Aktuelles 2014   

Dezember 2014

Unterhauswahl 2014 – Trotz umstrittener Politik erneuter Wahlsieg für Shinzo Abe

Trotz bestehender Wirtschaftskrise, die durch die derzeitige Regierung LDP/Komeito weiter verschlimmert worden ist, Erhöhung der Mehrwertsteuer, die angestrebte Rückkehr zur Atomkraft und der weiter zunehmenden Unbeliebtheit beim Volk, holte Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) die meisten Stimmen bei der vorgezogenen Unterhauswahl, die am 14.12.2014 statt fand.

Shinzo Abe (LDP). Bild: Screenshot
Shinzo Abe (LDP). Bild: Screenshot

Im November 2014 löste Ministerpräsident Abe ohne lange Vorankündigung das Parlament auf und rief zu Neuwahlen im Unterhaus auf. Damit wollte er sich in Anbetracht immer weiter sinkender Beliebtheitsquoten noch weitere vier Jahre als regierender Ministerpräsident im Amt sichern. Eine Strategie, die auf gegangen ist.

Schon kurz nach dem das Parlament im November 2014 aufgelöst worden ist, wurde, wie sich bei Umfragen zeigte, ein möglicher Wahlsieg für den amtierenden Ministerpräsidenten Shinzo Abe (LDP) vorher gesagt. Grund dafür ist unter anderem eine zersplitterte Opposition, die sich nicht richtig aufstellen konnte. Während der ohnehin schon kurzen Wahlkampfphase mangelte es auch noch an schlagkräftigen Versprechen und Pläne seitens der Opposition für die kommende Legislaturperiode. Auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer, die beim Volk auf große Ablehnung gestoßen ist, konnte die Oppositionspartei DPJ im Wahlkampf auch nicht kritisieren, da die DPJ genau das, also die Erhöhung der Mehrwertsteuer in ihrer eigenen Amtszeit schon geplant hatte.

Die extrem niedrige Wahlbeteiligung trug ebenfalls zu Abes Sieg bei, da sehr viele Leute eine Perspektivlosigkeit in der Politik sehen, zumal es auch keine großartige Alternative zur amtierenden LDP gibt. Die Bürger, die dennoch wählen gingen, hoffen, dass Abe die wirtschaftliche Lage in Japan doch noch verbessern könnte und gaben ihm, wenn auch ungerne  ihre Stimme. Die möglichen Folgen für die Wirtschaft und somit für den Verbraucher, wenn Abe seinen Kurs nicht ändert, sind dem Laien momentan noch nicht bewusst.

Nur wenige Wähler begriffen, dass nur sie selber, also das gesamte Volk die Alternative für die jetzige Regierung ist, die einen Kurswechsel in der Politik bewirken würde. Somit gaben sie ihre Stimme einer Partei der Opposition statt untätig abzuwarten oder den Fortbestand der Wirtschaftskrise, die Rückkehr zur Atomkraft, das Geheimhaltungsgesetz und die friedensfeindliche Änderung im Militärgesetz (Artikel 9), also Shinzo Abe zu wählen.

Parlament in Tokyo. Bild: Petra Alt
Parlament in Tokyo. Bild: Petra Alt

Schon im Dezember 2012 war die Wahlbeteiligung mit nur 59,3% sehr gering, was bei der jetzigen Unterhauswahl mit einer Wahlbeteiligung von nur 52,3% der Wahlberechtigten deutlich unterboten worden ist.

Nur auf der Insel Okinawa in Südjapan wurde Abe für seine Politik abgestraft. Dort verlor die LDP all ihre Mandate.

Der Grund da für liegt auf der Hand: Denn in Okinawa will Abe einen weiteren Militärstützpunkt für die USA ermöglichen, was ihm dann wiederum im ostasiatischen Raum mehr Stärke verleihen würde; zumal ja auch der Artikel 9 (Militärgesetz) in der kommenden Legislaturperiode zu Ungunsten des Friedens geändert werden soll.

Bei der Unterhauswahl 2014 erreichte die regierende LDP gemeinsam mit ihren kleinen Koalitionspartner Komeito eine -Mehrheit im Unterhaus und ist somit regierungsfähig. Damit sichert sich Abe weitere vier Jahre für seine umstrittene Politik.

Die Opposition, vor allem die Vorgängerregierung DPJ konnte jedoch leicht zulegen.

Bleibt abzuwarten wie sich die wirtschaftliche Lage in den kommenden Jahren entwickelt und ob die massiven Proteste gegen die Wiederinbetriebnahme der AKWs Wirkung zeigt. Denn die Wiederinbetriebnahme der ersten zwei Reaktoren in Japan (AKW Sendai, Kyushu Elektrizitätswerke) ist, wie von Abe gewünscht, schon genehmigt. Die könnten schon Anfang 2015 ans Netz gehen.

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November 2014

Greenpeace-Bericht - Radioaktive „Hotspots“ in Wohngebieten

Die Reaktorkatastrophe in Fukushima ist mal gerade drei Jahre und sieben Monate her und schon will die Regierung geflüchtete Anwohner in die immer noch verstrahlte Heimat zurück führen.

Verwildertes Grundstück im verstrahltem Ort Tatsuta. Bild: Petra Alt
Verwildertes Grundstück im verstrahltem Ort Tatsuta. Bild: Petra Alt

Diese Gebiete werden so weit es möglich ist dekontaminiert. Da bei werden die obersten Erdschichten abgetragen, Sträucher und Gestrüpp entfernt und Dächer, Asphalt, Mauern abgespritzt und abgebürstet. Dadurch wird die Radioaktivität um 30 bis 70% gesenkt. Eine Obergrenze bis zu 20 mSv/a hält die Regierung für vertretbar und gibt die entsprechenen Ortschaften wieder frei.

Die Wirkung der Dekontaminierung hält jedoch nur einige Wochen bis wenige Monate an und musste zum Teil sogar schon wiederholt werden. Die radioaktiven Partikel aus dem havarierten AKW werden immer wieder mit dem Wind und dem Regen überall verteilt. Die strahlung steigt wieder an und hier und dort entstehen neue Hotspots.

Dekontaminierungsarbeiten radioaktiv verseuchter Wohngebiete. Bild: P.Alt
Dekontaminierungsarbeiten radioaktiv verseuchter Wohngebiete. Bild: P.Alt

Die Greepeace Japan hat Ende Oktober Radioaktivitätsmessungen in der Präfektur Fukushima vorgenommen. Dabei wurde das Team durch einige deutsche Greenpeace-Kollegen, u.a. dem Atomexperten Heinz Smital begleitet.

Einer von vielen Lagerplätzen für radioaktives Erdreich. Bild: Petra Alt
Einer von vielen Lagerplätzen für radioaktives Erdreich. Bild: Petra Alt

Das Team spürte zahllose Bereiche in Wohngebieten, Kinderspielplätze mit hoher Radioaktivität auf, die sowohl in dekontaminierten Bereichen der ehemaligen Sperrzone als auch in Gebieten, die nie evakuiert worden sind.

Gemessen wurde unter anderem in Fukushima City, 60 km, Iitate, 40 km, Tamura und Kawaguchi, beide Orte 20 km vom AKW Fukushima dai ichi entfernt.

Die Messergebnisse liegen zum Teil sogar über 1,0 µSv/h!! in bewohnten Gebieten (das über  10 X höher als „normal“).

Siehe dazu die informative Zusammenfassung der „Messfahrten“ von Greenpeace Japan, der sowohl in englisch und japanisch verfasst ist.

Siehe auch den Bericht von antiatom-fuku, „Fukushima und die Folgen der Kernenergie – Leben in einer verstrahlten Region“ von Mitte Oktober. Auch hier wurden Messungen mit ähnlich erschreckenden Ergebnissen durchgeführt.

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September 2014

Japan - Ein Jahr ohne Atomstrom

Nie zuvor hätte jemand gedacht, dass Japan, die weltweit drittgrößte Wirtschaftsnation, mit einem Anteil von 33% an Kernenergie im Strommix (Stand: 02/2011) etwa zweieinhalb Jahre später, also im September 2013 einmal völlig ohne Atomstrom sein wird.

AKW Fukushima dai ichi
AKW Fukushima dai ichi

Der plötzliche Wandel im Energiemix, der als äußerst positiv zu bewerten ist, beruht jedoch auf eine schreckliche Vorgeschichte. Anlass war die Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima dai ichi vom 11.03.2011. Dabei kam es zu einer Kernschmelze in drei Reaktoren und zu weiteren Kritikalitäten in den Abklingbecken. Die Lage am havarierten AKW ist immer noch sehr kritisch und bei weitem nicht unter Kontrolle.

Nach dem Super-GAU 2011 gingen alle Reaktoren nach und nach wegen nötiger Wartung vom Netz und durften nicht mehr angefahren werden. Denn die jeweiligen Präfekturverwaltungen erteilten keine Genehmigung mehr, die früher sonst nur eine reine Formsache auf dem Papier gewesen ist.

Außer im Juli 2012, als die Präfekturverwaltung von Fukui durch den Betreiber Kyushudenryoku und der Regierung unter massiven Druck gesetzt worden ist, gab der Präfekturgouverneur nach und erteilte die Genehmigung für die Reaktor 3 uns 4 am AKW AKW Ōi, die dann kurz darauf wieder ans Netz gingen. Die Proteste der Bevölkerung gegen die Wiederinbetriebnahme der Reaktoren waren sehr massiv. Das AKW Ōi wurde wochenlang belagert, die einzig vorhandene Zufahrtsstraße blockiert, so dass die AKW-Mitarbeiter auf den Seeweg per Fähre zum AKW Ōi gebracht werden mussten.

Die Regierung, damals unter Ministerpräsident Yoshihiko Noda (DPJ) ignorierte das alles aber trotz dem und boxte die Wiederinbetriebnahme der beiden Reaktoren einfach durch.

Und damit es nicht zu einer Stromüberproduktion in der Region Kansai kommt, wurden 8 andere Kraftwerke heruntergefahren.

Weitere Reaktoren an anderen AKW-Standorten wurden jedoch nicht mehr angefahren.

Die japanische Anti-AKW-Bewegung, die in früherer Zeit eher spärlich gewesen ist, ist seit der Reaktorkatastrophe sprunghaft angestiegen und hält weiterhin an.

Und genau dieser haben wir es zu verdanken, dass in Japan heute kein einziger Reaktor mehr läuft.

„Denn hätte niemand etwas gesagt, dann wären die alle schon wieder am Netz.“

 

Video: Anti-AKW-Demo und Blockade vor dem AKW Ōi im Juli 2012 (japanisch).

 

Genau heute vor einem Jahr ging in Japan der letzte Reaktor vom Netz und die Lichter blieben an!

Als am 15.09.2013 der letzte laufende Reaktor am AKW Ōi, Präfektur Fukui vom Netz ging, wurde Japan nach 43 Jahren Kernenergie zum 2. Mal wieder frei von Atomstrom. Wie schon im Mai 2012, wenn auch nur für knapp zwei Monate, als Japan zum ersten Mal wieder atomfrei wurde, blieben auch dieses Mal die Lichter weiterhin an.

Denn entgegen den Behauptungen der Regierung, der Energiekonzerne und der restlichen Atomlobby kam es nicht zu Engpässen in der Stromversorgung. Es wurde zwar sehr stark empfohlen, vor allem während der Sommerhitze an Strom zu sparen, damit es nicht zu Engpässen kommt. Das alles gelang jedoch problemlos, da die Bevölkerung sehr kooperativ war und auch die Industrie mit machte.

Und mittlerweile ist die erneuerbare Energie, trotz fehlender Unterstützung durch die Regierung weit auf dem Vormarsch. In der Präfektur Fukushima gibt es sogar auch schon einen Stromanbieter aus Bürgerhand namens „AiPower“, der nach dem Schönauer Vorbild EWS entstanden ist.

AKW Sendai, Südjapan
AKW Sendai, Südjapan

Während der Großteil der japanischen Bevölkerung aus den Folgen der Reaktorkatastrophe in Fukushima gelernt hat und den sofortigen Atomausstieg befürwort, hält die Regierung weiterhin an der Kernenergie fest, will so schnell wie möglich das erste AKW wieder am Netz haben und versucht sogar die Folgen von Fukushima unter den Teppich zu kehren.

Die ersten zwei Reaktoren am AKW Sendai in Südjapan, die im Juli 2014 die Überprüfung der Atomaufsichtsbehörde NRA auf Erfüllung der neuen, angeblich strengeren Sicherheitsanforderungen bestanden haben, dürfen jetzt laut der Regierung unter Shinzo Abe (LDP) wieder in Betrieb genommen werden.

Aufgrund vieler noch ungeklärter Fragen, die sicherheitsrelevant sind, wurde die Wiederinbetriebnahme, die ursprünglich für Oktober 2014 geplant gewesen ist, auf Anfang 2015 verschoben. Das kommt von daher, weil keiner so recht die Verantwortung dafür tragen und dafür gerade stehen will, wenn etwas passiert. Somit wird die Verantwortung von A nach B und der Neustart nach hinten verschoben.

Anti-AKW-Demo
Anti-AKW-Demo

Und während der amtierende Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP), trotz allgemeiner Ablehnung in der Bevölkerung weiter an der Atomenergie festhält, hat die neue Industrie- und Wirtschaftsministerin Yuko Obuchi den Bau neuer AKWs zu mindest auf längere Sicht ausgeschlossen.  

Unter diesen politischen Voraussetzungen ist der bereits vollzogene Atomausstieg leider noch nicht in trockenen Tüchern. Es ist weiterhin noch sehr viel Handarbeit nötig, um das zweite Jahr ohne Atomstrom zu vollenden.
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August 2014

EWS-Preisverleihung: Schönauer Stromrebell 2014 geht nach Japan
Der EWS-Preis 2014 wird dieses Mal an drei japanische Kernkraftgegner, Ai Otsuka, ein Mitglied der „Mütter von Fukushima“, Taro Yamamoto, ein landesweit bekannter Schauspieler und Parlamentsabgeordneter und Yauemon Satou, einem Sakebrauer aus der Präfektur Fukushima, der nach dem Schönauer Vorbild ein bürgereigenes und ökologisches Energieversorgungsunternehmen in der Präfektur Fukushima aufbaut.

Zum ausführlichen Bericht der EWS Schönau, der sowohl auf deutsch und auf japanisch erstellt worden ist.

Videoausschnitt der Preisverleihung
Videoausschnitt der Preisverleihung

Zu den Videos der Preisverleihung Stromrebell 2014 Video 1

Weitere Videos der Preisverleihung Stromrebell 2014

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Juli 2014

Genpatsu-Alarm !! ☢  

NRA-Sicherheitsprüfsiegel für zwei Reaktoren !!

Das AKW Sendai, Präfektur Kagoshima in Südjapan erhielt Mitte Juli 2014 für die beiden Reaktoren 1 und 2 das NRA-Prüfsiegel für Sicherheit. Es ist somit landesweit das erste AKW, was den neuen Sicherheitsvorschriften, die von der Regierung als äußerst streng propagiert werden, entspricht.

AKW Sendai, Präfektur Kagoshima
AKW Sendai, Präfektur Kagoshima

Seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 gingen bis Mai 2012 alle AKWs nach und nach vom Netz. Nach zwei Monaten wurden jedoch zwei Reaktoren am AKW Ōi, Präfektur Fukui unter dem Vorwand Stromengpässe entgegen wirken zu müssen wieder angefahren. Das AKW Ōi ging jedoch im September 2013 wegen der Routinewartung wieder vom Netz. Seit dem ist Japan frei von Atomstrom, ohne dass es zu Versorgungsengpässen gekommen ist.

Geologische Verwerfungslinien am AKW Tsuruga
Geologische Verwerfungslinien am AKW Tsuruga

Die Entsprechung der gesetzlich festgelegten Sicherheitsanforderungen der überprüften AKWs erhöht bei weitem nicht dessen reale Sicherheit!

Erdbeben, geologische Verwerfungslinien, die zum Teil seismisch aktiv sind, die zahlreichen, zum Teil aktiven Vulkane in der Umgebung und die allgemeinen Gefahren nukleartechnischer Anlagen bleiben weiterhin bestehen!

Nach dem die NRA dem AKW Sendai nun die Sicherheit ihrer Reaktoren attestiert hat, sind jetzt die Behörden, die Präfekturverwaltung gefragt, die die endgültige Entscheidung treffen sollen, ob das AKW wieder ans Netz darf.

Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) und die Atomkonzerne begrüßen das NRA-Ergebnis und können es kaum abwarten, bis die Reaktoren (frühestens im Oktober) wieder ans Netz gehen.

Der Wunsch der Regierung wieder in die Kernkraft zurück zu kehren, liegt nicht nur im Profit, sondern auch darin, um militärisch besser die Muskeln spielen lassen zu können. Zumal auch jetzt der Artikel 9 (Lockerung im Militärrecht) zu Ungunsten des Friedens geändert worden ist.

Der Großteil der Bevölkerung, vor allem in der näheren Umgebung zum AKW Sendai und viele Lokalpolitiker, sowie unabhängige Experten lehnen eine Wiederinbetriebnahme der Reaktoren 1 und 2 am AKW Sendai strikt ab.

Die Stromversorgung ist auch, wie sich bereits gezeigt hat, problemlos gewährleistet. Die momentan noch zahlreichen Rohstoffimporte könnte man deutlich reduzieren, wenn die Regierung den Ausbau der erneuerbaren Energien in Japan besser voran bringen würde.

Die „bestandene Sicherheitsüberprüfung“ der beiden Reaktoren am AKW Sendai könnten möglicherweise der Anfang für die Freigabe der restlichen 17 Reaktoren sein, die sich noch in der NRA-Überprüfung befinden. Denn der nächste Kandidat, das AKW Takahama, Präfektur Fukui, befindet sich schon in der Warteschleife.

Die uranproduzierende Industrie lauert ebenfalls schon seit Monaten auf Japan, was in früherer Zeit mit 33% Kernenergie ein guter Abnehmer gewesen ist. Und damit sich der Absatz wieder bessert, argumentiert die Uranindustrie damit, dass Uran bei all den teuren Rohstoffpreisen ein kostengünstiger und starker Energielieferant sei.

Japan muss atomfrei bleiben!! Leben geht vor Profit!!

Die Lage am AKW Fukushima dai ichi ist weiterhin nicht in den Griff zu bekommen und die Folgen sind verheerend.

 

Zusätzliche Gefahren für Japan durch AKWs

Neben den „normalen“ Gefahren, die ein AKW bietet, finden 20% der weltweiten Erdbeben in Japan statt. Japan ist von oben bis unten durchsetzt mit geologischen Verwerfungen und verfügt über zahlreiche Vulkane.

Das sind alles Eigenschaften, die das Unfallrisiko, wie sich 2011 zeigte, deutlich erhöhen.

Mehr dazu im Bericht: Zusätzliche Gefahren für Japan durch AKWs

 

Der rote Punkt

Überall wo ein roter Punkt drauf ist, darf kein AKW mehr betrieben werden. Japan hat einen roten Punkt!

Der rote Punkt
Der rote Punkt

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Juni 2014

AKW Grohnde sofort stilllegen!! Paralleln

zum AKW Ōi

Im Reaktor des AKW Grohnde, nahe bei Hannover wurden bei der Wartung Teile entdeckt, die da überhaupt nichts zu suchen haben. Das sind Maschinenteile, die im laufenden Betrieb dort hinein gefallen sind. Laut dem Betreiber E.on

Das Wappen von Niedersachsen
Das Wappen von Niedersachsen

sei das nicht so schlimm und der Schaden sei auch schon behoben, so dass der Reaktor wieder angefahren werden kann.

Nicht so schlimm???

Genau aus diesem Grunde protestierten etwa 300 Atomkraftgegner am 14.06.2014 in Hannover gegen die für den 19.06.2014 geplante Wiederinbetriebnahme des AKW Grohnde.

Auch wir, ein paar Leute aus unserer Antiatom-Gruppe „Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V.“ waren vor Ort.

Rede von Bontaka san  Bild: M. Mügge
Rede von Bontaka san Bild: M. Mügge

Einer unserer Vorstandsmitglieder, Hironobu Takaoka „Bontaka san“ hielt eine Rede, bei der das Gerichtsurteil zum Verbot der Wiederinbetriebnahme des japanischen AKW Ōi erörtert worden ist. Zu dem gibt es sehr interessante Parallelen zwischen dem AKW Ōi und dem AKW Grohnde, die hier zur Sprache kamen. Die deutsche Übersetzung der Rede erfolgte durch SGD-Mitglied Petra Alt.

Den vollständigen Redenbeitrag von Hironobu Takaoka siehe weiter unten.

Das AKW Grohnde (Betreiber E.on) befindet sich zur Zeit in Revision und soll am 20.06.2014 wieder angefahren werden. Es weist jedoch erhebliche Mängel auf. Diese hätten im laufenden Betrieb richtig gefährlich werden können. So wurden zum Beispiel Fremdkörper, die aus anderen Maschinenteilen stammen im Reaktor gefunden. Diese können sehr leicht Schäden an den Brennstäben verursachen.

Das AKW Grohnde verfügt „nur“ über einen einzigen Reaktor, einen DWR, der aber schon seit 1984 in Betrieb ist.

Je älter ein Reaktor, desto häufiger die Störfälle. Aber dieser Reaktor darf noch bis Ende 2021 laufen!

Da die Stromversorgung in Deutschland ebenfalls ohne AKWs und ohne Stromimporte!  problemlos gewährleistet werden kann, gilt auch hier „ 再稼働反対 “ (saikado hantai = gegen die Wiederinbetriebnahme).

SGD Auftakt zur Demo
SGD Auftakt zur Demo

In Deutschland sind noch 9 gefährliche Reaktoren am Netz, die nach einer Routinewartung auch immer wieder „problemlos“ angefahren werden dürfen.

In Japan ist zur Zeit kein einziges AKWs am Netz. Die Stromversorgung funktioniert weiterhin einwandfrei. Von der Regiering und der Atomwirtschaft prophezeite Blackouts sind aus geblieben. Es kam noch nicht einmal zu Stromschwankungen.

Gut, dass Japan nicht das Nachbarland von Frankreich ist. Sonst hätte es nämlich geheißen, dass Japan jetzt den Atomstrom aus Frankreich benötigt.

Kundgebung
Kundgebung

Die fortlaufenden Proteste in Japan haben bewirkt, dass dort heute kein einziges AKW mehr am Netz ist. Da die Regierung aber weiter an der Atomkraft festhalten will, besteht die Gefahr, dass einige der abgeschalteten Reaktoren, die von der Atomaufsichtsbehörde NRA als „sicher“ deklariert werden, wieder ans Netz gehen dürfen.

Hier bei könnte das AKW Sendai, Präfektur Kagoshima in Südjapan das Erste sein. Es könnte wohl möglich sogar schon im Herbst wieder hochgefahren werden.

Von daher sind die landesweiten Antiatom-Proteste weiterhin sehr wichtig.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass es in der als neutral propagierten Atomaufsichtsbehörde NRA einen gravierenden Personalwechsel gegeben hat. Der atomkritische Vizechef, ein Seismologe, der zum Leidwesen der Stromkonzerne „zu streng“ gewesen ist, wurde jetzt, ganz plötzlich durch den atomfreundlicheren Professor für Nukleartechnik Satoru Tanaka (nicht zu verwechseln mit dem NRA-Chef Shunichi Tanaka) ersetzt.

Deshalb gilt sowohl in Japan als auch in Deutschland: „ 再稼働反対 “ (saikado hantai)!!

 

Nachfolgend die Rede von Hironobu Takaoka (deutsche Übersetzung) auf der Antiatom-Demo „AKW Grohnde stilllegen – sofort“ vom 14.06.2014 in Hannover und weitere aktuelle Infos zur Problematik am AKW Grohnde auf den Webseiten der „Grohnde - Nein Danke“

 

 

<Offizielle Version>

Liebe Mitstreiter, liebe Mitstreiterinnen,

 

Vielleicht wissen Sie, dass in Japan zurzeit kein einziges AKW im Betrieb ist? Es wird hier kaum über unsere Protestbewegung gegen die Inbetriebnahme von AKWs berichtet. Man berichtet hingegen, dass der Premierminister Abe wieder AKWs hochfahren lassen will. Trotz des Unfalls in Fukushima gibt es bei uns eine massive Kampagne, die lautet, dass ohne AKW würden die Strompreise zu hoch seien, und die Wirtschaft in die Enge getrieben wird. Politik, Wirtschaft, Massenmedien und Gefälligkeitsgelehrte versuchen in vereinten Kräften eine Gehirnwäsche bei den Bürgern zu betreiben.

 

Kepco, die Kansai Electric Power Company ist in Japan neben Tepco der führende Stromkonzern in Japan und ist Betreiber des AKW Oi. Japanische Anti-AKW-Gruppen haben diesen Konzern vor Gericht angeklagt, und das Bezirksgericht Fukui hat das Urteil gefällt, das es Kepco verbietet, das AKW Oi wieder hochzufahren. Dieses Urteil hat die Menschenrechte der Anklagenden innerhalb von 250Kilometer im Umkreis des AKW Oi anerkannt.

 

Das AKW Oi ist wie das AKW Grohnde ein Druckwasserreaktor. Das AKW Oi ist 1991 ans Netz gekommen. Das AKW Grohnde wurde 1984 zum ersten Mal ans Netz genommen. Also ist das AKW Grohnde älter als das verbotene AKW Oi. Außerdem war beim AKW Oi geplant MOX-Brennelemente zu benutzen, genauso wie beim AKW Grohnde!

 

Das Bezirksgericht Fukui hat folgendes Urteil gefällt (folgendes ist Zitat aus dem Urteiltext):

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1)  Das Interesse am Erhalt des Lebens (Existenzrecht) ist ein grundlegendes Recht, das den Kern der Persönlichkeitsrechte bildet. Das Leben der Individuen, das Interesse an Körper, Geist und Existenz ist für jede einzelne Persönlichkeit etwas Essentielles, in ihrer Gesamtheit können sie als Persönlichkeitsrecht bezeichnet werden. Da das Persönlichkeitsrecht ist ein verfassungsmäßig garantiertes Recht und die Grundlage menschlichen Lebens ist, kann es im dem Rechtssystem unseres Landes nichts geben, was über diesem Wert liegt. Das Persönlichkeitsrecht nimmt seinen Ausgang von jedem Einzelnen, doch wenn die Formen seiner Verletzung dergestalt sind, dass sie zugleich die Persönlichkeitsrechte vieler Menschen verletzen, so ist das Erfordernis, diesen Einhalt  zu gebieten, etwas ganz und gar selbstverständliches.

 

2)  Der/die Angeklagte/n führt/en für den Betrieb des AKW Ôi die Sicherheit der Stromversorgung und Senkung der Kosten an. Das Gericht ist jedoch der Auffassung, dass es rechtlich weder zulässig ist, sich an einer Diskussion zu beteiligen, die das die Existenzrecht einer Vielzahl von Menschen auf der gleichen Ebene mit Fragen nach der Höhe von Stromkosten debattiert, noch über die Richtigkeit einer solchen Diskussion zu urteilen. Mit Blick auf die Abhängigkeitsrate von den AKW in unserem Land kann konstatiert werden, dass der Kausalzusammenhang zwischen einem Abschalten des AKW Ôi und dem dadurch verursachten Stopp der Stromversorgung sowie in der Folge einer Bedrohung für Menschenleben nicht in Erwägung gezogen werden braucht.

 

3) Im Zusammenhang mit der Kostenfrage wird der Verlust des nationalen Wohlstandes debattiert, doch ist das Gericht der Auffassung, dass es nicht rote Handelszahlen durch die Abschaltung des AKW Ôi sind, die den Verlust nationalen Wohlstandes bedeuten würden. Nationaler Wohlstand heißt genügend gutes Land, auf dem das Volk sich niederlassen und sein Leben führen kann, und der geht vielmehr verloren, wenn das nicht mehr regenerierbar ist.

 

4) Weiter behauptet der Angeklagte, das Betreiben von AKW leiste einen Beitrag zur Reduzierung von CO2, was für die Umwelt gut sei. Doch mit Blick auf die entsetzlichen Umweltverschmutzungen, die infolge havarierter AKW entstanden sind, auf die größte Umweltverschmutzung in der Geschichte unseres Landes durch den Fukushima-AKW-Unfall ist es höchst unvernünftig, die Umweltproblematik zur Begründung als für den weiteren Betrieb von AKW anzuführen.

 

5) Ohne die jeder neuen Technik latent immanente Gefährlichkeit anzuerkennen gäbe es keine gesellschaftliche Entwicklung. Besteht aber Klarheit darüber, wie gefährlich eine Technik ist und wie groß die von ihr verursachten Schäden sind, wird mit dem Einsatz dieser Technik auch eine dieser Gefährlichkeit und dem Ausmaß der Schäden entsprechende Sicherheit erforderlich. Durch den Unfall im AKW in Fukushima wurde hinlänglich ersichtlich, wie gefährlich die Technik von Atomkraftwerken ihrem Wesen nach ist, wie groß die damit einhergehenden Schäden sind.

 

6) Was den abgebrannten Kernbrennstoff anbelangt, so ist es sicher möglich, ihn in geologische Formationen einzulagern, ohne dass er nach hunderten von Jahren austritt. Zehntausende von Jahren aber ist eine Zeitspanne, die historisch gesehen von der Frühen Steinzeit bis zur Gegenwart reicht, und das liegt außerhalb jeglichen technischen Bereichs. Ein solch negatives Erbe an die Nachwelt durch den weiteren Betrieb des AKW Ôi noch zu vergrößern, kann nicht zugelassen werden.

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Dieses Urteil sagt, dass ein Atomkraftwerk nicht sicher ist, auch wenn dieses nationalen Sicherheitsmaßnahmen entspricht. Dieses Urteil verdeutlicht uns, dass  sich die nationalen Maßnahmen an optimistischen Ansichten orientieren und keineswegs die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten.

 

Die internationale Atomlobby will verhindern, dass eine internationale Solidarität gegen die Kernenergie entsteht. Aber das wollen wir nicht zulassen. Wir solidarisieren uns gegen die Wiederinbetriebnahme aller Atomkraftwerke und für den sofortigen Atomausstieg weltweit!

 

Bye Bye AKW! Sayonara Genpatsu!

Bye Bye AKW! Sayonara Genpatsu!

 

*Bemerkungen:

Atomkraftwerk Grohne, Druckwasserreaktor, ans Netz genommen am 04.09.1984 (vor 30 Jahren), verwendet Mox-Brennelemente.

Atomkraft Oi 3 und 4, Druckwasserreaktor, ans Netz genommen am 18.12.1991 und am 02.02.1993 (vor 23 und 21 Jahren), plant, Mox-Blennelemente zu verwenden.

 

**Übersetzung (Für den Zitatteil aus dem Urteiltext);
Steffi Richter (Professorin der Japanologie am Ostasiatischen Institut der Universität Leipzig)

<Kurzversion>

Liebe Mitstreiter, liebe Mitstreiterinnen,

Ich denke mal, dass die meisten von Euch wissen, dass in Japan zur Zeit kein einziges AKW am Netz ist. Über die fortlaufenden Proteste gegen die Wiederinbetriebnahme der AKWs wird hier in Deutschland kaum berichtet.

Statt dessen berichten die Medien, dass die japanische Regierung, trotz der Reaktorkatastrophe in Fukushima einige der AKWs so schnell wie möglich wieder ans Netz nehmen will.

Es wird propagiert, dass ohne die AKWs die Strompreise weiter steigen und die Wirtschaft in arge Schwierigkeiten geraten würde.

Die Politiker, Industriebosse und die so genannten „Gefälligkeitswissenschaftler“

versuchen mit vereinten Kräften über die Massenmedien eine Gehirnwäsche in der Bevölkerung zu betreiben.

Die Elektrizitätswerke Kepco „Kansai denryoku“, die das AKW Ōi zu verantworten haben, sind wie Tepco einer der führenden Stromkonzerne in Japan.

Eine japanische Antiatom-Gruppe hatte jetzt gegen die Wiederinbetriebnahme des AKWs Ōi geklagt und vor dem Bezirksgericht Fukui Recht bekommen. Mit diesem Urteil werden nun die Menschenrechte der Bürger im Umkreis von 250 km anerkannt.

Genau wie das AKW Grohnde ist auch das AKW Ōi ein Druckwasserreaktor. Das AKW Ōi ging 1991 und das AKW Grohnde 1984 ans Netz. Grohnde ist somit deutlich älter und störanfälliger als das AKW Ōi, dessen Wiederinbetriebnahme jetzt per Gericht verboten worden ist. 

Während am AKW Ōi die Benutzung von MOX-Brennelementen schon in der Planung war, wurden diese in Grohnde bereits eingesetzt.

Das Gerichtsurteil gegen die Wiederinbetriebnahme des AKW Ōi wurde folgender maßen begründet:

1)  Der Erhalt des Lebens (Existenzrecht) ist ein grundlegendes Recht, das den Kern der Persönlichkeitsrechte bildet und somit ein verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht ist, was nach dem japanischen Rechtssystem unantastbar ist.

2)  Der angeklagte Energiekonzern Kepco begründet die Wiederinbetriebnahme des  AKW Ôi mit der Sicherung der Stromversorgung und Senkung der Kosten.

Das Gericht ist jedoch der Auffassung, dass es rechtlich nicht zulässig ist, sich überhaupt an einer solchen Diskussion zu beteiligen, die das Existenzrecht vieler Menschen auf der gleichen Ebene mit der Frage nach den Stromkosten debattiert.

3) Auch der angebliche Verlust des nationalen Wohlstandes erscheint dem Gericht eher fadenscheinig. Denn nationaler Wohlstand bedeutet ein gesundes Wohlbefinden in einer unbelasteten Umgebung. Dieser würde jedoch unwiederbringlich verloren gehen.

4) Auch die Behauptung des Betreibers, dass die AKWs umweltfreundlich sein, da sie wenig  CO2 ausstießen, wies das Gericht zurück.

Auch im Hinblick auf die Reaktorkatastrophe in Fukushima, die unter anderem die größte Umweltverschmutzung in der japanischen Geschichte bedeutet, hält das Gericht die Wiederinbetriebnahme des AKW Ōi für grob fahrlässig.

5) Die Reaktorkatastrophe von Fukushima zeigt wieder einmal, wie gefährlich die AKWs sind und was für enorme Schäden daraus entstehen.

6) Außer dem gibt es kein sicheres Endlager. Das ist ein Problem, was man durch die Wiederinbetriebnahme der AKWs nur noch vergrößern würde.

 

Das Gerichtsurteil besagt also, dass ein AKW, auch wenn es den nationalen Sicherheitsvorschriften entspricht, noch lange nicht sicher ist. Dass heißt: Das die nationalen Sicherheitsvorschriften nur die subjektiven Bedürfnisse der Lobbyisten berücksichtigt, aber in keiner Weise die Sicherheit der Bevölkerung garantiert.

 

Die internationale Atomlobby will verhindern, dass eine internationale Solidarität gegen die Kernenergie  entsteht. Aber das werden wir nicht zulassen. Wir solidarisieren uns gegen die Wiederinbetriebnahme aller AKWs und für den sofortigen Atomausstieg weltweit.

 

バイバイAKW!さよなら原発 (Bye Bye AKW! Sayonara Genpatsu)

バイバイAKW!さよなら原発   (Bye Bye AKW! Sayonara Genpatsu)

 

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Mai 2014

Zu Besuch in Europa - Ministerpräsident Abe wirbt für die Atomkraft

Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) besuchte Ende April/Anfang Mai 2014 einige Länder in  Europa, um neben dem Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen den Export der japanischen Nukleartechnologie voran zu bringen, bzw. die AKW-Technologie nach Europa einzuschleppen.

Seine erste Station war Berlin, wo er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt traf. Im Gespräch mit der Bundeskanzlerin äußerte Abe, dass mehr europäische und japanische Unternehmen miteinander kooperieren sollten. Das ganze wolle er unterstützen und stellte sich als „Brückenbauer“ dar.

Somit soll laut Abe die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden. Davon würden sowohl Europa als auch Japan profitieren, so die Prognose von Merkel und Abe.

Denn Japan ist zur Zeit das weltweit höchst verschuldete Land, wozu auch die lockere Geldpolitik der „Abenomix-Politik“ (Abes Mischung) mit bei getragen hat.

Abe propagiert unter anderem auch, trotz anhaltender Reaktorkatastrophe im eigenen Lande, dass die Atomkraft unverzichtbar sei und die japanischen AKWs sicher sind.

Abenomix   Bild:Bontaka
Abenomix Bild:Bontaka

Als „Begründung“ für den angestrebten Wiedereinstieg in die Kernenergie führt Abe an, dass Japan zur Zeit auf teure Rohstoffimporte angewiesen sei, da es angeblich keine eigenen Rohstoffe bereit stellen kann.

Er verschweigt jedoch, dass Japan schon alleine durch die umfassenden Möglichkeiten der Geothermie (Erdwärme durch das Vulkangestein), Sonne und Wind einiges bewirken und somit die teuren Rohstoffimporte drastisch reduzieren könnte. Dazu „verrät“ Abe auch nicht, dass er mit seiner Politik die erneuerbaren Energien regelrecht ausbremst statt zu fördern und mit dem neuen Geheimhaltungsgesetz kräftig dazu beiträgt, dass weitere Pannen und Probleme am havarierten AKW Fukushima dai ichi besser verschleiert werden können.

Obwohl Japan, was noch lange an den Folgen der Kernenergie zu leiden hat, mittlerweile „clean“ geworden ist, strebt Abe den Wiedereinstieg in die Atomenergie an, und ignoriert dabei den massiven Widerstand aus der Bevölkerung.

Das AKW Sendai in Südjapan, was nach einer groborientierenden „Inspektion“ für sicher gehalten wird, wird derzeit bevorzugt durch die Atomsicherheitsbehörde NRA überprüft, damit es nach Wünschen der Regierung möglichst rasch wieder ans Netz gehen kann.

vor dem Kanzleramt in Berlin
vor dem Kanzleramt in Berlin

Anlässlich Abes Besuch in Berlin haben sich deutsche und japanische Atomkraftgegner, auch von unserer Gruppe „Sayonara Genpatsu Düsseldorf“ vor dem Kanzleramt in Berlin eingefunden und gegen die japanische Atompolitik, die Wiederinbetriebnahme der AKWs und dem schlechten Umgang mit den Opfern der Reaktorkatastrophe zu demonstrieren.

Im nachfolgenden Video sind Ausschnitte der Protestaktion vor dem Kanzleramt zu sehen. Die Reden, u.a. auch durch einer unserer SGD Vorstandsmitglieder „Bontaka san“, beginnen ab Mitte des Videos.

Berlin: Stopp Abenomix  - Premierminister Abe aus Japan zu Gast bei Frau Bundeskanzlerin Merkel

Bilder zur Protestaktion vor dem Kanzleramt auf 明日うらしま “. Der Text ist zwar auf Japanisch, die nachfolgenden Bilder drücken den Inhalt jedoch klar aus.

Abschließend noch ein ausführlicher Artikel der DW mit zwei kurzen Videos.

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April 2014

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl jährt sich in diesem Monat zum 28. Mal und die Folgen dauern immer noch an. Auch in Deutschland ist die Belastung durch den Fallout, vor allem in Süden noch deutlich nachweisbar.

AKW Tschernobyl
AKW Tschernobyl

Nicht nur in der unmittelbaren Umgebung, sondern in ganz Europa sind zahlreiche Krebserkrankungen, Fehlbildungen und Totgeburten, sowie weitere Umwelt- und Gesundheitsschäden auf die erhöhte Radioaktivität der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zurück zu führen.

Trotz dieser massiven Auswirkungen nach einer Reaktorkatastrophe, sowie die Folgen weiterer Zwischenfälle aus der Vergangenheit, laufen weltweit noch über 400 Reaktoren, ohne das die betreibenden Länder zur Einsicht kommen.

Auch die Reaktorkatastrophe in Fukushima, die alles andere in den Schatten stellt, wird, damit der „Imageschaden“ der Kernenergie so gering wie möglich gehalten wird von der internationalen Atomlobby verharmlost. Der jüngste Beweis hier für ist der aktuelle UNSCEAR-Bericht (United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation"), der die gesundheitlichen Folgen der Reaktorkatastrophe in Fukushima massiv herunter spielt. Dem nach sei man noch einmal glimpflich mit einem blauen Auge davon gekommen. Das ist aber absolut nicht der Fall! Denn die ersten Krebsfälle sind schon da und häufen sich!

Reaktor 4 nach der Explosion
Reaktor 4 nach der Explosion

In den frühen Morgenstunden des 26. April 1986 kam es nach einer misslungenen Testreihe im Reaktor 4 am AKW Tschernobyl zu einer heftigen Explosion. Der Inhalt des graphitmoderierten Reaktors wurde kilometerweit in die Luft geschleudert und weiträumig in der Umgebung verteilt.

Der Reaktor brannte 10 Tage lang lichterloh.

Die damalige UDSSR, wozu auch die heutige Ukraine gehörte versuchte diesen Unfall zu verschweigen, bis sich die sichelförmige radioaktive Wolke über Europa ausbreite und an einem schwedischen AKW eine erhöhte Strahlung, die nicht aus dem eigenen AKW, sondern aus dem Osten kam festgestellt worden ist.

 

Die Stadt Prityat
Die Stadt Prityat

Gegenüber den Anwohnern aus der unmittelbaren Umgebung wie die Stadt Pripyat versuchten die Behörden ebenfalls die Auswirkungen des Vorfalls zu verschweigen und die Leute genossen den schönen Frühlingstag im Freien. Das havarierte AKW lag in Sichtweite. Die Kinder, die von dem brennenden Reaktor fasziniert waren, radelten zum Kraftwerk und die Erwachsenen standen mit dem Feldstecher auf dem Balkon.

Prityat wurde erst nach zwei Tagen evakuiert.

Über die Gefahren war man sich in Prityat, der Stadt, die vorwiegend von AKW-Mitarbeitern und ihren Familie bewohnt war nicht bewusst. Die Aufklärung war nicht ohne Grund sehr dürftig. Nur wenige wussten genauer über die Risiken der Kernenergie und über die Gefahren der Radioaktivität Bescheid.

Liquidatoren
Liquidatoren

Die beteiligten AKW-Mitarbeiter und die herbei gerufenen Feuerwehrleute wurden in jener Nacht sehr stark verstrahlt, so dass sie direkt Symptome wie Übelkeit und Erbrechen  zeigten und in den darauffolgenden Tagen starben.

800 000 Liquidatoren, die aus ganz Russland rekrutiert worden sind, wurden verstrahlt. Die ersten wurden schon ins havarierte AKW geschickt, als der Reaktor noch brannte. Sie sollten das heraus geschleuderte Graphit zurück in den Reaktorkrater schaufeln. Die Elektronik der ferngesteuerten Robotter versagte unter der hohen Strahlung; also wurden Menschen eingesetzt.

Der eilig errichtete Sarkopharg ist mittlerweile rissig und strahlt selber. Eine neue Schutzhülle, die viel stabiler ist und 100 Jahre halten soll, befindet sich in Bau.

Neben den massiven Gesundheits- und Umweltfolgen, die ein havariertes Kernkraftwerk verursacht kommen auch noch die immensen Kosten hinzu.

Ein havariertes AKW ist unbrauchbar, bringt keinen Nutzen, muss aber weiterhin laufend „betreut“ und beaufsichtigt werden, verursacht Krankheiten ohne Ende und hinterlässt eine massive Umweltkatastrophe.

 

. . . und das alles nur im Dienste der Stromproduktion?

 

Obwohl die Katastrophe in Tschernobyl schon 28 Jahre zurück liegt, ist das letzte Tschernobyl-Opfer noch nicht einmal geboren. Die ersten Folgen der Reaktorkatastrophe in Fukushima sind zwar schon eingetreten, dessen Ausmaße sind jedoch bei weitem noch nicht absehbar.

 

Weitere Artikel:

=> Die Auswirkungen von Tschernobyl und Fukushima mit Daten über die gesundheitlichen Folgen in Europa.

 => Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW hat den neuen UNSCEAR-Bericht einmal genau unter die Lupe genommen. Mehr dazu im Bericht „Vertuschung von Gesundheitsfolgen“.

=> Video: Der Super GAU in Tschernobyl 1986

 

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März 2014

Drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima und die Welt hat immer noch nichts gelernt

Drei Jahre sind nun seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima vergangen und noch immer leben 1,6 Mio. Menschen, darunter 360 000 Kinder in radioaktiv verstrahlten Gebieten, die man in Tschernobyl schon evakuiert hätte.

Aber statt das die japanischen Behörden die Betroffenen evakuieren, bekamen die Kinder Dosimeter zum umhängen. Die aufgezeichneten Messergebnisse werden den Eltern jedoch nicht mitgeteilt. Sie dienen wahrscheinlich nur der Wissenschaft.

Hier liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ein groß angelegtes Experiment handelt, bei dem festgestellt werden soll, wie sich Radioaktivität in unterschiedlicher Menge auf die Menschheit auswirkt. Und die Hauptakteure sind die Kinder! (Bild der Fukushima-sokai.net)

Schon bei 33 Kindern in der Präfektur Fukushima wurde ein Schilddrüsenkrebs diagnostiziert und bei 75 weiteren Kindern besteht ein dringender Verdacht.

Normalerweise ist Schilddrüsenkrebs bei Kindern äußerst selten. Die Leukämiefälle sind ebenfalls im Aufwärtstrend.

 

 

 

Wie auch schon in Tschernobyl sind in Fukushima noch zahllose Folgeerkrankungen, wie verschiedene Krebsarten, genetischen Schäden, Missbildungen, Fehl- und Totgeburten, Gefäßveränderungen, Schwäche, Müdigkeit und weitere Erkrankungen zu erwarten, die aufgrund der erhöhten Radioaktivität entstehen.

Neun Monate nach der Reaktorkatastrophe, also im Dezember 2011 sank die Geburtenrate in der Präfektur Fukushima um fast 15%. Als Ursache hier für kommen  Spontanaborte in Frage, die sich kurz nach Beginn der Reaktorkatastrophe und den damit verbundenen Anstieg der Radioaktivität ereignet haben. Eine Evakuierung der

KiTa in Fukushima-City
KiTa in Fukushima-City

betroffenen Gebiete, wozu auch die beiden großen Städte Koriyama und Fukushima-City gehören, wird von der Regierung jedoch nicht angestrebt. Entschädigungszahlungen bleiben in den meisten Fällen ebenfalls aus. Aber statt Abhilfe zu schaffen will die Regierung das Problem mit aller Macht verdrängen und Normalität walten lassen. So, als wäre nichts passiert, bzw. alles wieder gut.

Im Frühjahr 2013 wurde ein Kindermarathon bewusst in Fukushima abgehalten und ständig propagiert, dass alles in Ordnung sei. Auch eine Strahlenbelastung bis zu 20 mSv/a finden die Behörden für Kinder noch völlig in Ordnung. In Tschernobyl jedoch galten Gebiete mit einer Strahlenbelastung ab 5 mSv/a als evakuierungspflichtig.

Der kindliche Organismus reagiert aufgrund seiner schnelleren Zellteilung (Kind befindet sich noch im Wachstum) wesentlich empfindlicher auf Radioaktivität als ein Erwachsener.

Durch den Zuschlag für die olympischen Spiele 2020 fühlt sich die Regierung unter Shinzo Abe (LDP) in seinen Behauptungen auch noch bestärkt und behauptete sogar, das am AKW Fukushima dai ichi alles unter Kontrolle sei.

Die ständig auftretenden Probleme mit dem radioaktiv verseuchten Wasser, was ständig irgendwo ausläuft und ins Meer gelangt, das defekte Kabel, was erst Ende Februar die Kühlung vom Abklingbecken im Reaktorblock 4 lahm legte, spricht nicht gerade dafür, dass die Lage an der havarierten Atomruine Fukushima dai ichi unter Kontrolle ist.

Studien der WHO zu den gesundheitlichen Folgen nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima sind nicht glaubhaft, da die WHO ihre Daten von der IAEA bekommen hat. Die WHO hat keine eigenen Experten auf dem Gebiet und ist verpflichtet die von der IAEA erstellten Daten eins zu eins zu übernehmen und zu veröffentlichen. Der UNSCEAR-Bericht ist auch nicht viel besser.

Japanische Behörden weisen Ärzte in Fukushima sogar an, einen Zusammenhang eventueller Krankheitssymptome, die in Verbindung mit der erhöhten Radioaktivität stehen, vor ihren Patienten zu verschweigen, bzw. zu dementieren. Die meisten Krankenkassen verweigern sogar die Kostenübernahme, wenn die abzurechnende Diagnose in Verbindung mit einer Strahlenbelastung aufgrund der Reaktorkatastrophe gestellt worden ist.

Als Konsequenz dessen behandeln manche Ärzte, die das mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, Patienten, bei denen der Verdacht einer Strahlenerkrankung vorliegt sogar kostenlos.

Säcke mit radioaktiven Abfall
Säcke mit radioaktiven Abfall

Davon betroffen sind sehr oft Arbeiter, die am AKW Fukushima dai ichi oder bei den Dekontaminierungsmaßnahmen tätig sind. Denn die Versorgung durch den Arbeitgeber ist katastrophal. Arbeitsschutz – Fehlanzeige. Und dazu schlechte Bezahlung. In Anbetracht der gesundheitlichen Folge-

Dekontaminierter Bahndamm nahe der Sperrzone
Dekontaminierter Bahndamm nahe der Sperrzone

schäden, wie auch schon bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, ist der Weiterbetrieb aller kerntechnischen Anlagen in keiner Weise mehr zu verantworten.

Die Atomkonzerne, verantwortliche Politiker, sowie weitere Profiteure sehen das jedoch anders und bleiben weiterhin auf Atomkurs.

Gehirnwäsche_Flyer
Gehirnwäsche_Flyer

Während die Lage am havariertem AKW Fukushima dai ichi absolut nicht unter Kontrolle ist und jeder Zeit entarten kann, versucht der Strom- konzern Kyushudenryoku aus Süd- japan den Kindern mit bunten Illustrationen die „kraftvolle“ Kern- energie schmackhaft zu machen. (Gehirnwäsche fängt schon im Kindes- alter an). Von Radioaktivität und dessen Gefahren und Folgen verliert der Konzern natürlich kein Wort. Die japanische Regierung

will trotz Super-GAU im eigenen Lande zurück zur Kernenergie. Auch die Ukraine will trotz Super-GAU im eigenen Lande weiter an der Kernenergie festhalten und sogar neue AKWs bauen.

In Europa sollen mit EU-Subventionen 69 neue Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 104 MW entstehen.

Es wird auch immer gerne propagiert, dass die neuen AKWs über eine moderne Technik verfügen und somit wesentlich leistungsstärker und besser sind.

Und genau das ist nämlich die Gefahr.

Denn je höher entwickelt die Technik, desto fataler die Unfälle!

Drei aktuelle Reortagen (02/2014):

Filmdoku und Berichte vor Ort:

Die Fukushima-Lüge – Johannes Hano über die AKW-Katastrophe

Eine ZDF-Reportage, die die Wahrheit ans Licht bringt        Zum Video

ZDF-Reportage: Die Fukushima-Lüge mit Johannes Hano
ZDF-Reportage: Die Fukushima-Lüge mit Johannes Hano

Berichte vor Ort:

Fukushima heute Berichte - Petra Alt über Fukushima und die Folgen der Reaktorkatastrophe

Aus den Nachrichten verschwunden und von der Regierung im Stich gelassen! Kinder leben mit der hohen Strahlung.

Zum Bericht

 

Berichte und Interviews vor Ort:

Fukushima 360° - Alexander Neureuters über Fukushima nach der Reaktorkatastrophe

Zum Bericht

 

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Januar 2014

Der Jahresrückblick 2013 

Feuerwerk 2013/2014
Feuerwerk 2013/2014

Januar

Der im Dezember 2012 frisch gewählte japanische Ministerpräsident Abe (LDP) will trotz Reaktorkatastrophe im eigenen Lande weiter an der Kernenergie festhalten und diese sogar weiter ausbauen und auch exportieren.

In der Präfektur Fukushima werden lauter „wilde Müllkippen“ entdeckt, wo Dekontaminationsfirmen den radioaktiv verseuchten Dreck, wie Laub und Erdreich illegal in der Landschaft entsorgt haben.

 

Deutschland produzierte 2012 ein reichlichen Überschuss an Strom, der ins Ausland exportiert worden ist; obwohl „nur“ noch 9 von 17 Reaktoren liefen.

 

Februar

Am AKW Ōi, Präfektur Fukui, das einzige AKW, was zur Zeit am Netz ist,  ereignet sich ein Störfall, der sehr schnell hätte in einen Super-GAU enden können. Durch einen Bedienerfehler kommt es in Reaktor 3, der im Vollbetrieb läuft zu einem Stromausfall.

 

Nordkorea führt erneute Tests mit Atomwaffen durch und Deutschland denkt über eine „kostengünstige“ Entsorgungsmöglichkeit von Atommüll in Russland nach.

 

März

Auf landesweiten Anti-AKW-Demos werden neben den Tsunami-Opfern auch die Opfer der Reaktorkatastrophe bedacht.

Einen offiziellen Gedenktag für die Strahlenopfer in Fukushima, so wie es den auch für die Opfer der Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki gibt, soll es nach Wünschen der japanischen Regierung jedoch nicht geben. Denn die Regierung will mit allen Mitteln den Ruf der „friedlichen Nutzung“ der Kernenergie retten, so dass solche Gedenktage nicht erwünscht sind.

 

Verbraucherzentralen in Deutschland belegen das, was viele schon vermuten:“ Der Strom in Deutschland ist viel zu teuer“. Die Preise werden künstlich hochgeschraubt, obwohl der Strompreis an der Börse dank der erneuerbaren Energien laufend sinkt.

 

April

Am AKW Fukushima dai ichi werden die großen Lagerbecken, die für das nicht mehr verwertbare hochradioaktiv verseuchte Wasser aus dem Reaktorkühlkreislauf angelegt worden sind undicht. Aus drei der sieben Becken gelangt das Wasser ins Erdreich, somit ins Grundwasser und zum Meer.

Die Becken werden abgepumpt und das Wasser in eilig errichtete Lagertanks umgefüllt.

Die Wasserbecken, die mit einer dreifachen Plane ausgelegt waren, hielt man für ganz besonders kostengünstig. Auch bei den nun verwendeten Tanks wurde statt der Sicherheit der Kostenfaktor prioritär, wie sich später (ab August) zeigte, berücksichtigt.

 

Mai

Im Hamburger Hafen, als der evangelische Kirchentag mit 50000 Besuchern statt findet, gerät ein Frachter, der tonnenweise nukleares Material geladen hat in Brand. Eine

Explosion konnte noch verhindert werden. Andernfalls wären neben 100 000den Verletzten und Toten, die zu beklagen wären der Großraum Hamburg radioaktiv verseucht worden.

 

Ministerpräsident Abe  (LDP) fördert den Export japanischer Nukleartechnologie und macht handfeste Deals mit dem ebenfalls atomfreundlichen türkischen Ministerpräsidenten T. Erdoğan (AKP).

Hier könnte das „AKP“ für „Atomkraftpartei“ stehen.

 

Juni

Das Hochwasser, was in einigen Teilen Deutschlands wütet, gefährdet nicht nur die Anwohner, sondern auch die ufernahen AKWs. So droht zum Beispiel das Hochwasser am Oberrhein das AKW Biblis zu überfluten und eine Woche später steigt die Unterelbe auf kritische Werte an, so dass das AKW Krümmel kurz vor der Überflutung steht. Schwerwiegende Störfälle wären hier bei nicht mehr auszuschließen gewesen.

 

Das belgische AKW Doel darf wie auch das AKW Tihange trotz vieler feiner Haarrisse weiter laufen.

 

Tepco leitet fleißig radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Atomruine Fukushima dai ichi ins Meer und die Regierung will in der Präfektur Fukushima „Normalität“ walten lassen. Es werden sogar Sportveranstaltungen mit Kindern, sowie weitere Aktionen im Freien durchgeführt.

 

Juli

Der im Dezember gewählte Ministerpräsident Abe (LDP) gewinnt die Oberhauswahl und ist jetzt dominierend im Ober- und Unterhaus. Wie auch schon bei der Unterhauswahl war hier die Wahlbeteiligung nur sehr gering. Ein Wahlergebnis, was nicht ohne Konsequenzen für die Japaner sein wird.

 

In der Präfektur Fukushima gibt es wieder Skandale wegen radioaktiv kontaminierten Müll, der durch Dekontaminationsfirmen illegal in der Landschaft entsorgt worden ist. Und der Stromkonzern Tepco will das AKW Kashiwazaki Kariwa wieder ans Netz nehmen dürfen, wofür er entsprechende Anträge bei der Atomaufsichtsbehörde NRA stellt.

 

Auch in Brüssel hält man weiter an der Atomkraft fest und will sogar den AKW-Ausbau mit EU-Geldern fördern.

 

August

Am havariertem AKW Fukushima dai ichi spitzt sich das Wasserproblem zu. Der Grundwasserspiegel steigt. Die hochradioaktiv verseuchten Reaktorkellerräume werden weiterhin „ausgewaschen“, das Wasser gelangt zum Meer.

Die Lagertanks für hochverstrahltes Wasser werden undicht und laufen aus. Dieser Vorfall wird auf der INES-Skala mit Stufe 3 eingestuft.

Um den Grundwasserkontakt zu den Reaktorkellerräumen zu verhindern, wird eine unterirdische „Eismauer“ um die Reaktoren 1 bis 4 geplant.

International wachsen jedoch die Zweifel, das Tepco und die japanische Regierung die Probleme am AKW Fukushima in den Griff bekommen.

 

Einige Stollen im havarierten Atommülllager Salzstock Asse, in dem seit Jahrzehnten Grundwasser eindringt, drohen einzustürzen. In einem der Stollen ist ein 40 t schwerer Brocken von der Decke gekracht.

Der Gesamtzustand der Asse hat sich in den letzten drei Jahren dramatisch verschlechtert.

 

September

Tokyo erhält den Zuschlag für die olympischen Spiele 2020. Um diesen zu bekommen, spendet Ministerpräsident Abe unter der Bedingung, dass das IOC die Olympiade nach Tokyo vergibt für ein Hilfsprojekt in Afrika.

Eine Vorgehensweise, die international auf harsche Kritik stößt, zumal auch die Gefahren, die weiterhin aus dem havarierten AKW drohen mitberücksichtigt werden sollten.

 

Das einzige laufende AKW Ōi geht wegen fälliger Wartung vom Netz und Japan ist wieder frei von Atomstrom.

 

In Nordkorea ist der umstrittene Plutoniumreaktor Yongbyon, wie Satellitenbilder zeigen nach mehrjähriger Pause wieder ans Netz gegangen.

 

Oktober

Am AKW Fukushima dai ichi gehen die Probleme mit dem radioaktiv verseuchten Wasser weiter. Im Grundwasser werden laufend hohe Strahlenwerte gemessen und das radioaktive Wasser, was nicht abgepumpt werden konnte gelangt ins Meer. Der Verdünnungseffekt sei laut japanischer Regierung und dem Betreiberkonzern Tepco ausreichend.

Und allen Katastrophen zum Trotz halten Regierung, Stromkonzerne und der Verband der Elektrizitätswerke (FEPC) den Atomstrom für unverzichtbar.

 

November

Die heikle Bergung der 1533 Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 am AKW Fukushima dai ichi beginnt. Dafür wurde extra eine spezielle Entnahmevorrichtung mit Schutzhülle gebaut. Allerdings wurden im gesamten Kraftwerk 80 beschädigte Brennelemente festgestellt, die die Bergungsarbeiten erheblich behindern könnten.

 

Der Betreiber Tepco hat nach anfänglichen Protesten die Stilllegung der noch intakten Reaktoren 5 und 6 der Atomruine im gegenseitigen Einvernehmen zugestimmt und die Regierung gibt zu, dass die hochverstrahlten Gebiete um das havarierte AKW nicht mehr bewohnbar sind.

 

Am AKW Gundremmingen in Bayern wurden zum wiederholten Male defekte Brennelemente im Reaktor festgestellt, was laut dem Betreiber RWE jedoch keine Gefahren dar stellt. Auch im Reaktor 2 am AKW Neckarwestheim, Betreiber EnBW sind beschädigte Brennelemente in Benutzung. Laut EnBW besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Allerdings wurde in der Umgebung ein Anstieg der Umgebungsradioaktivität festgestellt.

 

Dezember

Das heftig umstrittene und sehr schwammig formulierte Geheimhaltungsgesetz, was nicht nur die Regierung stärkt und die Bürger schwächt, sondern auch die Pressefreiheit massiv einschränken könnte, wird im Parlament durchgeboxt. Überall im Lande mehren sich die Proteste gegen das Gesetz. Unabhängige Experten und viele Bürger befürchten sogar einen gezielten Missbrauch des Gesetzes, um auch die Missstände in Fukushima besser verschleiern zu können.

 

Die IAEA kontrolliert die mit dem Westen vereinbarte Abänderung des Atomprogramms der iranischen Regierung. Auch eine Begehung am Plutoniumreaktor in Arak, was vorher stets verweigert worden ist, wird nun ermöglicht.

 

Tektonische Platten, aktive geologische Verwerfungen und die AKWs in Japan
Tektonische Platten, aktive geologische Verwerfungen und die AKWs in Japan

Wieder gibt es erneut Diskussionen um die geologischen Verwerfungslinien, die laut den jeweiligen AKW-Betreibern, die eine Stilllegung ihrer Anlagen befürchten natürlich nicht aktiv sind. Das erdbebenreiche Land Japan ist völlig durchsiebt mit geologischen Verwerfungen, die zum Teil auch seismisch aktiv sind.