Aktuelles 2016  

 

Dezember 2016

Erneutes Erdbeben mit Tsunami – eigentlich ein deutlicher Warnschuss! Aber . . .

Am 22.11.2016 ereignete sich in der Präfektur Fukushima ein stärkeres Erdbeben mit nachfolgenden Tsunami, der am AKW Fukushima dai ni die Kühlung des Abklingbeckens von Reaktor 3 für 90 Minuten außer Betrieb setzte. Weitere Erdbeben folgten in den Tagen danach. Es ist zwar glimpflicher abgelaufen als zunächst

angenommen, dennoch genug, um mit Schrecken die Erinnerung an das verheerende Tohoku-Erdbeben von 2011 wieder wach werden zu lassen.

Zum Wiederholten Male! Ein Erdbeben mit Tsunami in der Präfektur Fukushima! Dazu noch ein Störfall an einem AKW! Genau die gleiche Konstellation wie im März 2011, nur wesentlich milder. „Ob dieser Warnschuss wohl Wirkung zeigt?“

Die Regierung (LDP/Komeito) bleibt jedenfalls weiterhin auf Atomkurs und versucht die Wiederinbetriebnahme möglichst vieler Reaktoren voranzutreiben. Sogar der Bau eines neuen Schnellen Brüters wird diskutiert. 

Zurzeit laufen landesweit zwei Reaktoren, einmal Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime und Reaktor 2 am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima. Der sich zurzeit in Revision befindliche Reaktor 1 am AKW Sendai soll nach Plänen der Kyushu Elektrizitätswerke am 08.12.2016 wieder angefahren werden. Die Genehmigung der Präfekturverwaltung wurde bereits, jedoch nur widerwillig erteilt. Für diese „Amtshandlung“ wurde der neue Präfekturgouverneur Satoshi Mitazono, der eigentlich die endgültige Stilllegung des AKWs Sendai erwirken wollte, massiv unter Druck gesetzt.

Der Reaktor 2 geht Mitte des Monats zwecks Wartung vom Netz. Auch diesen wird Mitazono nach Beendigung der Revision wohl oder übel durchwinken müssen.

Im vergangenen Juli wurde Mitazono zum Präfekturgouverneur von Kagoshima gewählt, weil er die endgültige Stilllegung des AKWs Sendai befürwortet und somit die breite Unterstützung der örtlichen Bevölkerung bekam. Begründet wird das vor allem mit der Erdbeben- und Tsunamigefahr, sowie der Gefahr durch aktive Vulkane. Für die Atomlobby kommt nun „erschwerend“ hinzu, dass sich ein erneutes Erdbeben mit Tsunami und AKW-Störfall ereignet hat. Und das ausgerechnet auch noch in der Präfektur Fukushima!

Und trotz der gegenwärtigen Situation, der Gefahren und der breiten Ablehnung in der Bevölkerung sollen einige Reaktoren wieder ans Netz gehen. Zudem besteht auch absolut keine Notwendigkeit für die Kernenergie. Oder doch? Aus Profitgründen für ein paar wenige Lobbyisten und militärischer „Stärke“, die man zeigen will?

Am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata, dass wie die beiden Anlagen in Fukushima ebenfalls von Tepco betrieben wird, sieht es jedoch schwierig" aus. Denn auch in Niigata wurde ein neuer Präfekturgouverneur gewählt, der den Atomausstieg befürwortet. Im Gegensatz zu Kagoshima gibt es hier jedoch mehr politische Druckmittel, die man gegen das AKW Kashiwazaki Kariwa einsetzen kann. 

Die beiden zur Wiederinbetriebnahme angestrebten Reaktoren 6 und 7 werden von der Atomaufsichtsbehörde NRA sogar vorrangig überprüft. Denn diese sollen nämlich, um den hochverschuldeten Konzern Tepco wieder auf die Beine zu helfen, so rasch wie möglich ans Netz gehen.  

Um Tepco zu sanieren, wurde sogar frecher weise versucht, Anteile von Tepco an andere Stromkonzerne zu verkaufen – jedoch vergeblich. Komisch! Warum will denn keiner einen hochverschuldeten Atomkonzern Reaktorruine kaufen, dessen Folgekosten noch nicht einmal eingeschätzt werden können? 

Wie auch sein Vorgänger Hirose Izumida lehnt der neue Präfekturgouverneur von Niigata, Ryuichi Yoneyama die Wiederinbetriebnahme des örtlichen AKWs in seiner Präfektur, nämlich dem AKW Kashiwazaki Kariwa strikt ab.

Der Warnschuss aus Fukushima hat landesweit erneute Diskussionen bezüglich der Sicherheit der AKWs entfacht. Allerdings zeigt er leider keine Wirkung bei den Verantwortlichen!

 „Nutzen der Atomkraft versus Gefahren für Leib und Leben“, ein Thema, das nicht nur in Japan zur Sprache kommen sollte. Hinzu kommt nämlich noch etwas, was zurzeit in Europa immer mehr in den Fokus rückt. Und zwar sind das die feinen Haarrisse im Reaktordruck-

behälter, die nicht nur an den AKWs Doel und Tihange ein Thema sind, sondern auch an vielen weiteren AKWs vermutet, bzw. schon entdeckt worden sind. Ein „Phänomen“, das mit Sicherheit auch auf einige japanische Reaktoren zutrifft, die bereits für die Wiederin- betriebnahme vorgesehen sind.

Die Haarrisse im Stahl des Reaktordruckbehälters entstehen durch den Neutronenbeschuss wehrend der Kernspaltung. Und je älter der Reaktor, desto spröder der Stahl. Im schlimmsten Fall kann der Reaktor regelrecht explodieren, z.B. wenn im Falle einer drohenden Kritikalität zu kaltes Kühlwasser eingespeist wird! Zu kaltes Kühlwasser? Muss es nicht kühl sein??

In einigen europäischen AKWs wird das Kühlwasser für die Notkühlung sogar extra vorgeheizt, damit es im Falle einer Einspeisung nicht zum Temperaturschock für den heißen Reaktordruckbehälter (normale Betriebstemperatur 300C°) kommt. 60C°?? So heißes Kühlwasser?? Autsch!

Um den Neutronenbeschuss zu „begrenzen“, damit der Stahl des Reaktordruckbehälters geschont wird, werden die Brennelemente sogar so platziert, dass neuere von alten Brennelementen, die weniger Neutronen freisetzen umgeben sind. 

Vielleicht sollte man ja lieber, statt sich permanent Gedanken zu machen, wie man die Reaktorwand schont, den Reaktor vielleicht besser mal stilllegen – denn das schont auf jeden Fall die Reaktorwand! Und zwar nicht nur die Reaktorwand, sondern auch Leib und Leben!

 

In Japan jedenfalls bleibt abzuwarten, wie sich die Lage im kommenden Jahr weiterentwickelt. In diesem Jahr konnte zumindest der Betrieb zweier Reaktoren gerichtlich verboten werden (AKW Takahama, Urteil von 03/2016). Und es wurden Dank des Widerstandes weniger Reaktoren als ursprünglich gewollt in Betrieb genommen. Das ist zumindest schon mal ein Teilerfolg, der 2016 erzielt werden konnte.

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November 2016

Kosten für den Super-GAU

Umverteilung der Verantwortung für den Super-GAU – Der Verbrauer zahlt die Zeche

Nach Meinung der Regierung LDP/Komeito liegt die Verantwortung für die Reaktorkatastrophe von Fukushima nicht nur beim Staat und den Atomkonzernen, insbesondere Tepco, sondern auch bei der Allgemeinheit. „Man müsse nun zusammenhalten und die Verantwortung gemeinsam tragen“, so die Einstellung der Regierung. Die Verantwortung oder die Kosten?? Denn mit solchen Argumenten verteidigt die Regierung nämlich nur die Umverteilung der Folgekosten für den Super-GAU auf die Steuerzahler. Und das wirkt sich nicht nur auf die Steuern, sondern auch auf die weiter steigenden Strompreise aus. Der Atomkonzern Tepco, der das havarierte AKW Fukushima dai ichi zu verantworten hat, wird weiterhin kräftig vom Staat, also vom Steuerzahler unterstützt und die noch laufenden Entschädigungszahlungen sollen auch bald eingestellt werden – alles zum Zwecke der Kostenbegrenzung für den Super-GAU; für die Atomlobby versteht sich. Seit April 2016 wurde der Strommarkt 

liberalisiert, so dass der Verbrau- cher seinen Stromanbieter selber auswählen kann. Damit aber die großen Stromkonzerne, die Atomkraft betreiben, keine Nachteile „erleiden“, falls zu viele Verbraucher wechseln, werden die neuen Stromanbieter ebenfalls kräftig zur Kasse gebeten. Das heißt die neuen Stromanbieter, die auf erneuerbare Energien setzen und keinen Atomstrom produzieren, sollen den Atomkonzernen mit einer Art Ausgleichszahlung unter die Arme greifen. Sie sollen also, obwohl sie selber keine AKWs betreiben, für den Schaden, den die Atomkonzerne angerichtet haben, mit geradestehen. Die Atomkonzerne erhalten also neben den staatlichen Subventionen jetzt auch noch Ausgleichszahlungen von den Stromfirmen, die auf umweltfreundliche Energiegewinnung setzen. Ja, auch mit solchen Maßnahmen bremst die atomfreundliche Regierung die erneuerbaren Energien weiter aus. 

Seit der Reaktorkatastrophe von 2011 sind mittlerweile mehr als 5½ Jahre vergangen und das AKW Fukushima dai ichi verursacht Tag für Tag nur noch hohe Kosten und Probleme, ohne eine einzige KW/h Strom zu produzieren! Neben den massiven Umweltschäden und den gesundheitlichen Folgen für viele Generationen, hat das AKW Fukushima dai ichi dazu noch einen wirtschaftlichen Totalschaden für die Präfektur Fukushima verursacht, wobei neben den laufenden Kosten das finanzielle Gesamtausmaß noch nicht einmal eingeschätzt werden kann. Und dennoch behaupten die Lobbyisten immer noch, das die Herstellung von Atomstrom kostengünstiger sei als die erneuerbaren Energien. 

Der personelle Aufwand an einem AKW ist wegen dem Umgang mit nuklearen Brennmaterial und den damit verbundenen Sicherheitsvorschriften viel höher als an anderen Kraftwerken. Es ist dem entsprechend mit höheren Kosten verbunden. Außerdem muss die Anlage sehr gut bewacht werden (kein Zutritt für Unbefugte). Das gebrauchte Brennmaterial, was hochradioaktiv ist, muss über viele Jahre aktiv gekühlt und ständig beaufsichtigt werden. Die anschließende Trockenlagerung ist ebenfalls sehr aufwändig. Hinzu kommen noch alle Bemühungen für ein Endlager, die auch nicht ohne Kosten sind. Das sind alles Kosten, die in den Preis für Atomstrom eigentlich mit einberechnet werden müssten. Die Kosten für den Super-GAU kommen noch dazu. Von daher ist der Atomstrom, entgegen den Behauptungen der Regierung und den Atomkonzernen alles andere als billig! 

Die Präfektur Fukushima, die nun am meisten unter den Folgen der Reaktorkatastrophe zu leiden hat, hat daraus gelernt, sich von der Kernenergie losgesagt und setzt nun voll auf erneuerbare Energien. Da „helfen“ auch keine finanziellen Lockangebote der Atomlobby.

Der Bürgermeister von Fukushima-City Kaoru Kobayashi und der Präfekturgouverneur von Fukushima Masao Uchibori drängen auf eine endgültige Stilllegung der beiden AKWs Fukushima dai ichi und dai ni. Denn noch kann der Betreiber Tepco sich noch nicht so richtig von den Reaktoren 5 und 6 am AKW Fukushima dai ichi und den vier Reaktoren am AKW Fukushima dai ni trennen. Die Regierung ist diesbezüglich auch nicht konsequent.

Statt aber aus den Folgen zu lernen hält die Regierung weiterhin an der Kernenergie fest, setzt sogar auf den Export der Atomtechnologie und schloss bereits Verträge mit Indien für den Bau neuer Reaktoren. Verhandlungen mit Vietnam hingegen wurden als „ergebnislos“ beendet. Aber nicht etwa aus Vernunft der Vietnamesen, sondern weil sich Vietnam den Bau der Reaktoren nicht leisten kann.

 

Weiterführende Artikel zum Bürgermeister und Präfekturgouverneur der Präfektur Fukushima

Erneuerbare Energien – Deutsche Technologie als Vorbild

2015: Bürgermeister Kaoru Kobayashi zu Besuch in Deutschland - Ein Bericht der Agentur für erneuerbare Energien

 

Der Präfekturgouverneur Masao Uchibori wurde im Oktober 2014 gewählt und will die Präfektur Fukushima nicht nur in puncto Energiewende vorantreiben, sondern auch wirtschaftlich mit all seinen Produkten wieder nach vorne bringen, was jedoch äußerst optimistisch ist, wenn man die Strahlenbelastung der landwirtschaftlichen Flächen und der Küstengewässer bedenkt (siehe die Ziele, die in seinem Profil benannt sind). Dies und vieles mehr zu finden auf der Homepage der Präfektur Fukushima

 

August 2016

 

Hiroshima Jahrestag in Dortmund und Köln

Toro nagashi – Lichter fließen lassen 

Nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland gedachten wir den Opfern der beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima (06.August 1945) und Nagasaki (09.August 1945) – den 71. Hiroshima-Nagasaki-Tag.

Wir berichten über zwei Veranstaltungen, an denen einige Mitglieder unserer japanisch-deutschen Anti-Atom-Gruppe Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V. teilgenommen haben.  

 

In Dortmund veranstaltete die Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund, die IPPNW sowie weitere Veranstalter einen Mahngang durch die Dortmunder Innenstadt, der zum Ginkobaum, der als Symbol der Hoffnung gilt führte. Nach einer Kundgebung zum Gedenken ging es dann weiter zum Rathaus. Dort hatten die Besucher die Gelegenheit sich in der Ausstellung „Hibakusha weltweit“ ein Bild von den Folgen und Problemen der Atomkraft, Kernwaffen und der sogenannten friedlichen Nutzung der Kernenergie zu machen.

Hierzu gab es weitere Informationen durch Redebeiträge und die Geschichte von Sadako, die ein paar Jahre nach Abwurf der Atombombe aufgrund der Strahleneinwirkung im Kindesalter an Leukämie erkrankte.

Voller Hoffnung die Krankheit doch noch zu besiegen, bastelte Sadoko über 2000 Papierkraniche. . .

 

Die Papierkraniche, die laut einer japanischen Tradition Gesundheit, bzw. Heilung von Krankheit und ein langes Leben versprechen sollen, halfen ihr jedoch nicht mehr – zu stark waren die Folgen der Radioaktivität. Mit nur 12 Jahren erlag sie ihrer Leukämieerkrankung. 

Die Geschichte von Sadako als PDF von Nuclearfreeeducation

Eine Information zu Sadako vom Wikipedia

 

An den beiden Info-Ständen erhielten die Besucher auch das Buch eines Zeitzeugen mit dem Titel: „Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da“ von Shigemi Ideguchi, ein Bericht aus dem Zentrum der Atombombenexplosion.

Mehr Infos und Bestellmöglichkeit beim Verlag.

Die DVD „Kanon der kleinen Stimmen – Geschichten aus Fukushima“ ist ab sofort bei der Regisseurin Hitomi Kamanaka für 15 Euro erhältlich, die die DVDs über unsere Homepage vertreibt. Pro verkaufte DVD geht eine Spende von 2 Euro an uns, Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V. Das Spendengeld wird dann u.a. für die Finanzierung weitere Aktivitäten unserer Gruppe genutzt.

Sie möchten eine DVD erhalten? Dann einfach nur über das Kontaktformular eine Mail an uns schicken.

 

Einen Eindruck über den Inhalt der Dokumentation erhalten Sie im nachfolgendem Video, wo Frau Prof. Dr. Makiko Hamaguchi die DVD vorstellt: 

Einen hautnahen Eindruck über den Inhalt erhalten Sie im nachfolgendem Video, in dem Frau Prof. Dr. Makiko Hamaguchi die DVD vorstellt: 

Am selben Tag wurde auch in Köln, zuerst auf der Domplatte und dann im Hiroshima-Nagasaki Friedenspark der Atombombenopfer gedacht. 

Organisiert wurde diese Veranstaltung durch den Arbeitskreis Hiroshima-Nagasaki im Kölner Friedensforum, die am Abend nach Einbruch der Dunkelheit Laternen mit Kerzen auf den Aachener Weiher schwimmen ließen. Eine alte japanische Tradition, die vorwiegend in der Obon-Zeit abgehalten wird, um ihre Ahnen zu gedenken. Laternen vor den Häusern sollen die Seelen der Verstorbenen willkommen heißen. Ein ebenfalls traditionelles Ritual ist es „Lichter fließen zu lassen“ (Toro nagashi), also Laternen auf dem Fluss oder See zu setzen.  

 

Bilder zur Gedenkveranstaltung 2016 „Im Gedenken an 71 Jahre Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki“ –  festgehalten von Klaus Müller:

1) 71 Jahre Atombombenabwürfe – Gedenken im Hiroshima-Nagasaki-Park Köln am Gedenkstein "ATOMWAFFEN ABSCHAFFEN" – 6. August 2016  

2) 71 Jahre Hiroshima-Nagasaki – Tōro nagashi – Fliessende Lichter am Aachener Weiher – 6. August 2016

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Juli 2016

 

        AKW Ikata 

Störfall schon vor der Wiederinbetriebnahme

Unglaublich! Am Reaktor 3, AKW Ikata in der Präfektur Ehime kommt es schon zum Störfall, bevor er überhaupt angefahren worden ist. Eine Kühlpumpe, die sich im Reaktorsicherheitsbehälter befindet, funktioniert nicht. Nach Angaben der betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke soll das defekte Bauteil ausgetauscht werden. Die Wiederinbetriebnahme verschiebt sich somit von Ende Juli auf Anfang August dieses Jahres

Wurde der Reaktor etwa nicht von der Atomaufsichtsbehörde NRA unter strengsten Vorgaben überprüft? Zumindest laut den Prüfprotokollen! Denn dokumentieren kann man ja viel. . . 

Auch die Vorbereitungen zur Wiederinbetriebnahme wird durch die NRA begleitet und laufend kontrolliert.

Aber wie kann dann so etwas sein? Zumal der Reaktor ja auch als „technisch einwandfrei“ deklariert und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben worden ist. Um das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu erhöhen wurde am AKW Ikata eine Katastrophenschutzübung durchgeführt und das Personal geschult.

Vor dem AKW Ikata finden schon seit Monaten regelmäßig Proteste gegen das wiederanfahren von Reaktor 3 statt. Denn schließlich ist die Zeitbombe ja auch noch mit MOX bestückt und vertrauenserweckend sind diese Vorfälle ganz bestimmt nicht.

 

Ähnlich war es ja auch schon am Reaktor 4, AKW Takahama, der nach ein paar Tagen wegen Störfall notabgeschaltet (RESA) worden ist. Auch dieser wurde zuvor von der NRA „ganz gründlich“ überprüft und für „sicher“ befunden. So steht es zumindest in den Prüfprotokollen. . .   

 

AKW-Status Ende Juli 2016

In Japan laufen derzeit 2 Reaktoren:

Reaktor 1 am AKW Sendai (DWR seit 1984, Kyushu Elektrizitätswerke)

Reaktor 2 am AKW Sendai (DWR seit 1985, Kyushu Elektrizitätswerke)

In Vorbereitung:

Reaktor 3 am AKW Ikata (DWR seit 1994, Shikoku Elektrizitätswerke), Wiederinbetriebnahme verschiebt sich aufgrund des o.g. Störfalls.

 

1) AKW Sendai Reaktor 1, bestückt mit 157 „normalen“ Brennelementen, läuft seit 08/2015 (Stopp wegen Wartung für September/Oktober 2016 vorgesehen)

 

2) AKW Sendai Reaktor 2, bestückt mit 157 „normalen“ Brennelementen, läuft seit 10/2015 (Stopp wegen Wartung für Oktober/November 2016 vorgesehen)

 

3) AKW Takahama Reaktor 3, bestückt mit 24 MOX und 133 normalen Brennelementen, lief seit Ende Januar 2016. Per Gericht gestoppt seit Anfang März 2016.

 

4) AKW Takahama Reaktor 4, bestückt mit 4 MOX und 153 normalen Brennelementen, lief seit Ende Februar 2016. Störfall mit RESA Ende Februar. Per Gericht gestoppt seit Anfang März 2016. 

 

5) AKW Ikata, Reaktor 3, bestückt mit 16 MOX und 141 „normalen“ Brenn-

elementen. Die für Ende Juli angesetzte Wiederinbetriebnahme verschiebt sich wegen technischer Störung auf voraussichtlich Anfang August.

 

 

Energiepolitik - Deutschland und Japan im Vergleich

 

Deutschland

Ende 2022 soll nach Beschluss der Bundesregierung der letzte Reaktor vom Netz gehen. Vom EU-Parlament wird die Kernenergie jedoch vorangetrieben, auch von dezentral gelegenen „Mini-AKWs“ ist hier die Rede. Von einem Ausstieg keine Spur.

„Begründung“: Unabhängigkeit von Gasimporten aus Russland und das Erreichen der Klimaziele bis 2030. - Und wieder kommt das CO²-Märchen mit dem Klimaschutz zum Tragen.

131 laufende Reaktoren in 14 Ländern der EU. Weitere AKWs sind in Planung, bzw. werden schon gebaut.

In Deutschland laufen derzeit 8 Reaktoren, dabei handelt es sich um 6 Druckwasser- und 2 Siedewasserreaktoren (Stand: 07/2016).

Japan

Der von der Vorgänger-regierung (Ministerpräsi- dent Naoto Kan, DPJ) beschlossene Atomausstieg bis 2030 wurde durch die jetzige Regierung (Minister- präsident Shinzo Abe, LDP) wieder zurückgenommen. Stattdessen soll der Anteil an Kernenergie im Jahr 2030 bei 20 bis 22% liegen.

 

Der Verbund der Stromkonzerne hat in Zusammenarbeit mit der ebenfalls atomfreundlichen Yomiuri Shinbun (eine große japanische Tageszeitung) im Juni 2015 eine Gehirnwäschebroschüre herausgebracht, die „erklärt“, warum die Atomkraft so dringend notwendig ist.

Die Schauermärchen der Atomlobby sind uns ja hinreichend bekannt. Und das sind auch genau die selben Scheinargumente wie in Deutschland, sodass wir auf die Übersetzung der Broschüre getrost verzichten können. Um der angeblichen Umweltfreundlichkeit der Atomkraft noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen, hat man das Ganze sogar extra auf 100% Altpapier gedruckt. Das Umweltlabel ist auf dem letzten Blatt unten links zu finden.

 

Nachfolgend die Scheinargumente der Atomlobby in der Enelog-Broschüre:

Enelog なぜ原子力が必要なのか  (原子力村の洗脳)

Enelog -  Warum ist die Atomkraft notwendig?

 

Nachfolgend die klare Widerlegung der Enelog-Scheinargumente:

Die Scheinargumente der Atomlobby (Zusammengestellt von .ausgestrahlt)

 

Anteil erneuerbarer Energien beider Länder

Der Anteil an Kernenergie im deutschen Energiemix liegt bei 14,1% und der Anteil erneuerbarer Energien bei 30% (Stand: 12/2015).

In Japan liegt der Anteil an Kernenergie bei 1 bis 2%. Man könnte jedoch problemlos weiterhin darauf komplett verzichten. Der Anteil an erneuerbaren Energien liegt bisher nur bei 11% (Stand: 05/2016). Hier ist deutlich mehr drin, aber die Regierung bremst die Energiewende laufend aus.

 

Einige Gemeinden ziehen da jedoch nicht mit. Z.B. die einst so stark von der Atomlobby abhängige Stadt Minamisoma in der Präfektur Fukushima, die sich komplett von der Atomenergie losgesagt hat. Auch die Präfektur Kagoshima, wo sich das AKW Sendai (Süd) befindet, kommt jetzt auf den richtigen Kurs. Denn der frisch gewählte Präfekturgouverneur Satoshi Mitazono (58), ein ausgesprochener Kernkraftgegner will das AKW Sendai vom Netz haben. Das wird auch bald eintreten! Denn im Oktober/November müssen beide Reaktoren heruntergefahren und gewartet werden. Danach wird die Präfektur die nötige Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme nicht mehr erteilen. Somit wäre weiterhin „nur“ ein einziger Reaktor (AKW Ikata) am Netz – Vorausgesetzt das Ding kommt überhaupt ans laufen. Denn vielleicht könnte man ja aufgrund des Vorfalls „technischer Defekt am Reaktor 3 – Sicherheit wird infrage gestellt“ eine Klage vor Gericht gegen das AKW Ikata erwirken und damit durchbekommen. Dann wäre Japan nämlich ab November wieder komplett frei von Atomstrom!

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Juni 2016

Energiepolitik in Japan – Anteil der Kernenergie bis 2030?

          - was die Regierung uns verschweigt- 

 

Der regierende Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) sieht im Energiefahrplan bis 2030 einen Anteil an Kernenergie von 20 bis 22% vor.  Das Japan, wie es ja bereits bewiesen hat, komplett auf Atomenergie verzichten könnte, ist mittlerweile bekannt. Dennoch will die Regierung weiter an der Kernenergie festhalten. Die Ausreden, wie u.a. das Klimamärchen mit der CO²-Emmission – ebenfalls bekannt!

 

Laut der japanischen Regierung, sind alle Reaktoren, die das Prüfsiegel der Atomaufsichtsbehörde NRA erhalten, in einem technisch einwandfreien Zustand und absolut sicher. Unabhängige Experten sehen das, vor allem in Anbetracht der zahllosen Erdbeben, Naturkatastrophen und der damit verbundenen Zusatzgefahren jedoch anders.

 

Dazu zählen nämlich auch die zahllosen zum Teil seismisch aktiven geologischen Verwerfungen, die stets durch die Atomlobby verharmlost werden. So verläuft z.B. am AKW Hamaoka, Präfektur Shizuoka eine Bruchzone genau zwischen den Reaktoren und dessen Turbinengebäude, so dass im Falle eines stärkeren Erdbebens die Verbindungsrohre bersten könnten. Das würde mit aller Wahrscheinlichkeit zum Kühlmittelverlust und Überhitzung der Reaktoren, also kurz um zum Super-GAU führen.

Die Regierung propagiert aber, dass die Sicherheitsvorschriften der Atomaufsichtsbehörde NRA weltweit die strengsten sind. Die NRA hat auch schon 5 Reaktoren an 3 AKWs zur Wiederinbetriebnahme freigegeben.

Von diesen 5 „streng überprüften“ Reaktoren wurde im vergangenem Februar Reaktor 4 am AKW Takahama, Präfektur Fukui, der erst seit ein paar Tagen wieder lief, wegen einem Störfall notabgeschaltet. Die Ursache ist bis heute immer noch nicht gänzlich geklärt.  

Im März wurde der Weiterbetrieb der Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama per Gericht verboten (LG Ōtsu, Urteil vom 09.03.2016). Die Kansai Elektrizitätswerke gingen zwar in Revision, jedoch ohne Erfolg, so dass die beiden Reaktoren weiterhin vom Netz bleiben müssen (LG Ōtsu, Urteil vom 17.06.2016).

 

Als „Trost“ erhielten die Kansai Elektrizitätswerke aber dann am 20.06.2016 von der Atomaufsichtsbehörde NRA eine Laufzeitverlängerung für die beiden maroden Altreaktoren 1 und 2 am AKW Takahama, die nun 20 weitere Jahre laufen dürfen!

Zwei weitere Reaktoren am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima in Südjapan laufen hingegen im Vollbetrieb. Die Erdbebenserie von Kumamoto (selbe Region) hat die Verantwortlichen auch nicht sonderlich beeindruckt. Und der 5. von der NRA freigegebene Reaktor, also Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime darf Ende Juli auch ans Netz.

 

Alle Reaktoren, die eine Laufzeit von 40 Jahren erreicht haben, sollen normalerweise stillgelegt werden. Denn je älter, desto störanfälliger! Es wurden von den Betreibern auch schon tatsächlich ein paar marode Reaktoren „aussortiert“. Auch Reaktoren, die die 40 Jahre noch nicht ganz erreicht haben. Aber nicht etwa aus sicherheitstechnischen Gründen, sondern eher, weil eine Nachrüstung versus Restlaufzeit unwirtschaftlich, also zu teuer wäre.

Von den ursprünglich 54 Reaktoren (02/2011) verfügt Japan jetzt „nur noch“ über 38 (06/2016), wovon einige möglicherweise wieder in Betrieb gehen werden.

 

Was die Regierung jedoch verschweigt, ist, das im Energiefahrplan bis 2030 AKW-Neubauten, bzw. Laufzeitverlängerungen für marode Altreaktoren vorgesehen sind. Denn ohne das wäre ein Anteil von 20 bis 22% am Kernenergie bis 2030 „nicht zu schaffen“ (siehe dazu die ausführliche Greenpeace-Studie unten). Und theoretisch müssten sogar noch weitere Reaktoren, die in den nächsten Jahren die 40jährige Laufzeit erreichen, stillgelegt werden. Andernfalls wäre „nur“ ein Anteil an Kernenergie von 14% bis 2030 „möglich“.

Denn normalerweise müssten in den nächsten Jahren mindestens 21 Reaktoren stillgelegt werden, da hier die Obergrenze von 40 Jahren erreicht wird. Womit „nur noch“ 17 Reaktoren, oder noch weniger übrigbleiben würden. Das würde bedeuten, dass der Anteil an Kernenergie im Jahr 2030 „nur“ noch bei 14% statt bei 20 bis 22% liegen würde.  

Das kommt dadurch, weil die Regierung uns einiges verschweigt. So ist anzunehmen, dass die Laufzeit maroder Altreaktoren verlängert und geplante AKW-Neubauten umgesetzt bzw. fast fertiggestellte AKW-Neubauten vollendet werden sollen.

 

Es geht auch anders!

Die Stadt Minamisoma, die sich in direkter Nachbarschaft zum havariertem AKW Fukushima dai ichi befindet, gab 2015 als erste Stadt bekannt, dass es aus der Kernenergie aussteigt und treibt die erneuerbaren Energien massiv voran. Von irgendwelchen Versprechen und Lockangeboten der Atomlobby lässt man sich in  Minamisoma, wo man die Folgen ja direkt zu spüren bekommen hat, auch nicht mehr blenden.

 

Früher war Minamisoma sehr stark von der Atomlobby abhängig – heute nicht mehr. Vor der Reaktorkatastrophe standen 50% der Arbeitsplätze in Minamisoma in Verbindung mit der Kernenergie. Heute zeigt die erneuerbare Energie mehr Potential. 

Bis jetzt besteht der Anteil an erneuerbaren Energien im japanischen Energiemix zwar nur aus 11% (05/2016), ist aber im Gegensatz zum Zeitraum vor der Reaktorkatastrophe deutlich mehr geworden. Es könnte jedoch weitaus mehr sein, wenn die Regierung den positiven Trend nicht ständig ausbremsen würde. Denn der Großteil der japanischen Bevölkerung befürwortet nämlich eine Energiewende und den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie. Es liegt nämlich an der Regierung, das die Energiewende nur im Schneckentempo vorangeht, obwohl Japan sehr gutes Potential dafür hat.

 

 

Greenpeace-Studie von Mai 2016 (japanisch)

 2030 年エネルギーミックスの現実度チェック:破綻する⽇本の原⼦⼒発電  

Energiemix 2030 – gegenwärtiger Check: Japan, die zum Scheitern verurteilten AKWs

 

 

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Mai 2016

Naoto Kan – Krisenmanagement in den ersten Tagen der Reaktorkatastrophe von Fukushima und die jetzige Atompolitik in Japan

- Vortrag in Frankfurt vom 30.04.2016 -  

 

Der ehemalige Ministerpräsident Naoto Kan (DPJ) besuchte Ende April Frankfurt, hielt einen Vortrag und wurde von den Elektrizitätswerken Schönau mit dem diesjährigen Preis „Courage beim Atomausstieg“ ausgezeichnet. 

Naoto Kan in Frankfurt. Bild: SGD
Naoto Kan in Frankfurt. Bild: SGD

Der einstige Atomkraftbefürworter Kan machte nach Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima eine 180°-Kehrtwende bezüglich seiner Meinung, als ihm die ersten Folgen der Kernenergie klar wurden. Denn der „elfte März“ fiel nämlich genau in seine Amtszeit und nun war er der Hauptverantwortliche für all die Katastrophenmaßnahmen. Von jetzt auf gleich! Eine völlig neue und schwierige Situation, die jeden an seine Grenzen bringt. Eine nahezu unbeherrschbare Situation mit ungewissem Ausgang. . .

In seinem Vortrag berichtet Naoto Kan über die ersten Tage danach und der jetzigen Atompolitik von Shinzo Abe (LDP), der im Gegensatz zu Kan nichts aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima gelernt hat.

 

FAZ, Interview mit Naoto Kan

 

Video: Vortrag von Naoto Kan (Video 1 bis 3, japanisch mit deutscher Übersetzung) und die Preisverleihung durch Sebastian Sladek, EWS).

 

(1/3)菅直人元首相「脱原発勇敢賞」受賞スピーチ(日独通訳)6:29

(2/3)菅直人元首相「脱原発勇敢賞」受賞スピーチ(日独通訳)10:41

(3/3)菅直人元首相「脱原発勇敢賞」受賞スピーチ。(日独通訳)10:56

Preisverleihung "Courage beim Atomausstieg" 表彰「脱原発勇敢賞」

シェーナウ電力会社スラーデック理事から表彰の言葉(ドイツ語のみ)1:06

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April 

 

30 Jahre Tschernobyl – Die Situation heute

Auch in Tschernobyl, obwohl das schon 30 Jahre her ist, hält die Katastrophe immer noch an. Vor allem die Bevölkerung in der Ukraine und Weißrussland, wo der meiste Fallout niederging, hat darunter zu leiden. 

Tagesschau am 26.04.1986
Tagesschau am 26.04.1986

Am 26.04.1986 explodierte mitten in der Nacht Reaktor 4 am AKW Tschernobyl. Das misslungene Experiment, was eigentlich die „Sicherheit“ des AKWs „bestätigen“ sollte, ging mit verheerenden Folgen in die Hose und forderte mindestens 120 000 Todesopfer. Etwa 50 Einsatzkräfte, die in den ersten Tagen vor Ort waren, starben ziemlich zügig an den Folgen der Verstrahlung. Etwa 1 Mio. Menschen in der Umgebung leiden unter den Folgen der Radioaktivität.

Etwa 200 000 Menschen wurden evakuiert und die 30-km-Zone ist bis heute unbewohnbar.

Wer sich „gesund“ fühlt, also (noch) nicht unter den Folgen der erhöhten Radioaktivität zu leiden hat, hat die Reaktorkatastrophe bereits verdrängt und interessiert sich auch nicht mehr dafür.  Vor allem die jüngere Generation in der Ukraine hat andere Interessen und befasst sich nicht mehr mit dem Thema „Tschernobyl“. Es bestehen sogar zum Teil erhebliche Wissenslücken.

Ab und zu, zum Jahrestag finden vereinzelnd Gedenkgottesdienste statt, aber ansonsten ist da schon reichlich Gras drüber gewachsen.

Nur bei den Betroffenen, die sehr wohl unter den Folgen der Reaktorkatastrophe zu leiden haben, ist das Thema weiterhin präsent.  Und es ist unklar, wie viele der nachfolgenden Generationen immer noch unter den Folgen der Reaktorkatastrophe, die nun schon 30 Jahre her ist zu leiden haben. Viele erkranken an Krebs, vor allem Schilddrüsenkrebs bei Kindern, sowie an weiteren nichtkanzerogenen Erkrankungen. Es kamen viele Kinder mit Missbildungen zur Welt. Die Lebenserwartung der Ukrainer, sowie in anderen stärker kontaminierten Gebieten ist niedriger als in anderen Ländern.

Die medizinische Behandlung, z.B. in einer Spezialklinik in Minsk muss zum Teil selbst bezahlt werden. Somit sind viele Betroffene und deren Angehörige auf Spenden angewiesen. Für die betroffenen Kinder werden weiterhin Erholungsaufenthalte u.a. in der Schweiz und in Deutschland angeboten, welche ebenfalls aus Spenden finanziert werden. 

 

Der Fallout ging auch über Europa nieder. In Deutschland ist vor allem der Süden und Teile des Ostens betroffen. Bestimmte Pilze und Wild in Bayern weisen weiterhin eine hohe Strahlenbelastung auf. Selbst die eh schon sehr hoch angesetzte gesetzlich festgelegte Obergrenze von 600 Bq/kg wird da locker überschritten.  In der Ukraine liegt die Obergrenze bei 560 und in Japan sogar „nur“ bei 100 Bq/kg. Und selbst das ist noch viel zu hoch! 

Laut einer Studie der Wissenschaftlerin Prof. Dr. Elisabeth Cardis wird die Anzahl der bösartigen Schilddrüsenerkrankungen in Europa bis 2065 bei etwa 16000 und für weitere Krebserkrankungen bei 25 000 Fällen liegen.

Eilig wird der Strahlenschutt zurück in den Reaktor geschmissen
Eilig wird der Strahlenschutt zurück in den Reaktor geschmissen

Wie viele Menschen letztendlich im Laufe der Zeit an den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gestorben sind, ist unklar. Über 600 000 Liquidatoren gingen in das AKW und schmissen den herausgeschleuderten Schutt zurück in den brennenden Reaktor. In Windeseile wurde ein Sarkophag über Reaktor 4 gebaut, der mittlerweile selber strahlt und dazu noch einsturzgefährdet ist. Darunter befinden sich über 200 t hochradioaktives Material. Die neue Schutzhülle ist bereits im Bau und soll dann 100 Jahre halten. Der Bau liegt jedoch hinter dem Zeitplan, soll aber Ende 2017 fertig sein.  

Am AKW Tschernobyl arbeiten 1000 Leute im Schichtdienst, die neben der Beaufsichtigung mit der Kühlung der immer noch heißen Brennelemente aus den anderen Reaktoren beschäftigt sind. Denn das AKW blieb trotz der Reaktorkatastrophe weiterhin in Betrieb. Der letzte Reaktor ging erst 2001 vom Netz!

Die Strahlung im Tschernobyl-Gebiet ist im Durchschnitt 50 – 100 Mal höher als „normal“.

 

Die Ukraine und Japan

Im Strommix der Ukraine liegt der Anteil an Kernenergie bei 47%. 13 Reaktoren sind in Betrieb, 2 in Bau und 6 stillgelegt. Zumindest herrscht aber Baustopp an der AKW-Baustelle. Ein Ausstieg aus der Kernenergie wurde in der Ukraine nie angestrebt – trotz Reaktorkatastrophe im eigenem Lande.  Die noch laufenden Reaktoren sind auch schon sehr marode. Die jüngsten Störfälle, z.B. am AKW Saporischschja sind nicht gerade beruhigend.

Auch in Japan hält die Regierung trotz fehlender Notwendigkeit weiter an der Atomkraft fest. Und wie wir aktuell wieder einmal sehen (Massives Erdbeben in Kyushu), ist Japan ja auch kein besonders sicheres Pflaster für AKWs.

Fazit: Beide Länder haben versucht „ihre“ Reaktorkatastrophe und die Folgen zu verheimlichen. Beide schieben die Verantwortung hin und her und es ist auch keiner zuständig.

Einen Unterschied gibt es jedoch: Wehrend Japan den ganzen Strahlenmüll (Erdreich, Laub usw) im ganzen Land „homogen“ verteilt, hat die Ukraine, um eine flächendeckende Kontamination zu vermeiden, den ganzen Dreck in der 30-km-Sperrzone belassen. Allerdings wurde in der Tschernobyl-Zone fleißig geplündert und die Beute nach außen verkauft. Das sind z.B. Metalle, Steine, weitere Baumaterialien, eben alles, was noch „zu gebrauchen ist“.  

In Japan hingegen wird das Zeug „offiziell“ wiederverwertet. So wird kontaminiertes Erdreich im Straßenbau oder für Dämme verwendet. Die oberste Erdschicht des Dammes besteht jedoch aus nicht kontaminiertem Erdreich – wie beruhigend! Somit soll die Menge der radioaktiv verseuchten Erde reduziert werden.

Beide AKWs Tschernobyl und Fukushima werden weiterhin Unsummen an Geld verschlingen, viel Kraft und die Gesundheit vieler Leute kosten, ohne auch nur eine einzige KW/h Strom zu produzieren.

Paul Koch aus Braunschweig (Asse-Region) angergiert sich seit vielen Jahren für die Opfer der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und sammelt Berichte in seinem Blog „Tschernobyl Erinnerungen

Nachfolgend ein sehr interessanter Beitrag eines Zeitzeugen

Zeitzeugen – Bericht eines Liquidators"

30 Jahre nach Tschernobyl

Überblick über die gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe

Eine sehr informative Zusammenfassung von Fr. Dr. A. Claußen (IPPNW)

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Ende Februar

 

Wie sicher sind die als „sicher“ deklarierten Reaktoren wirklich?

In Anbetracht jüngster Ereignisse, muss man sich fragen, ob die nach den angeblich strengsten Sicherheitsvorgaben überprüften und von der Atomaufsichtsbehörde NRA zur Wiederinbetriebnahme freigegebenen Reaktoren wirklich technisch einwandfrei sind. 

Nur zu oft wurde schon eine seismisch aktive geologische Verwerfung, die zu nahe an einem Reaktor verlief, als „unbedenklich“ eingestuft. Auch aktive Vulkane in der Nähe von AKWs werden immer wieder klein geredet.

Das beste Beispiel ist der Vulkan auf Sakurajima (Präfektur Kagoshima, Kyushu in Südjapan), der immer wieder in die Schlagzeilen geriet. Denn nicht weit davon befindet sich das AKW Sendai (nicht zu verwechseln mit Sendai in Nordjapan), was im Herbst 2015 mit zwei Reaktoren wieder ans Netz ging.  

 

Zurück zum jüngsten Fall: Am AKW Takahama, Präfektur Fukui, ereignete sich am 20.02.2016 ein Vorfall an einem von der NRA freigegebenen Reaktor, der in den nächsten Tagen sogar wieder in Betrieb gehen sollte. In einem Nebengebäude des besagten Reaktors 4 ist radioaktives Wasser ausgelaufen und verteilte sich über den Boden. . . Dieser Reaktor galt als technisch einwandfrei und sicher! Und wurde auch von der Präfekturverwaltung und weiteren Behörden zur Wiederinbetriebnahme freigegeben.

 

Siehe dazu folgende Artikel vom 20.02.2016: 

News24.jp (Video, japanisch) 

Asahi shinbun (japanisch)

Fuku Info – aus den japanischen Nachrichten 

 

Der Reaktor 4 ist neben 153 „herkömmlichen“ mit 4 plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückt. Und schon vor der Wiederinbetriebnahme die ersten Störfälle! „Sehr beruhigend“.

„Natürlich ist das alles kein Problem und man suche ja auch nach der Ursache“.

Für die beiden maroden Altreaktoren 1 und 2 am AKW Takahama haben die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke sogar eine Laufzweitverlängerung für weitere 20 Jahre beantragt und die NRA zeigt sich da auch recht zuversichtlich. Die Gesamtlaufzeit würde somit 60 Jahre betragen. Und das sind nicht die einzigen Altreaktoren, für die eine Laufzeitverlängerung beantragt worden ist. Die Reaktoren 6 und 7 am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata werden zur Zeit prioritär überprüft. Der Betreiber ist Tepco, der auch das havarierte AKW Fukushima dai ichi zu verantworten hat! Ja, alles nur für den Profit.

Da nimmt die ohnehin atomfreundliche LDP/Komeito-Regierung auch schon mal ganz gerne Rücksicht, unterstützt den maroden Konzern tatkräftig und die Strahlenopfer bleiben auf der Strecke. Sie sollen sogar zurück in die verstrahlten Gebiete, als sei alles wieder gut. Die Entschädigungszahlungen werden 2017 gestoppt und der Schilddrüsenkrebs bei Kindern liegt jetzt schon bei 167 Fällen. Vor der Reaktorkatastrophe lag die Quote nahezu bei Null!

Das AKW Takahama, was ursprünglich aufgrund sicherheitsrelevanter Mängel per Gericht verboten worden ist, durfte nun doch in Betrieb gehen, weil das Urteil im vergangenen Dezember nämlich gekippt worden ist.

 

Auch das AKW Ikata, Präfektur Ehime darf mit Reaktor 3, der ebenfalls mit MOX bestückt werden soll, im Frühling wieder ans Netz gehen.  

Siehe dazu auch den Artikel „Ein Jahr geht zu Ende – Die Atomära leider noch nicht“ in Aktuelles von Dezember 2015.

 

Denn wie problematisch und folgenreich die Kernenergie ist, zeigt sich immer wieder. Auch 5 Jahre nach der Reaktorkatastrophe ist die Lage am AKW Fukushima dai ichi immer noch sehr gefährlich und kaum zu händeln.

 

Aber trotz dem boxen ein paar Lobbyisten gegen den Willen der Bevölkerung und bei fehlender Notwendigkeit die Rückkehr in die gefährliche Kernenergie durch. Ein Endlager für den Atommüll gibt es auch nicht! Warum produziert man dann noch mehr davon?

 

Drei Reaktoren laufen bereits. Das sind genau drei zu viel! Und der vierte macht schon Probleme bevor er überhaupt ans Laufen kommt. Also als „sicher“ kann man das nicht gerade bezeichnen. . .

 

Ein Song der Antiatom-Bewegung in Japan

Video: ずっとウソだった (Die ganze Zeit haben die uns belogen) Japanisches Anti-AKW-Lied von Violaine Mochizuki. Mit deutschem Untertitel

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