätigkeit seitens der USA. Noch 1946 wurde die ABCC (Atomic Bomb Casualty Commission = Kommission zur Untersuchung der Atombombenopfer) gegründet, die dieses „Projekt“ übernahm.

Hier wurden unter strenger Geheimhaltung die Folgen der Strahlenexposition nach Abwurf der Atombomben erforscht.

Die Atombomben haben nicht nur große Flächen komplett ausgelöscht und viele Todesopfer gefordert, sondern auch in den nächsten Jahrzehnten danach für nachhaltige Schäden gesorgt.


Ein Thema, was auch nach 70 Jahren immer noch aktueller ist als denn je, zumal die Gefahr eines kalten Krieges wieder deutlich angewachsen ist.

Auch die japanische Regierung macht widersprüchliche Angaben, indem Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) einerseits großartig verkündet, dass er Atomwaffen und Krieg ablehnt, aber andererseits das Militärgesetz geschickt untergräbt, so dass der Weg für eine offensive Kriegsführung frei ist, wozu er auch die AKWs trotz fehlender Notwendigkeit wieder ans Netz nehmen will.

Anlässlich dessen fand am 06.08.2015 in Dortmund die Friedens- und Gedenkveranstaltung für die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki statt.

Nach einer Begrüßungsansprache an der Reinoldikirche fand ein Gedenkmarsch durch die Dortmunder Innenstadt statt, der in den Park am Friedensplatz führte. 

SGD-Mitglied Kazuko Karuma-Kölzer
SGD-Mitglied Kazuko Karuma-Kölzer

Am Ginkobaum, der dort vor langer Zeit als Symbol der Hoffnung gepflanzt worden ist, hielt Frau Kazuko Karuma-Kölzer, eine unserer SGD-Mitglieder eine Rede zu den Atombomben- abwürfen und der heutigen Atompolitik in Japan.

Anschließend folgten weitere Beiträge und Vorführungen in der galerieartig angelegten Eingangs- halle des Rathauses, die mit Friedens- und Antiatom- transparenten geschmückt gewesen ist.

Im Saal folgten dann weitere Redebeiträge, bei denen der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Ulli Sierau das Wort ergriff. Zunächst bedauerte er, dass niemand vom japanischen Konsulat in Düsseldorf seiner Einladung zum Hiroshima-Tag folgte, bzw. die bereits zugesagte Teilnahme kurzfristig wieder absagte. Schriftlich lässt man mitteilen, dass man das Leid der Opfer bedauere und sich der japanische Außenminister Fumio Kishida (LDP), der sogar selbst aus Hiroshima stammt, für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen will und dessen Abschaffung einfordere.


In seiner eigendlichen Rede betonte Sierau, das die Atombombenabwürfe, auch wenn diese schon so lange her sind, nichts an Aktualität verloren haben, indem er auch die gegenwärtige Situation in der weltweiten Atompolitik erläuterte.

Der nächste Redebeitrag erfolgte durch Yoko Schlütermann, der Vorsitzenden der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Dortmund, die auch das Projekt „Hilfe für Japan 2011“ leitet.

Sie sprach den durch Japan geführten Krieg in Ostasien an und dessen Kapitulation nach Abwurf beider Atombomben an und dem Kampf der Opfer um ihre Rechte, der japanischen Informationspolitik, die alles verharmloste und weist dazu auf die vorhandenen Parallelen zu Fukushima hin.

Ferner weist sie auch darauf hin, dass es zur Reaktor- katastrophe von Fukushima laut offiziellen Angaben angeblich keinen Toten infolge der hohen Strahlung geben hätte. Auch die Zahlen bezüglich der Folgeerkrankungen werden offiziell beschönigt oder verschwiegen, z.B. Schilddrüsenkrebs bei Kindern.

Auch die Einwohner der Präfektur Fukushima müssen für ihre Rechte und Entschädigung kämpfen und erfahren somit ähnliches Leid wie die Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki.

Wie auch die Opfer der Atombombenabwürfe verschweigen auch die Strahlenopfer von Fukushima aus Sorge wegen Diskriminierung lieber ihre Herkunft.

Frau Schlütermann benennt dazu auch die widersprüchlichen Aussagen des Ministerpräsidenten Shinzo Abe (LDP), der sich bei der Gedenkveranstaltung im Friedenspark von Hiroshima gegen Atomwaffen und Krieg ausspricht, aber gleichzeitig alles daran setzt, die noch vorhandenen AKWs in Japan, trotz fehlender Notwendigkeit wieder ans Netz zu nehmen und das Militärgesetz (Artikel 9) zu Gunsten offensiver Militäreinsätze untergräbt. 

SGD-Mitglieder mit Plakaten "Nein zu Abes Politik"
SGD-Mitglieder mit Plakaten "Nein zu Abes Politik"

Abschließend folgt eine Lesung des ergreifenden Buches „Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da“ von Shigemei Ideguchi, der den Atombombenabwurf von Hiroshima, trotz Nähe (nur 500 Meter zum Epizentrum überlebt hat. In seinem Buch dokumentiert er als Zeitzeuge die Situation vor Ort, als die Atombombe fiel und über die Zeit danach.


--------------------------------------------------------------------

Juni 2015

Erdbeben, Vulkane und die geplante Wiederinbetriebnahme der AKWs

Trotz der ständigen Erdbeben und der immer wieder auftretenden Vulkanausbrüche will die japanische Regierung allen Folgen zum Trotz und der nachweislich fehlenden Notwendigkeit, weiter an der gefährlichen Kernenergie festhalten und einige AKWs wieder in Betrieb nehmen. 

Online Erdbebeninfo der japanischen Wetterstation
Online Erdbebeninfo der japanischen Wetterstation

Erst am 30.05.2015  ereignete sich ein großes Erdbeben der Stärke 8,5 auf der Richter-Skala, was sich über ganz Japan erstreckte. Nur dadurch, dass das Epizentrum in 590 km Tiefe und 700 km östlich der Ostjapanischen Küste (Großraum Tokyo) lag, ist es zu verdanken, dass es nicht zu einer größeren Katastrophe gekommen ist.

Erst vor einer knappen Woche, am 25.05.2015 wurde die Kanto-Region (Großraum Tokyo) bereits von einem Erdbeben der Stärke 5,0 heimgesucht!

(Aktuelle Erdbebeninfo der japanischen Wetterstation)

Dadurch, dass sich die pazifische Kontinentalplatte kontinuierlich unter die philippinische Platte schiebt, kam es zu immer stärker werdenden Spannungen, die sich dann plötzlich entluden, womit das jetzige Erdbeben ausgelöst worden ist. In der Regel verursacht solch ein Seebeben auch einen Tsunami, der hier aber glücklicherweise ausgeblieben ist. Siehe dazu auch die Skizze der Yomiuri Shinbun. 

In Tokyo, wo das Beben eine Stärke von 5,0 erreichte, blieb es vorwiegend „nur“ bei leichteren Sachschäden. Nach Norden und Süden setzte sich das Beben fort, so dass es im ganzen Land zu spüren war. Auf den äußersten Inseln von Japan war immer noch eine Stärke von 1,0 auf der Richter-Skala registriert worden.

Es wäre zu hoffen, dass das jetzige Erdbeben „das große Kanto-Erdbeben“ gewesen ist, was die Seismologen laufend für den Zeitraum der nächsten 30 Jahre vorhersagen. . . Denn wäre das der Fall, dann wäre Japan noch einmal mit einem „blauen Auge davon gekommen“ und die nächste Mega-Katastrophe wäre ausgeblieben. Denn das jetzige Erdbeben hätte, wenn das Epizentrum (8,5 auf der Richter-Skala) nicht so weit von der Küste entfernt und in 590 km Tiefe gewesen wäre, durchaus so ausarten können wie das Tohoku-Erdbeben vom 11. 03.2011. 

AKW Sendai, Präfektur Kagoshima in Südjapan
AKW Sendai, Präfektur Kagoshima in Südjapan

Noch sind alle AKWs außer Betrieb. Aber die Regierung will den ersten Reaktor (AKW Sendai, Kagoshima) Ende Juli wieder ans Netz gehen lassen. Und die betreibenden Stromkonzerne können es auch kaum mehr abwarten.

Denn als (möchte gerne) Atommacht „Stärke“ zu zeigen und gegenüber China und Nordkorea die Muskeln spielen zu lassen „beeindruckt“ die anderen Großmächte anscheinend. Und natürlich spielt der Profit auch eine große Rolle. Da bleibt die Sicherheit der Bevölkerung schon mal ganz gerne auf der Strecke. Denn das sieht man schon daran, dass die Regierung die Reaktorkatastrophe von Fukushima ständig verharmlost.


Bisher sind schon 3 Reaktoren für die Wiederinbetriebnahme vorgesehen. Und zwar Reaktor 1 und 2 am AKW Sendai, Kagoshima in Südjapan und seit kurzem auch der Reaktor 3 am AKW Ikata, Shikoku (eine der 4 Hauptinseln).  

Zwei weitere Reaktoren am AKW Takahama, die zunächst genehmigt worden sind, wurden Gott sei Dank per Gericht wieder verboten und dürfen somit trotz dem „Sicherheitsprüfsiegel“ der Atomaufsichtsbehörde NRA nicht in Betrieb genommen werden. Der Grund war unter anderen auch die unzureichende Erdbebensicherheit!


Die Vulkane sind ebenfalls nicht zu unterschätzen! Erst kürzlich ereignete sich wieder einmal ein Vulkanausbruch auf einer Insel bei Kyushu in Südjapan, die nicht weit vom AKW Sendai entfernt liegt. Hier mussten sogar die umliegenden Anwohner evakuiert werden.

Während der Großteil der Bevölkerung all die Warnungen verstanden hat, bleibt die Regierung weiterhin beratungsresistent.

Nun bleibt abzuwarten, ob im Juli tatsächlich der erste Reaktor wieder ans Netz geht, oder ob die Warnungen vielleicht doch noch Wirkung zeigen. Denn zumindest wurde die Wiederinbetriebnahme des zweiten Reaktors am AKW Sendai, die auch für Ende Juli vorgesehen war, auf Ende September verschoben. „Es sind noch, so die NRA, weitere technische Überprüfungen vor der Wiederinbetriebnahme nötig“.


Fakt ist: Zwei Atombombenabwürfe, eine dreifache Reaktorkatastrophe, ständig Erdbeben, Vulkane und die fehlende Notwendigkeit für Atomstrom sollten eine Wiederinbetriebnahme der AKWs eigentlich strikt verbieten!! 

 

 

April 2015

Auch in Tschernobyl dauert die Reaktorkatastrophe weiterhin an

- Parallelen zwischen Japan und der Ukraine -

Am 26. April 2015 jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 29. Male. Und obwohl das schon 29 Jahre her ist, lauern dort immer noch große Gefahren. Der Sarkophag, der mittlerweile selber strahlt, könnte jeden Moment einstürzen, was erneut eine massive Freisetzung radioaktiver Partikel nach sich ziehen würde. Diese würden dann, wenn das Dach einstürzt, regelrecht durch die Luft geschleudert werden.

Denn man muss sich auch vor Augen halten, dass damals bei der Explosion des Reaktors „nur“ 4% der radioaktiven Partikel und dessen Spaltprodukte in die Umwelt geblasen worden sind. Die „restlichen“ 96% befinden sich noch in der AKW-Ruine.

In der Nacht zum 26.04.1986 explodierte Reaktor 4 nach einer misslungenen Testreihe und brannte 10 Tage lang lichterloh. Der Super-GAU wirkte sich auch in Europa aus. Bis heute sind die Bodenflächen in einigen bayrischen Wäldern und auch anderorts radioaktiv kontaminiert.

AKW Tschernobyl mit Sarkophag
AKW Tschernobyl mit Sarkophag

Seit einiger Zeit wird ein neuer Sarkophag, das sogenannte New Safe Containment für den havarierten Reaktor 4 gebaut. Hierbei handelt es sich um eine doppelhäutige Schutzhülle mit einer sehr robusten Außenhaut auf einem massiven Stahlgeflecht mit einer Höhe von 110 Metern und einer Breite von 260 Metern. Das tonnenschwere Bauwerk, bestehend aus zwei Teilen, was wegen der hohen Strahlung 100 Meter neben dem explodierten Reaktor 4 gefertigt wird, wird dann am Schluss auf den bereits installierten Teflonschienen über den Reaktor geschoben. 

Der neue Sarkophag für Reaktor 4
Der neue Sarkophag für Reaktor 4

Die neue Schutzhülle wird voraussichtlich Ende 2017 fertig sein. Sie wird dann über den Reaktor geschoben und soll diesen dann, damit die radioaktiven Partikel nicht nach Außen gelangen können, luftdicht einschließen. Für den Rückbau des Reaktors sind im Inneren der Schutzhülle Kräne installiert.


Obwohl absolute Eile geboten und die Fertigstellung des Projektes äußerst wichtig ist, gibt es immer wieder Probleme und Verzögerungen, wegen der weiteren Finanzierung.

Laut aktuellen Schätzungen liegen die Gesamtkosten bei 2,15 Mrd. Euro. Obwohl 40 Länder an der Finanzierung beteiligt sind, sind die verbleibenden Kosten noch nicht gesichert.

Die Bundesregierung (CDU/SPD) hat jetzt im April eine Summe von 18 Mio. Euro bereitgestellt; erwartet jedoch auch von den anderen Geberländern, die sich etwas zögerlich zeigen, ebenfalls einen weiteren Zuschuss für das Projekt zu geben.

Somit lieg der deutsche Finanzierungsanteil bei 90 Mio. Euro, also bei 10,6%. Es werden jedoch noch weitere 18 Mio. Euro benötigt.

 

Ab 2017 sollen dann die ukrainischen Behörden die Verantwortung für den neuen Sarkophag übernehmen. Allerdings könnte genau das zum Problem werden. Denn die neue Schutzhülle kann nicht einfach so belassen, sondern muss laufend unterhalten werden. Das heißt: Neben weiteren Wartungsarbeiten muss vor allem der Unterdruck im Inneren der Schutzhülle kontinuierlich aufrechterhalten werden, damit keine radioaktiven Partikel entweichen. Die Luftfeuchtigkeit muss ebenfalls überwacht werden, damit das Stahlgerippe nicht rostet. Denn es handelt sich hier um eine aktiv arbeitende Schutzhülle. 

Die ukrainischen Behörden schieben jedoch schon seit Jahren die Verantwortung für das havarierte AKW Tschernobyl hin und her. Keiner will für die Reaktorruine zuständig sein. Und dann kommt auch noch die Wirtschaftskrise und der Krieg in der Ukraine hinzu, wodurch die neue Schutzhülle und die damit verbundenen Maßnahmen in den Hintergrund geraten; was eine zuverlässige Handhabung (Instandhaltung, Wartung), die dauerhaft erfolgen muss, infrage stellt. 

Reaktor 4 - Bau des alten Sarkophags 1986
Reaktor 4 - Bau des alten Sarkophags 1986

Zu berücksichtigen ist auch, dass nicht nur Reaktor 4 problematisch ist. Denn auch aus den restlichen drei Reaktoren, wovon Reaktor 3 sogar noch bis Ende 2000!! am Netz gewesen ist, lauern immer noch sehr viele Gefahren. In den Abklingbecken der Reaktoren lagern noch weit über 1000 Brennelemente, wovon viele schon marode und porös geworden sind, so dass diese nicht so einfach geborgen werden können.

 

Der Plan ist es, die brüchigen Brennelemente in Fässern umzulagern und in das dafür errichtete Betongebäude, was sich auf dem AKW-Gelände befindet zu lagern. Wegen der immer noch sehr hohen Strahlung, die vor allem die kaputten Brennelemente von sich geben, ist die Bergung nahezu unmöglich, so dass schon einige Firmen, die sich daran versucht haben, gescheitert sind.

Auch nach 29 Jahren ist noch intensive Arbeit am havariertem AKW Tschernobyl nötig. Täglich arbeiten dort etwa 3000 Leute, die mit dem Rückbau, Bau des neuen Sarkophags und den Versuch der Schadensbegrenzung beschäftigt sind.

Allerdings mangelt es überall an nötigen Schutzmaßnahmen. Die Arbeiter bekommen noch nicht einmal eine angemessene Schutzkleidung zur Verfügung gestellt.


In einer Halle auf dem Gelände lagern Fässer mit radioaktiv verseuchtem Wasser, sowie anderer Flüssigkeiten, die ebenfalls radioaktiv verseucht sind. Die geschätzte Menge könnte bei 24000 m3 liegen.


Das AKW Tschernobyl, was seit vielen Jahren (und auch in der Zukunft) immense Kosten und Schäden verursacht hat, ohne das es noch eine einzige KW/h Strom liefert, hat während seiner gesamten Existenzdauer unter dem Strich weitaus mehr Kosten als Profit verursacht. Wie viel das AKW in Zukunft noch an Unsummen verschlingen wird, ist noch unklar.

Trotzdem produziert die Ukraine weiterhin Atomstrom in maroden AKWs. Es werden sogar, um von Russland unabhängiger zu sein, Brennelemente die in den USA hergestellt worden sind, benutzt. Diese werden zwar nach russischer Bauart gefertigt, sind jedoch trotz dem nicht richtig kompatibel. Zudem sind die Reaktoren auch schon gealtert und werden, wie sich beim Zwischenfall von Dezember 2014 am AKW Saporischschja zeigte, immer störanfälliger.


Es herrscht eine sehr große Armut in den nicht evakuierten Ortschaften rund um Tschernobyl und die Leute müssen sich mit der erhöhten Radioaktivität arrangieren. Es mangelt an allem, sogar an Kleidung. Die Häuser sind marode, zum Teil keine Heizung, es ist kalt und dreckig. Die Leute bauen ihr Obst und Gemüse in der verstrahlten Region an. Eine andere Option gibt es nicht. Betroffen sind auch zahlreiche Kinder, die wegen der radioaktiven Belastung zum Teil schon krank zur Welt gekommen sind.

Hier gibt es Parallelen zu Fukushima. Denn auch dort „ochst“ man mit einem havarierten AKW herum, was nur noch Schaden und Kosten verursacht und in Zukunft noch lange verursachen wird.

Auch hier setzen 5000 bis 6000 Arbeiter Tag für Tag mit dem Versuch einer Schadensbegrenzung ihre Gesundheit aufs Spiel und müssen mit dem auskommen was Tepco ihnen zur Verfügung stellt. Der Mangel an Equipment ist zwar nicht so stark ausgeprägt wie in Tschernobyl, aber trotz dem sehr grenzwertig.


Auch in der Präfektur Fukushima müssen die Leute, inklusive Kinder, aus den nicht evakuierten Ortschaften mit einer erhöhten Strahlung zurechtkommen und von radioaktiv verseuchten Lebensmitteln leben. Es werden sogar, um Entschädigungszahlungen zu umgehen, Rückführungen in verstrahlte Orte, die „dekontaminiert“ worden sind, forciert.

Die betroffenen Leute haben meist keine andere Perspektive, so dass sie, wie auch die Leute in der Tschernobyl-Region, in den verstrahlten Ortschaften verbleiben müssen.


Während in der Ukraine die restlichen AKWs nach der Reaktorkatastrophe einfach weiter liefen, gestaltet sich die Wiederinbetriebnahme der japanischen AKWs etwas „schwieriger“. Dank der starken Anti-AKW-Bewegung der japanischen Bevölkerung, gingen die restlichen AKWs nach der Reaktorkatastrophe nach und nach vom Netz und wurden entgegen dem Willen der Regierung nicht mehr in Betrieb genommen.

Einem aktuellem Gerichtsurteil zur Folge, dürfen sogar zwei Reaktoren am AKW Takahama, die im Februar von der Atomaufsichtsbehörde NRA frei gegeben worden sind, nicht mehr in Betrieb genommen werden.

Schon die Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren am AKW Ōi worden im Mai 2014 per Gericht verboten.

Die Regierung, die den Willen der meisten Japaner (etwa 80%) und die Tatsache, dass Japan bereits seit 1½ Jahren frei von Atomstrom ist und die AKWs überhaupt nicht benötigt werden, immer noch fleißig ignoriert, will einige der Reaktoren sogar so schnell wie möglich wieder ans Netz nehmen.


Pannen und Zwischenfälle werden sowohl in der Ukraine als auch in Japan gerne verheimlicht, so dass auch hier Parallelen zu entdecken sind. Nur die Bevölkerung ist in Japan stärker, während die Ukrainer bisher wenig Druck ausgeübt haben.

Fakt ist, dass die beiden havarierten AKWs, all der Atommüll der weltweit noch laufenden Reaktoren uns jetzt und den kommenden Generationen noch viel Schaden und Probleme bereiten wird.

Statt daraus zu lernen und durch Abschaltung der AKWs für eine Schadensbegrenzung zu sorgen, regiert immer noch die Profitgier, wovon nur 1% der Weltbevölkerung einen Nutzen hat!  


Ende März

Der Zeronomics-Bär zu Besuch in Düsseldorf

Der Zeronomics-Bär tourte durch Deutschland und besuchte neben Berlin und weiteren Orten auch Düsseldorf, um die Botschaft einer atomkraftfreien Welt zu vermitteln.

Das Label des Netzwerkes Genpatsu Zeronomics
Das Label des Netzwerkes Genpatsu Zeronomics

Wer ist Genpatsu Zeronomics eigentlich überhaupt?

Das japanische Netzwerk „Genpatsu Zeronomics“ wurde nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima ins Leben gerufen und spricht sich gegen die Wiederinbetriebnahme der AKWs und für einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien aus. Ferner fordert das Netzwerk endlich aus den Folgen sämtlicher Nuklearunfälle zu lernen und weitere zu vermeiden, indem ein weltweiter Atomausstieg angestrebt wird.

 

Der Name „Genpatsu Zeronomics“ bedeutet:

Genpatsu (AKW) ist das zusammengezogene Kurzwort für Genshiryokuhatsudensho (Atomkraftwerk) und zeronomics heißt „Zero“ (Null) und nomics ist aus Economics abgeleitet.

 

Genpatsu Zeronomics steht für eine ökonomische Politik ohne Atomenergie.

Der Zeronomics-Bär vor dem Hotel Nikko in Düsseldorf (Foto: SGD)
Der Zeronomics-Bär vor dem Hotel Nikko in Düsseldorf (Foto: SGD)

Die anfänglich von Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) angestrebten Reformen, die eine wirtschaftliche Verbesserung und Eindämmung der Deflation erbringen sollte,  wurden als  „Abenomix“ (Abes Mischung) weltweit bekannt. Bekannt ist auch, dass Abe in puncto Energiepolitik die Kernenergie befürwortet und einige AKWs wieder ans Netz nehmen will.

 

Das Netzwerk Genpatsu Zeronomics stellt sich dagegen, macht verschiedene Kampagnen und der grüne Bär, der tanzend Lieder für eine Energiewende singt und für einen Atomausstieg plädiert, ist in Japan nicht nur bei den Kindern beliebt, sondern auch zur Kultfigur und zum Maskottchen des Netzwerkes Genpatsu Zeronomics geworden.

Der Zeronomix-Bär und Sayonara Genpatsu Düsseldorf-Mitglieder (Bild: SGD)
Der Zeronomix-Bär und Sayonara Genpatsu Düsseldorf-Mitglieder (Bild: SGD)

In Düsseldorf mit seiner großen japanischen Gemeinde, war der Zeronomics-Bär Ende März vor dem Hotel Nikko zu Gast und verbreitete seine Botschaft an die deutschen und japanischen Düsseldorfer. Dazu informierten einige unserer Sayonara Genpatsu Düsseldorf-Mitglieder über die aktuellen Zustände in Fukushima, die derzeitige Energiepolitik in Japan, verteilten Info-Material und beantworteten Fragen von vorbei laufenden Passanten.       

 

Mehr Informationen zum Netzwerk Genpatsu Zeronomiks


Videos:

1) Der Zeronomix-Bär und die SGD-Aktion in Düsseldorf

2) Anti-AKW-Lied vom Zeronomics-Bär


März 2015

Fukushima - Vier Jahre nach Beginn der Reaktorkatastrophe

Am 11.03.2015 jährt sich die Reaktorkatastrophe von Fukushima zum vierten Male. Die Lage am havariertem AKW Fukushima dai ichi ist weiterhin eher instabil und gefährlich.

Tanks mit hochradioaktiven Wasser
Tanks mit hochradioaktiven Wasser

Einer der größeren Probleme ist das radioaktiv verseuchte Wasser, was ständig nachläuft, ins Meer gelangt und von Jahr zu Jahr eher mehr wird, statt dass es reduziert werden kann. Auf dem Gelände lagern schon riesige Mengen an hochradioaktiven Wasser, was möglicherweise nach einer „Reinigung“ ins Meer verklappt werden soll.

Das darin enthaltene Tritium, was hochgefährlich ist und quasi gar nicht herausgefiltert werden kann, stellt für die IAEA kein größeres Problem dar. Mittelstark verstrahltes Wasser wird bereits seit Mai 2014 nach einer „Filterung“ etappenweise ins Meer verklappt.

Die Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 sind erfolgreich geborgen worden. Allerdings steht die Bergung der Brennelemente, sowie die Bergung der drei Kernschmelzen der Reaktoren 1 bis 3 noch bevor, was wegen der sehr hohen Strahlung äußerst schwierig werden dürfte.

 

Im September 2014 erhielt Tokyo die Zusage für die olympischen Spiele 2020 und der amtierende Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) versicherte vor der ganzen Welt, dass vom AKW Fukushima dai ichi keine Gefahr mehr ausgehen würde, in dem er sagte:„Every thing is under control“ – eine glatte Lüge! Denn die Lage ist alles andere als unter Kontrolle.


Zahllose Leute, vorwiegend ältere, die durch den Tsunami ihr Hab und Gut verloren haben und immer noch in den Übergangshäusern leben, erhalten zu wenig Unterstützung, leiden an Depressionen, vereinsamen oder verfallen dem Alkohol. Auch Suizide treten im Vergleich zum Landestrend gehäufter auf.

Verstrahlte Gebiete, die nie evakuiert worden sind (Bild: Petra Alt)
Verstrahlte Gebiete, die nie evakuiert worden sind (Bild: Petra Alt)

Bei etwa 1200 Leuten, die seit der Dreifachkatastrophe 2011 in Nordostjapan verstorben sind, steht die Todesursache im direkten Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe.

Beim Tsunami kamen knapp 16 000 Leute ums Leben, etwa 6500 wurden verletzt und etwa 2600 werden bis heute noch vermisst.

Die Folgen der Reaktorkatastrophe, dessen Ausmaß noch nicht absehbar ist, sind schon deutlich spürbar. Die Betroffenen weisen bereits gesundheitliche Schäden infolge der  erhöhten Radioaktivität auf und verschiedene Krebserkrankungen haben schon signifikant zugenommen. Vor allen bei den Kindern steigt die Anzahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen immer weiter. Zudem sind die Betroffenen einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt und werden auch noch, was sehr häufig vor kommt, durch Leute aus anderen Regionen diskriminiert, benachteiligt und gemieden. Dabei schaut die Regierung auch noch zu, statt Abhilfen zu schaffen. Die Regierung ist sogar bestrebt, das Problem" eher unter den Teppich zu kehren und Normalität walten zu lassen.

Anti-AKW-Demo in Tokyo-Shinjuku
Anti-AKW-Demo in Tokyo-Shinjuku

Auch zu den jährlichen Gedenkfeiern, die von offizieller Seite abgehalten werden, wird immer „nur“ von den Tsunamiopfern, aber nicht von den Strahlenopfern gesprochen, da Strahlenopfer, die an die abgelaufene Reaktorkatastrophe erinnern könnten, in Zeiten einer angestrebten Wiederinbetriebnahme der AKWs einfach nicht vorhanden sein dürfen. Hier ist ein Umdenken der Regierung und Hilfe für die Opfer gefordert!

Zumindest hat aber der Großteil der Bevölkerung begriffen, dass Japan sehr wohl auch ohne die gefährlichen AKWs auskommt. Und dank der starken Anti-AKW-Bewegung, die auch nach vier Jahren weiterhin sehr aktiv ist, verdanken wir es, dass Japan schon seit 1½ Jahren frei von Atomenergie ist.     

Januar 2015

Jahresrückblick 2014

Von 33 auf 0% in nur drei Jahren! Das Jahr 2014 war ein Jahr komplett ohne Atomstrom in Japan! Und das funktioniert alles wunderbar!

Anfang 2011 lag der Anteil an Atomstrom noch bei 33%, wurde nach und nach reduziert und lag dann 2013 nur noch bei ca. 2%. 

Diesen positiven Trend im Energiemix von 2014 will die Regierung aber nicht fortsetzen. Ministerpräsident Shinzo Abe will zurück zur Atomkraft – Die meisten Bürger aber nicht!  

 Bis Anfang Januar 2014 hatten 9 Stromkonzerne für insgesamt 16 Reaktoren die Sicherheitsüberprüfung zur Wiederinbetriebnahme ihrer Reaktoren bei der Atomaufsichtsbehörde NRA beantragt. Mit dabei auch das AKW Kashiwazaki Kariwa, was vom Stromkonzern Tepco, der auch das AKW Fukushima dai ichi zu verantworten hat betrieben wird.

Das Tepco-AKW Kashiwazaki Kariwa. Bild: Petra Alt
Das Tepco-AKW Kashiwazaki Kariwa. Bild: Petra Alt

Die LDP-Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe boxt im Februar das neue Geheimhaltungsgesetz durch, was die Pressefreiheit einschränkt und somit die Verschleierung der Pannen am AKW Fukushima dai ichi erleichtert.

Regierungssitz in Tokyo. Bild: Petra Alt
Regierungssitz in Tokyo. Bild: Petra Alt

Trotz Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Politik der LDP gewinnt der LDP-Politiker Hajime Masuzoe die Wahlen in Tokyo und wird neuer Gouverneur der Präfektur Tokyo. Es besteht der Verdacht einer Manipulation, zumal bei dieser Wahl zwei sehr bekannte Gegenkandidaten mit äußerst guten Wahlversprechen und guten Argumenten und somit einer realistischen Aussicht auf Wahlsieg in den Wahlkampf gegangen sind.

 

Kurz bevor sich die Reaktorkatastrophe in Fukushima zum 3. Mal jährt, betont Ministerpräsident Abe wie wichtig die Atomkraft seiner Meinung nach für die japanische Energieversorgung und die Wirtschaft sei, wofür er auch noch Verständnis von der Bevölkerung erwartet. Das ist eine Äußerung, die viele Bürger, vor allem so kurz vor dem Jahrestag für äußerst unangebracht halten.

 

Am AKW Fukushima dai ichi reißen die Wasserprobleme nicht ab. Ständig ist hier und dort etwas undicht und radioaktives Wasser entweicht. Im Grundwasser steigen laufend die Radioaktivitätswerte und weiterhin sickern pro Tag 400 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Ein Strahlenrekord folgt nach dem anderen. Ein besonders großes Problem stellt das massenweise vorhandene Tritium dar, was sich quasi gar nicht herausfiltern lässt.

Die Wasserdekontaminationsanlage ALPS ist laufend defekt. Es wird nach anderen Lösungen gesucht, eventuell auch mithilfe einer US-Firma.

Das Projekt „Eismauer“ wird im Herbst endlich für gescheitert erklärt und nicht mehr fortgesetzt. Die unterirdische „Eismauer“ aus einem chemischen Frostungsmittel sollte die Reaktoren 1 bis 4 umschließen, damit die austretende Radioaktivität zurück gehalten wird.

 

Seit Mai wird, um die hochgradig verstrahlten Wassermassen in den Lagertanks zu reduzieren, etappenweise radioaktives Wasser, nach dem es soweit es überhaupt möglich ist, dekontaminiert und ins Meer verklappt.

 

Strahlenflüchtlinge sollen in ihre Heimatorte, die „dekontaminiert“ worden sind, zurückgeführt werden. Eine Umgebungsstrahlung von 20 mSv/a ist laut der Regierung für die Rückkehrer tolerabel.

Der Ort Tatsuta im 20-km-Umkreis. Bild: Petra Alt
Der Ort Tatsuta im 20-km-Umkreis. Bild: Petra Alt

So sollen auch Teile der 20-km-Sperrzone wieder bewohnt werden, wozu unter anderem auch die Orte Kido und Tatsuta gehören, die ab Mai wieder frei gegeben worden sind.

Es liegt der Verdacht nahe, dass somit Entschädigungszahlungen eingespart werden sollen. Denn wer in sein Haus zurück kann (soll), hat keinen Anspruch auf Entschädigung.

Am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima, dessen Reaktoren 1 und 2 im September durch die Atomaufsicht NRA zur Wiederinbetriebnahme freigegeben worden sind, verlaufen geologische Verwerfungslinien, die mit aller Wahrscheinlichkeit seismisch aktiv sind. Das wird jedoch von den Befürwortern der Kernenergie dementiert. Auch die pyroklastischen Ströme nahe gelegener Vulkane werden durch die Atomlobby klein geredet.


Bis zum Sommer hat man seit Ausbruch der Reaktorkatastrophe bei etwa 100 Kindern aus der Präfektur Fukushima eine Krebserkrankung der Schilddrüse, bzw. einen hochgradigen Verdacht festgestellt.

Der aktuelle UNSCEAR-Bericht verharmlost die Folgen der Reaktorkatastrophe und stellt die Gesamtfolgen in einer abgeschwächten Form dar, so dass das alles nicht so dramatisch klingt. So, als wäre man da noch mit einem blauen Auge davon gekommen.

Vulkan Ontake. Bild: Screenshot
Vulkan Ontake. Bild: Screenshot

Der wie üblich heiße Sommer verläuft auch in diesem Jahr, entgegen den Behauptungen der Atomlobby, trotz Stillstand aller Reaktoren ganz ohne Engpässe in der Stromversorgung.

Der unvorhersehbare Vulkanausbruch am Berg Ontake Ende September entfacht die Diskussion: „Vulkane, weitere Naturgewalten versus Sicherheit der AKWs“ aufs Neue. Das hilft jedoch alles nichts, es werden im Dezember sogar zwei weitere Reaktoren, und zwar die Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama von der NRA zur Wiederinbetriebnahme frei gegeben.

Da die Bürger mit der wirtschaftlichen Situation, dem Abenomix, der Änderung im Militärgesetz, also dem Artikel 9, dem Geheimhaltungsgesetz und der Atompolitik unzufrieden sind, sinken auch die Umfragewerte für die Regierung weiter in den Keller. Ministerpräsident Abe erkennt die Situation und reagiert mit der Flucht nach vorne. Er löst im November das Parlament im Unterhaus auf und erhascht sich bei der vorgezogenen Neuwahl im Dezember für weitere vier Jahre das Zepter.

Was sich Abe zu diesem Zeitpunkt auch zu Nutzen machte, ist die derzeitige Situation einer zersplitterten und kleinen Opposition und der damit scheinbaren Alternativlosigkeit für den Wähler, wovon die meisten nach dem Motto: „Lieber die LDP als gar nichts“ die LDP, also Abe wählten, oder gar nicht erst zur Wahl gingen. Nur in Okinawa, Südjapan wurde Abe für seine Politik mit einen klaren „Nein“ abgestraft. Dort verlor die LDP alle Mandate.

Reaktor 4 mit Stütz- und Entnahmevorrichtung. Bild: Screenshot
Reaktor 4 mit Stütz- und Entnahmevorrichtung. Bild: Screenshot

Am AKW Fukushima dai ichi wurden die Bergungsarbeiten der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 im Dezember erfolgreich beendet. Da das Reaktorgebäude akut einsturzgefährdet war, wurde dafür extra eine stützende Stahlkonstruktion mit Entnahmevorrichtung und Schutzhülle gebaut.

Unterirdische Verbindungstunnel, Kabelschächte am AKW wurden zum Teil mit Spezialbeton verfüllt, damit das hochradioaktive Wasser aus den Reaktoren zurück gehalten wird und nicht ins Erdreich gelangt. Ob die gewünschte Wirkung eintritt, oder ob sich Risse bilden, bleibt noch abzuwarten.