Aktuelles 2018  

Januar 2018 

AKWs zwischen Vulkanen und Erdbeben

In Japan sind Vulkane nach Erdbeben und Tsunami die dritte große Gefahr durch Naturereignisse. Alleine in Japan ereignen sich 20% aller Erdbeben weltweit. Dazu ist Japan übersät mit Vulkanen, wovon 265 zurzeit vermehrte Aktivität zeigen1,2,3. Hier und dort kommt es dann auch mal zum Ausbruch, der je nach Stärke erhebliche Gefahren, vor allem für die AKWs mit sich bringen kann. Nach einem Gerichtsur-

teil, das Mitte Dezember 2017 am OLG Hiroshima gefällt worden ist, darf der Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime, nach Beendigung der Revision (von Oktober 2017 bis Mitte Januar 2018), vorerst nicht mehr angefahren werden. Begründet wurde das Urteil damit, dass aktive Vulkane in der Umgebung, insbesondere der Berg Aso, Nordkyushu eine zu große Gefahr für das AKW Ikata darstellen würden. 

Der o.g. Reaktor wurde zwar 2016 durch die Atomaufsichts-behörde NRA für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetrieb-nahme freigegeben, allerdings wurden, wie unabhängige Experten belegten, mögliche Gefahren durch Erdbeben und Vulkane von der NRA völlig unterbewertet. Bei der Bewertung wurden sogar Daten der betreibenden Shikoku Elektrizitäts-werke herangezogen! (Kein Einzelfall). Da ist es doch ganz klar, dass die vom Betreiber erhobenen Daten zu Gunsten des AKWs ausgelegt sind. Denn kein Atomkonzern würde sich selber schaden wollen. Also kann doch von Objektivität der Daten keine Rede mehr sein. 

Ein Zustand, der nicht gerade vertrauenserweckend ist! Zumal die NRA den o.g. Reaktor freigab, obwohl er technische Mängel aufwies. Denn im Juni 2016, kurz vor der geplanten Wiederinbetriebnahme, fiel eine defekte Kühlpumpe auf, die erst einmal ausgetauscht werden musste. Auf die Vulkangefahr reagierte die NRA nun mit   

einem Notfallplan, der vorgibt, wie im Falle eines drohenden Vulkanausbruchs mit dem AKW umgegangen werden soll. Er ist in 4 Stufen gegliedert und sieht vor, dass bei Stufe 1 und 2 erhöhte Aufmerksamkeit, bzw. Alarmbereitschaft geboten ist. Bei Stufe 3, also der erhöhten Alarmbereitschaft, ist eine eventuelle Reaktorabschaltung vorzubereiten. Und wenn der Vulkan dann droht auszubrechen, also bei Stufe 4, soll der Reaktor sofort heruntergefahren und die Brenn-elemente entnommen werden. Die „heißen“ Brennelemente auf die Schnelle entnehmen? Und das auch noch gefahrlos? Und was ist mit dem Abklingbecken? Sind da keine „heißen“ Brennelemente drin, die noch aktiv gekühlt werden müssen? Denn das Abklingbecken wäre nämlich auch nicht sicher vor dem Vulkan. 

In Japan gelten etwa 265 Vulkane als aktiv. Die meisten davon befinden sich auf der Hauptinsel Honshu. Davon waren in letzter Zeit die meisten im Süden (Kyushu), wie z.B. der Berg Aso oder Sakurajima aktiv.

Im 150 km-Umkreis des AKWs Sendai, Präfektur Kagoshima (Kyushu) liegen 14 aktive Vulkane, darunter auch der 50 km entfernte Sakurajima4, der 2016 zum letzten Male ausbrach. 2013 spie der Vulkan Asche und Gesteinsbrocken bis in 5 km Höhe. Das AKW Sendai ist zurzeit mit 2 Reaktoren am Netz.  

Zu beachten sind vor allem auch die pyroklastischen Ströme, die den Vulkanausbruch noch gefährlicher machen. Die aus Gesteinsbrocken, Magma und heiße Asche bestehende Masse, die in einer hohen Geschwindigkeit den Berg hinunterdonnert, walzt alles nieder, was sich ihr in den Weg stellt, und stellt somit auch eine Gefahr für die AKWs dar. Die über viele Kilometer umherfliegende heiße Asche mit all ihren Partikeln legt sich überall nieder und richtet Schaden an.  

Und das sind auch keine Ausnahmefälle. Das betrifft nämlich alle AKWs, die für die Wiederinbetriebnahme vorgesehen werden, bzw. schon wieder in Betrieb sind.

So muss man sich doch wieder aufs Neue fragen: „Reicht eine Reaktorkatastrophe, die durch ein Naturereignis verursacht worden ist noch nicht?“ Zahlreiche Vulkanologen warnen jedenfalls, auch wenn 4 Reaktoren an zwei AKWs schon wieder in Betrieb sind5.

 

Weiterführende Hintergrundinformationen:

1) Vulkane in Japan

2) Welche Vulkane sind zurzeit aktiv? - interaktive Weltkarte

3) Erdbeben im Überblick und weitere Hintergrundinformationen speziell für Japan (japanisch)

4) Vulkan-Aktivitäten in der Nähe von AKW (N24, Archiv 2015)

5) AKW-Status, 4 Reaktoren an 2 AKWs am Netz