Juni 2017    

Montag, 19.06.2017

Vortrag: Fukushima heute Berichte – Erfahrungsberichte von Petra Alt

Die Fotoausstellung zum Thema „AKW-Arbeiter, die unter den Folgen der Radioaktivität leiden und für ihre Rechte kämpfen“, von Kenji 

Higuchi, die wir bis Mitte Juni am Ökotop Düsseldorf-Heerdt durchführten, schlossen wir am 19.06.2017 mit einem Vortrag von Petra Alt, Mitglied unserer Gruppe „Sayonara Genpatsu Düsseldorf“ und „Betreiberin“ der Webseite „antiatom-fuku“ ab. Petra Alt, die in früherer Zeit eine Weile in Tokyo lebte, besucht Japan jedes Jahr und berichtet seit der Reaktorkatastrophe regelmäßig auf ihrer HP „antiatom-fuku“ über die gegenwärtigen Zustände in Fukushima und der japanischen Atompolitik.    

„Früher waren die Japan-Besuche reine „Holiday-Urlaube“, aber seit der Reaktorkatastrophe . . .“ 

Fukushima heute Berichte

Vertuscht, verheimlicht und schöngeredet – das sind die „Fortschritte“ bei der „Bewältigung“ der Reaktor- katastrophe von Fukushima . . .

 Der Vortrag, der im nachfolgendem Video zu sehen ist, wurde von Frau Kazuko Karuma-Kölzer (ebenfalls SGD-Mitglied) ins japanische übersetzt.     

Nach dem Vortrag beantwortete Petra Alt die Fragen der Zuschauer. Anschließend nutzten die Zuschauer die Gelegenheit, um ein paar japanische Leckereien zu probieren und mit unseren Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Für das Interesse und die erhaltenen Spenden bedanken wir uns sehr herzlich.  

Video (deutsch/japanisch, Dauer: 2 Std. und 16 Min.)

フクシマ2017、ぺートラ・アルト現状報告

 

Fukushima heute, Erfahrungsbericht von Petra Alt

Anmerkung zum Video:

Achtung, Versehentlicher Sprechfehler bei 1:12:00. Statt 0,07µSv/h habe ich  0,7µSv/h gesagt. 0,07µSv/h ist aber richtig („normale“ Umweltstrahlung).

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  März 2017   

 

Zum Fukushima Jahrestag in Düsseldorf 

Unsere beiden Aktionen am Wochenende 11. und 12.03.2017

sowie ein paar sehr interessante Buch- und Videotipps.

 

Fukushima Gedenktag und Demo

Am Samstag veranstalteten wir vor der Kunstsammlung NRW eine Kundgebung, Musikperformance und einen Demo- und Mahngang durch die Düsseldorfer Altstadt.

 

Anlässlich der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 erinnerten wir an die Opfer der Reaktorkatastrophe in Fukushima, mahnten an die Atompolitik der japanischen Regierung und forderten einen sofortigen Atomausstieg weltweit.

Zum Auftakt unserer Kundgebung spielte die Fujiwara-Band ein paar Lieder, auch auf japanisch.

Die Begrüßung der etwa 100 Teilnehmer erfolgte durch Frau Dr. Mariko Fuchs (Vorstand) und Kazuko Karuma-Kölzer. Anschließend folgte eine Rede von Bontaka san (Vorstand) mit dem Titel „Die Atompolitik in Japan - Nichts gelernt aus Fukushima“, bei der die gegenwärtige Atompolitik in Japan kritisiert wird. Die deutsche Übersetzung erfolgte durch Kazuko Karuma-Kölzer.

Anschließend folgte eine Botschaft von Ruiko Muto, Sprecherin der Klägergruppe gegen Tepco und Repräsentantin der Gruppe Frauen von Fukushima, die von Bontaka san auf Japanisch und Petra Alt auf Deutsch vorgetragen worden ist. Die Botschaft von Ruiko Muto wurde gleichzeitig in mehreren Städten in Deutschland und anderen Ländern verlesen. Zudem hatten wir 3 Mitglieder der Anti-

atom-Gruppe Mamademo aus Tokyo zu Gast, wovon Chieko Uozumi eine Botschaft des Fotojournalisten Kenji Higuchi verlas, die von Kazuko Karuma-Kölzer ins Deutsche übersetzt worden ist.

 

Higuchi begleitete über 40 Jahre lang AKW-Arbeiter, fotografierte und interviewte diese, berichtet über dessen schlechten Arbeitsbedingungen und der gesundheitlichen Folgen, die sie infolge der hohen Radioaktivität erlitten.  

Anschließend zogen wir vom Grabgenplatz über die Heinrich-Heine-Allee durch die Stadt bis zur Berliner Allee und über die Benrather Straße, Breite Straße, Heinrich-Heine-Allee zurück zum Grabbeplatz. Dabei erinnerten wir an die

Reaktorkatastrophe von März 2011, den Folgen der Kern- energie, mahnten die Atompolitik in Japan an, wiesen auf die ungelösten Probleme in Fukushima hin und appellierten auch an Deutschland für eine schnellere Abschaltung der restlichen AKWs. 

Zum Schluss berichtete Dr. Mariko Fuchs Aktuelles zum Thema Schilddrüsenkrebs bei Kindern in Fukushima und wie die Regierung damit umgeht.  

 

Zum Inhalt der einzelnen Vorträge und der Demo siehe das nachfolgende Video: 

 

Kenji Higuchi – Vortrag und Ausstellung

Am Sonntag eröffneten wir die Fotoausstellung von Kenji Higuchi am Ökotop in Düsseldorf-Heerdt, die noch bis zum 12.06.2017 läuft.  

Bei dieser Ausstellung erhält der Besucher einen Eindruck über die gefährlichen Arbeiten im AKW und die gesundheitlichen Folgen, die die AKW-Arbeiter aufgrund der radioaktiven Belastung davontragen. Die schlechten Bedingungen, der fehlende Arbeitsschutz, Unterbezahlung und Diskriminierung der Arbeiter kommt darin zum Tragen. AKW-Arbeiter, die nicht nur von der Regierung im Stich gelassen werden, sondern auch in der Bevölkerung ganz unten sind . . . AKW-Arbeiter, die die Drecksarbeit für die sogenannte „saubere“ Energie machen und dabei rücksichtslos verheizt werden. 

Der mittlerweile 80jährige Fotojournalist Kenji Higuchi fotografierte und interviewte über 40 Jahre lang AKW-Arbeiter und dokumentierte die Machenschaften der betreibenden Stromkonzerne. Die Arbeiter, die neben der gefährlichen und strahlenbelastenden Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen ausgebeutet werden, erkranken an den Folgen der hohen Radioaktivität.

Das machte sich u.a. in Form von Müdigkeit, Haarausfall bis hin zur Leukämie bemerkbar. Einen Zusammenhang der beruflichen Tätigkeit im AKW mit den Erkrankungen, die in Folge der radioaktiven Belastung auftraten, wurde von den Behörden nicht anerkannt. Einige der ehemaligen Arbeiter klagten vor Gericht, jedoch oft erfolglos.

 

Zum Schicksal der Arbeiter, die in Folge der Verstrahlung erkrankten, von der Gesellschaft diskriminiert und vergessen werden, den Wanderarbeiter, oft Obdachlose, die von AKW zu AKW ziehen, hat Kenji Higuchi schon viele hochinteressante Bücher geschrieben. 

 

Nach einer kurzen Begrüßungsansprache durch Frau Prof. Dr. Makiko Hamaguchi-Klenner, SGD und Frau Anette Klotz, Ökotop, spielte das Orchester „Haste Töne“ der Musikschule Haan auf der Klarinette. Anschließend begann der Referent Kenji Higuchi vor einem Publikum von etwa 120 Zuhörern seinen Vortrag und zeigt dazu die Bilder.

 

Kenji Higuchi berichtet u.a. vom Zwischenfall in Tokaimura (1999), bei dem 3 Arbeiter verstrahlt worden sind, als diese in der Brennelementefabrik JCO eine hochradioaktive Uranlösung umgefüllt hatten. Der Tod einer der Arbeiter zog sich über qualvolle 83 Tage hinweg.

 

Er bedankt sich für die zahlreiche Teilnahme und das große Interesse und berichtet nun von seiner fotojournalistischen Arbeit, die er über 40 Jahre durchführte und stellt dazu ein paar Schicksale ehemaliger AKW-Arbeiter vor, die er mit seinen Bildern dokumentiert hat.

 

Auszug weiterer Beispiele (ausführlich im nachfolgendem Video):

Schätzungsweise wurden in Japan im Laufe der Jahre etwa 620.000 Arbeiter in den AKWs und weiteren Atomanlagen einer hohen radioaktiven Belastung ausgesetzt.

 

Er nimmt Bezug auf den 1. und 2. Weltkrieg, der von japanischen, bzw. von deutschen Boden ausging, den Einsatz von Chemie- und Atomwaffen und kommt zu dem Schluss, dass Deutschland im Gegensatz zu Japan aus dem verlorenen Weltkrieg gelernt hat. Er lobt Deutschland für den geplanten Atomausstieg bis 2020, der infolge der Reaktorkatastrophe von Fukushima beschlossen worden ist, während Japan trotz fehlender Notwendigkeit und der bereits eingetretenen Folgen weiter an der Kernenergie festhält.

Bis zur Reaktorkatastrophe 2011 war die Atomkraft ein riesiges Profitgeschäft, aber jetzt steckt Japans Atomwirtschaft in der Krise.

 

Er zeigt das Bild eines Arbeiters, der vor Gericht auf Entschädigung klagte. Er war das erste Opfer der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“.

 

Kenji Higuchi ist seiner Zeit der erste Fotojournalist gewesen, der es sich „gewagt hat“ AKW-Arbeiter zu fotografieren und zu interviewen. Damit hatte er ein gesellschaftliches Tabuthema öffentlich gemacht. 2001 wurde er sogar dafür mit dem Nuclear-Free Future Award Preis ausgezeichnet.    

 

Er berichtet von Arbeitern, die 1974 am AKW Tsuruga bei Wartungsarbeiten mit 300°C heißen radioaktiven Dampf verbrüht worden sind.

Ein überlebendes Opfer klagte gegen den Staat, bis zum obersten Landgericht, jedoch erfolglos. Ausländische Medien berichteten über den Unfall, aber nicht die Japanischen – Es wurde einfach totgeschwiegen.  

Dazu merkt Higuchi an, „wer in Japan spurt, der hat gute Karrierechancen“, aber wehe man tanzt aus der Reihe und entspricht nicht der harmonischen Norm. Denn dann ist man nämlich unten durch! Dazu gehören nämlich auch die 4 Mio. „Burakumin“, die „Herausgefallenen“. Das ist eine Minderheit in Japan, die schmutzige und gefährliche Arbeiten verrichtet, die kein anderer machen will und dazu auch noch diskriminiert wird. Eine Minderheit, um die sich auch der Staat nicht kümmert. Die bereits verstrahlten Arbeiter wurden sogar in separate Dörfer abgeschottet . . .

Die Arbeiter verfügten oft nur über eine unzureichende Schulbildung, gingen nur bis zur Oberschule, hatten keine andere Perspektive. Durch die „heißen Jobs“ im AKW traten bald die ersten gesundheitlichen Schäden, die durch die hohe Strahlenexposition verursacht worden sind auf. Erste Symptome waren meist Müdigkeit und Kopfschmerzen. Weitere Symptome wie Haarausfall und Zahnverlust traten ebenfalls auf – bis hin zu Leukämie und weiteren Krebserkrankungen. Das alles ist verbunden mit hohen Arztkosten, die für einen obdachlosen Wanderarbeiter quasi unerschwinglich sind. Viele der verstrahlten ehemaligen

 

AKW-Arbeiter sind mittlerweile dauerhaft arbeitsunfähig.

Auf dem nächsten Bild zeigt Higuchi das AKW Mihama, als es sich noch im Bau befand. Es liegt in einer Bucht. Auf dem nachfolgendem Bild der gegenüberliegende Badestrand in der Bucht, der sehr gut besucht ist. Im Wasser sind zahlreiche

Leute, auch viele Kinder, die Spaß haben. Im Hintergrund ist mahnend das nahe gelegene AKW Mihama sehr gut zu sehen. Dieser Anblick entfacht im Ausland heftige Diskussionen. In Japan hingegen wird das einfach so hingenommen, bzw. nichts gesagt.

 

Der erste schwerwiegende Unfall am AKW Mihama lässt nicht lange auf sich warten. Bei diesem Unfall wurden mehrere Arbeiter mit 400°C heißen radioaktiven Wasser verbrüht und verstrahlt, als es plötzlich ausgetreten ist. Eine geborstene Rohrleitung, dessen Wandstärke durch Abnutzung stark ausgedünnt war, war der Auslöser für diesen verheerenden Unfall, bei dem 5 Leute ums Leben gekommen sind.

 

Die Rohrleitungen wurden nie kontrolliert, so dass die Abnahme der Wandstärke nicht bemerkt worden ist.   

 

Das sind nur einige Beispiele von vielen, die die vielen Sicherheitsmängel an den japanischen AKWs widerspiegeln. In der Werbung für Kernenergie wird gerne der Kontrollraum des AKWs gezeigt, wo die „Elite“ sitzt und die Hochleistungstechnologie zur Energiegewinnung in den Vordergrund stellt. Das ist immer PR-wirksam, wie ein weiteres Bild von Higuchi dokumentiert.

 

Bezüglich der Reaktorkatastrophe von Fukushima berichtet Higuchi, dass das AKW laut dem Betreiber Tepco nur für eine Erdbebenstärke bis 7,8 ausgerichtet war (wenn überhaupt!). Das Tohoku-Erdbeben von März 2011 erreichte sogar eine Stärke von 9,0! Und während anfänglich etwa 3000 Arbeiter pro Tag am havarierten AKW Fukushima dai ichi nötig waren, sind es mittlerweile 7000. 

 

Er besuchte die verstrahlten Dörfer, verbliebene Kühe auf der Weide, Strahlung 17µSv/h . . .    

 Von den Geflüchteten leben viele noch in Behelfsunterkünften, werden von Staat alleine gelassen und zu allem Überfluss wird ab Ende März 2017 auch noch das Wohngeld gestrichen . . .

Abschließend berichtet er noch über die „Giftgasinsel Ōkunoshima“, auf der im 2. Weltkrieg unter strenger Geheimhaltung chemische Kampfstoffe hergestellt worden sind. Dazu wurden sogar schulpflichtige Jugendlich rekrutiert. Die Arbeiter erkrankten hinterher in Folge der Giftstoffe, die dort verarbeitet worden sind. 

Um die Sache besser vertuschen zu können, wurden die erkrankten Arbeiter verdeckt gehalten und die Insel Ōkunoshima von der Landkarte gestrichen, als sei sie gar

nicht existent.

Higuchi erläutert das „Pinhane-Prinzip“ anhand einer Grafik.

Das beinhaltet die Ausbeutung von Arbeitern/Hilfsar-

beitern/Tagelöhnern für niedrige und gefährliche Arbeiten durch schlecht zahlende Subunter- nehmer, die ihrerseits weitere (mehrere) Subunternehmer beschäftigen. Alle machen ihren Reibach und auf der Strecke bleibt der Arbeiter, der mit wenig Geld und einer hohen Dosis Strahlung „entlohnt“ wird.

 

Eine gesetzliche Regelung zum Schutz der Arbeiter gibt es im Grunde genommen gar nicht. Einhaltung von Arbeitsschutz- Unfallverhütungsvorschriften – Fehlanzeige! Statt einer Unterstützung oder Hilfe im Krankheitsfall werden sie diskriminiert und von der Gesellschaft verstoßen, die „Burakumin“.

Er kommt zu dem Fazit: „Nicht der Atomkrieg, sondern das AKW wird die Menschen vernichten“.      

 

Nach dem Vortrag stellte Frau Anette Klotz das Ökotop vor und erläuterte die Arbeit des Vereins. Das Ökotop ist das Modell für eine ökologisch verträgliche Gestaltung des menschlichen Lebensraums.

 

Danach bekamen die Besucher bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen Fragen zum Vortrag beantwortet, erhielten Infos an unserem Info-Stand, wo man auch sehr interessante Bücher zum Thema erwerben konnte. Auch das Ökotop konnte anschließend in einem kleinen Spaziergang besichtigt werden.

 

Zum Video:

 

Nachfolgend eine Botschaft von Taro Yamamoto und Kenji Higuchi

Der japanische Schauspieler, Politiker und Anti-Atomkraft-Aktivist Taro Yamamoto engagiert sich seit 2011 aktiv für einen Atomausstieg in Japan.

Zur Videobotschaft von Taro Yamamoto.

. . . und nun die Videobotschaft des japanischen Fotojournalisten Kenji Higuchi:

 

Buchtipp

Der Reaktorunfall am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi - Die Schattenseiten des Gesundheitsmanagements in Fukushima

Der investigative Journalist Kōsuke Hino berichtet über die gesundheitlichen Folgen und ihre systematische Vertuschung durch die japanische Regierung und Tepco. 

Hier erhält der Leser einen authentischen Einblick darüber, wie die Regierung und die Präfektur Fukushima mit den gesundheitlichen Folgen der betroffenen Bürger, vor allem mit den Kindern, die an Schilddrüsenkrebs erkranken umgehen, von sogenannte öffentlichen Sitzungen, die Offenheit und Unterstützung suggerieren sollen, aber von vorne bis hinten getürkt sind. Die in diesem Buch zusammengetragenen Erfahrungen appellieren weiterhin an die Notwendigkeit alle Atomanlagen weltweit stillzulegen.

 

Verlag Neuer Weg (Deutsche Ausgabe seit 03/2017 erhältlich) von Kōsuke Hino

Preis: 15,00 €

ISBN: 978-3-88021-449-1

Auch als E-Book erhältlich 

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Buchtipp:

83 Tage: Der langsame Strahlentod des Atomarbeiters Hisashi Ouchi Taschenbuch

Zuerst spürte Ouchi nur leichte Schmerzen . . . als sein Körper schon durch die hohe Dosis Radioaktivität von

innen aufgefressen wird . . . 83 qualvolle Tage folgen . . . 

30. September 1999, Brennelementefabrik JCO in Tokaimura, 100 km nördlich von Tokyo. Drei Arbeiter kippen ein Urangemisch in einen Trichter, als es zu einer Kritikalität kommt . . . 

 

Taschenbuch: 190 Seiten

Verlag: Redline Verlag (Erschienen im Juni 2011)

ISBN-10: 3868813152

ISBN-13: 978-3868813159

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Inside Fukushima

Eine Reportage aus dem Innern der Katastrophe

Der investigative Journalist Suzuki hat sich in der ersten Zeit nach Beginn der Reaktorkatastrophe in Wallraff'scher Manier als Leiharbeiter ins Innere des Desasters geschlichen und wurde Zeuge desaströser Zustände am AKW Fukushima dai ichi. Unter anderem berichtet er auch von hochbrisanten Verbindungen zwischen Yakuza, Atomindustrie und japanischen Politikern.  

Von Tomohiko Suzuki

erschienen 02/2017

Verlag: Assoziation-A Verlag

 

ISBN 978-3-86241-458-1

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Video-Tipp

日本の隠された #放射能 #被曝 労働者Hidden #Radiation Exposed #Nuke PlantWorker1

Ausgebeutet, verstrahlt und dann gekündigt. Das Schicksal der AKW-Arbeiter, die die „heißen Jobs“ in den AKWs machen, die sonst kein anderer machen will. Es sind Leute ohne Perspektive, Obdachlose, die im Park angesprochen werden, die von der Hand in den Mund leben und gnadenlos verheizt werden.

Eine Dokumentation vom investigativen Fotojournalisten Kenji Higuchi.

Das Video ist auf Englisch und Japanisch in drei Teilen von je 8 bis 9 Minuten.

Nachfolgend Video Teil 1:

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Februar 2017

„Leben mit der Katastrophe - Fukushima 6 Jahre danach“

Ein Vortrag, von Mako Oshidori, einer investigativen Journalistin aus Tokyo, den wir am Sonntag, den 19.02.2017 gemeinsam mit der Initiative 3 Rosen e.V. in Aachen durchführten.

Nach einer Ansprache und Vorstellung beider Initiativen durch den stellvertretenden Vorsitzenden der Initiative 3 Rosen e.V., Robert Borsch-Laaks und unserem Vorstandsmitglied, Reiko Müller-Shiba wurde die Referentin Mako Oshidori vorgestellt und die Entstehungsgeschichte der Initiative 3 Rosen Aachen und Sayonara Genpatsu Düsseldorf erzählt. 

Mako und Ken Oshidori, die in früherer Zeit ausschließlich als Kabarettisten auf der Bühne standen und im TV auftraten, vertrauten von Anfang an nicht den Informationen der Massenmedien, die die Folgen der Reaktorkatastrophe ganz gerne herunterspielen, so dass Mako anfing selber zu recherchieren. Als investigative Journalistin sammelt sie Informationen, nimmt an den Tepco-Konferenzen teil und stellt kritische Fragen. Vor einem Publikum von etwa 150 Zuhörern im Haus der Kirche in Aachen berichtet sie über die aktuellen Zustände am havarierten AKW Fukushima dai ichi. Die deutsche Übersetzung erfolgte durch Kazuko Karuma-Kölzer. Mako Oshidori berichtet darüber, dass sie mittlerweile die bekannteste Journalistin in Japan ist, die bereits seit 6 Jahren kontinuierlich über das havarierte AKW Fukushima dai ichi berichtet. Sie erläutert unter anderem auch ihren Besuch bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB)  in Braunschweig, wo u.a. die Umweltradioaktivität gemessen und radioaktive Partikel auch in sehr geringer Konzentration nachgewiesen werden. So wurden in Braunschweig sogar radioaktive Partikel in der Luft detektiert, die nachweislich aus dem AKW Fukushima dai ichi stammen. Selbst Isotope mit sehr kurzen Halbwertszeiten wurden erfasst (s. nachfolgendes Video).

Dies veranschaulicht Oshidori anhand mehrerer Tabellen und Graphiken. Sie geht auf das Thema „Tihange und Doel“ ein und vergleicht die potentiellen, bzw. schon eingetretenen Gefahren für Aachen und Fukushima. Dazu erläutert sie die radioaktive Belastung in der Präfektur Fukushima und Nordostjapan anhand von Strahlenkarten. Auf radioaktive Hotspots, die in den Medien ganz gerne verschwiegen werden, da die betroffenen Ortschaften wiederbesiedelt werden sollen z.B. Iitate, oder weil es sich um touristische Attraktionen handelt z.B. Aizu Wakamatsu, geht sie ebenfalls ein. Für Aizu Wakamatsu wurden sogar „vorsorglich“ erst gar keine Strahlenwerte veröffentlicht. – alles politisch gewollt -

 

Das Interesse der Presse habe mittlerweile deutlich nachgelassen und es wird in den Medien so gut wie gar nicht mehr über die Probleme am AKW Fukushima dai ichi und alles, was damit in Verbindung steht berichtet. Das ist von der Regierung, die möglichst viele AKWs wieder ans Netz gehen lassen will auch nicht mehr erwünscht – „da kann man keine Negativmeldungen aus Fukushima gebrauchen“. Nur ein paar wenige kritische Journalisten berichten wahrheitsgemäß darüber, was der Regierung jedoch ein Dorn im Auge ist. Dem entsprechend stehen solche Berichterstatter auf der schwarzen Liste und werden sogar beobachtet, bzw. verfolgt und eingeschüchtert.

Auch der Vertrieb von Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima, der Verkauf zu Dumpingpreisen, um Abnehmer zu finden ist ein Thema, auf das Oshidori eingeht. So berichtet sie über haarsträubende Empfehlungen für die Bauern, die ihre dekontaminierten aber immer noch radioaktiv verseuchten Felder bestellen sollen. Z.B. soll man, um keine radioaktiven Partikel einzuatmen einen Mundschutz tragen. Ober schnell hindurchlaufen, wenn die Strahlung auf dem Weg zum Feld zu hoch ist". Ein häufiges Naseputzen wurde ebenfalls empfohlen, um radioaktive Partikel wieder los zu werden. 

Letztendlich kommt ein sogenannter Wissenschaftler in einer Bürgerversammlung, bei der die Fragen der Landwirte beantwortet werden sollten, zu der Schlussfolgerung, dass man sich auf ein Leben mit Cäsium einstellen müsse". 

 

Auf kompetentere Antworten warteten die Bauern jedoch vergeblich. Dazu zeigte Oshidori eine Broschüre, die an die Bauern verteilt worden ist.

Dass der strahlenbelastete Boden alles andere als unbedenklich ist, zeigt Oshidori anhand einiger Missbildungen bei Ernteerzeugnissen. So kommt z.B. eine Zwiebel mit 4 Wurzeln zur Darstellung, die in der Nähe von Fukushima-City geerntet worden ist.

Zur Sprache kommen auch die Zwischenlager für radioaktives Erdreich, Laub und Dreck, die auch in den Nachbarpräfekturen errichtet worden sind und wohl möglich stillschweigend zum Endlager werden. Dort lagert der Abfall in großen schwarzen Säcken der Witterung ausgesetzt unter freiem Himmel. An einen Lagerplatz in einem Naturschutzgebiet steht ein Schild mit der Aufschrift hinterlassen Sie bitte keinen Müll, um die Umwelt zu schützen".  Im Hintergrund sind lauter schwarze Säcke mit Atommüll zu sehen. 

In der Pause konnten die Gäste ein paar japanische Leckereien probieren oder ein Stück Kuchen genießen. Dazu reichten wir japanischen Tee.

 

Nach der Pause folgten Liederbeiträge vom Kabarettisten Heinz Georgi und eine Karate-Vorführung der Aikido-Gruppe.     

Am Ende beantwortete Mako Oshidori die Fragen der Zuschauer. An unserem Info-Stand erhielten die Zuschauer weitere interessante Informationen und nutzten die Gelegenheit für eine Spende.    

 

Video

"Leben mit der Katastrophe" Fukushima 6 Jahre danach, MAKO Oshidori

(Initiative 3 Rosen e.V. & Sayonara- Genpatsu Dusseldorf e.V.)

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März 2016

Unsere Aktionen und Vorträge zum 5. Fukushima-Jahrestag

Aus den internationalen Medien verschwunden, durch andere Nachrichten überlagert, aber dennoch aktuell und akut wie nie zuvor – Die Reaktorkatastrophe von Fukushima, die sich nun zum 5. Male jährt. 

 

Freitag, 11.03.11, 14:46 Uhr ein verheerendes Beben mit nachfolgenden Tsunami in Nordostjapan und die Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima dai ichi . . .

 

Es ist immer wieder wichtig, zu erinnern und zu mahnen. Denn immer noch laufen AKWs, die zum Teil extrem bedenklich sind.

 

Unsere Aktionen:

Freitag, 04.03.2016, Vortrag von Mako Oshidori über die aktuelle Lage am AKW Fukushima dai ichi in der VHS Düsseldorf:

Die Einleitung und Vorstellung der Referentin erfolgte durch Frau Professor Dr. Hamaguchi. Die deutsche Übersetzung erfolgte durch Frau Kazuko Karuma-Kölzer, unter Mitwirkung von Frau Shinobu Katsuragi.

Die Eheleute Mako und Ken Oshidori, die in früherer Zeit als Kabarettisten auf der Bühne standen und im TV auftraten, trauten nach Eintritt der Reaktorkatastrophe den Angaben der Medienberichterstattung nicht sonderlich und waren eher skeptisch, so dass Mako begann auf eigener Faust zu recherchieren. Als freischaffende investigative Journalistin nimmt sie auch an Tepco-Konferenzen teil und bohrt genau nach.

Vor einem Publikum von etwa 100 Zuhörern in der VHS Düsseldorf berichtet sie über die aktuellen Zustände am havarierten AKW Fukushima dai ichi.

 

Oshidori berichtet, das aktuell bei den Tepco-Konferenzen deutlich weniger Journalisten anwesend sind als anfangs. Immer weniger Journalisten berichten über das havarierte AKW Fukushima dai ichi und den daraus resultierenden Problemen. Die anderen Journalisten haben auch mittlerweile mehrmals gewechselt, so dass Oshidori, die von Anfang an dabei gewesen ist, quasi nun die „Dienstälteste“ ist. Von den großen Medien werden die Journalisten auch schon mal ganz gerne versetzt und durch neue ausgetauscht, die sich da erst einmal wieder rein denken müssen und somit auch nicht so gut informiert sind wie die alten Hasen. Genau das ist nämlich die Strategie der Atomlobby.

Währenddessen ist Mako Oshidori, die von Anfang an dabei gewesen ist, bestens informiert, auf den neusten Stand und stets in der Lage zum richtigen Zeitpunkt die passenden Fragen zu stellen. Das sind kritische Fragen, die die Tepco-Leute schon mal ganz gerne in Verlegenheit bringen.

Denn schlecht informierte Journalisten, die sich auf die Angaben von Tepco verlassen müssen, werden in ihrer Berichterstattung erheblich beeinflusst. Sollte dennoch einer zu wahrheitsgetreu berichten, wird das von den großen Medien einfach nicht veröffentlicht und fertig.

Die Ausrede der Regierung dazu lautet: „Zu viele Negativschlagzeilen könnten den Wiederaufbau beeinträchtigen“.

 

Oshidori berichtet auch über ihren Besuch am Schacht Konrad und dem Atommülllager Asse, wo sie auch mit dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ins Gespräch gekommen ist. Dabei fällt ihr auf, das die Erklärungen des BfS bezüglich der Gefahren in Verbindung mit Radioaktivität, genauso ausfallen wie in Japan. Denn auch hier ist die Radioaktivität „nur halb so schlimm“ und „gar nicht so arg, wie man denken würde“.  Mit anderen Worten: Genauso verharmlosend wie in Japan auch.

Die Regelung, dass in den Katastrophengebieten von Japan eine Strahlendosis von bis zu 20 mSv/a tolerabel sei, wird vom BfS mit den „besonderen Umständen“ in Japan „erklärt“, die mit einem „Normalzustand“ natürlich nicht vergleichbar sind.

Alles nur Ausreden! Denn eine so hohe Strahlenbelastung von bis zu 20 mSv/a ist nämlich in keiner Weise akzeptabel!   

 

20 mSv/a ist die Obergrenze für AKW-Mitarbeiter! Und nicht für den Normalbürger, bzw. für Kinder! Die „normale Strahlenobergrenze“ liegt in Japan bei 1 mSv/a und in Deutschland bei 1 bis 2 mSv/a. 

Oshidori informiert kurz über den aktuellen Zustand am AKW Fukushima dai ichi, dem nicht enden wollenden Wasserproblemen und der im Oktober 2015 fertiggestellten Schutzwand entlang der Küste, die nun mit Spalten versehen worden ist, da sie sonst den Druck des Grundwassers nicht mehr standhalten und nachgeben würde.Aus den Ritzen strömt das radioaktive Wasser direkt ins Meer . . .

 

Eigentlich sollte ja die Schutzwand das hochradioaktiv verseuchte Wasser, was die Reaktorkellerräume mit den Kernschmelzen durchströmt hat, zurückhalten . . .

 

Reaktorblock 1, Schutzhülle zum Teil demontiert. Reaktorblock 2, hier ist die Kernschmelze am ausgeprägtesten. Reaktorblock 3, wegen der plutoniumhaltigen MOX-Brennelemente am gefährlichsten . . . liefen alle im Vollbetrieb.

Reaktorblock 4 war in Revision. Die Explosion dort wurde durch das gemeinsame Rohrleitungssystem mit Reaktor 3 hervorgerufen.

Das Gebäude wird durch die Stütz- und Entnahmevorrichtung gehalten. Das Abklingbecken, was eine extrem große Gefahr bot, ist mittlerweile ausgeräumt worden.

 

Die drei Kernschmelzen sind laut Tepco nicht ins Erdreich gedrungen. Woher wollen die das denn wissen?

 

Das Grundwasser dringt in die maroden Reaktorkellerräume ein, vermischt sich mit dem hochradioaktiv verseuchten Kühlwasser der geschmolzenen Brennelemente, wird zwar zum Teil abgepumpt, gelangt aber auch ins Meer . . . 300 bis 400 t/Tag.

 

Um die anfallende Wassermenge zu reduzieren, wird das bergseitige Grundwasser abgepumpt, gesammelt und dann ins Meer verklappt.

 

Die Lagertanks für hochradioaktiv verseuchtes Wasser auf dem Gelände altern, sind der Witterung gnadenlos ausgesetzt und werden langsam undicht. 

 

Das Grundwasser im Boden, vor allem in Reaktornähe ist hochradioaktiv verseucht. Es wird teilweise über Bohrlöcher abgepumpt.

Laut Tepco ist das aber alles noch im Toleranzbereich. Damit die Messwerte auch im Rahmen bleiben, wird das hochradioaktiv verseuchte Wasser mit „saubereren“ Wasser verdünnt und dann „freigemessen“ (d.h.: so lange verdünnen, bis die Werte im Grenzbereich sind).

Oshidori spricht das auf einer Tepco-Konferenz an. Man reagiert verärgert, will das Wort „verdünnen“ nicht hören. Der empörte Tepco-Mitarbeiter: „Das wird nicht verdünnt! Mit Ihrem Halbwissen stellen Sie die Dinge nur verkehrt dar. Als Laie sollten Sie das lieber uns überlassen und keine vorschnellen Urteile abgeben! Hier wird kein verseuchtes Wasser einfach verdünnt. Der Tepco-Mitarbeiter belehrt weiter: „Es wird nur „zusammengeführt“ und „vermischt“ (hochradioaktives Wasser aus den Tanks mit halbwegs sauberem Wasser).

Sie sei ja nur Laie und solle sich doch mit solchen Äußerungen zurückhalten – hieß es.

 

Ob „vermischt“ oder „verdünnt“ – das Endergebnis ist das selbe! Die radioaktiven Stoffe als solches werden schließlich nicht weniger, nur weil die Messwerte aufgrund der „Verdünnung“ (eh pardon „Vermischung“) niedriger erscheinen.

 

Fakt ist: Alle Versuche dem Problem mit dem radioaktiv verseuchten Wasser Herr zu werden scheitern immer wieder. Eine Lösung ist nicht in Sicht . . . 

Zum Schluss steht Mako Oshidori im Dialog mit den Zuschauern und beantwortet deren Fragen. An unserem Info-Stand und der ausgestellten Bilder aus Fukushima erhält der Zuschauer weitere interessante Informationen und nutzt die Gelegenheit für eine Spende, die den Strahlenopfern zu Gute kommt.  

 

Video zum Vortrag: Teil1 und Teil 2

Freitag, 11.03.2016

Gedenkveranstaltung und Kerzenaktion mit musikalischer Begleitung durch die Okinawa Sanshin und ein Vortrag von Alexander Tetsch (Neureuters) in Meerbusch:

Diese Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem BUND Meerbusch in den Räumen der evangelischen Kirche Meerbusch-Büderich abgehalten.

 

Begonnen wurden diese beide Aktionen, an der knapp 100 Leute teilnahmen mit der Kerzenaktion. Unser Vorstandsmitglied „Bontaka san“ hielt eine Rede zur aktuellen Situation in Japan und dem jüngsten Gerichtsurteil, was den Weiterbetrieb zweier Reaktoren am AKW Takahama verbietet. Neben diesen Teilerfolg kommen jedoch auch die unschönen Dinge, die fortlaufenden Folgen der Reaktorkatastrophe und das angestrebte Procedere der japanischen Regierung zur Sprache.

Friedenszeichen. Bild: Klaus Müller
Friedenszeichen. Bild: Klaus Müller

Anschließend stellten wir die aus Milchtüten und Transparentpapier liebevoll gebastelten Windlichter auf das Friedenszeichen, was zuvor auf dem Boden markiert worden ist. Wir versammelten uns im Kreis. Die mittlerweile eingetretene Dunkelheit ließ das Friedenszeichen mit den wunderschönen Windlichtern in einen besonderen Licht erscheinen. Dazu wurde Musik aus Okinawa (eine Insel in Südjapan) auf der Sanshin gespielt. Die Okinawa Sanshin ist ein japanisches Zupfinstrument mit drei Saiten. Für den zweiten Teil versammelten wir uns im Cafè Leib und Seele der evangelischen Kirche, wo Alexander Tetsch über seine Aufenthalte in Tschernobyl und Fukushima berichtete. Herr Tetsch ist freischaffender Fotojournalist und Schriftsteller, der die Region Fukushima bereist hat und über die dortigen Zustände berichtet. Dazu sehen wir Bilder aus Tschernobyl und Fukushima, die tief beeindruckend sind.

Er zeigt Bilder, die die Region von Tschernobyl nach fast 30 Jahren nach der Reaktorkatastrophe zeigen und den Bau der neuen Schutzhülle, der über den mittlerweile selber stark strahlenden Sarkophag geschoben werden soll. Auch noch nach so langer Zeit ist die Strahlung am explodiertem Reaktor 4 immer noch so gefährlich hoch, dass Arbeiten in unmittelbarer Nähe weiterhin sehr gefährlich sind.

Altmetall aus der Strahlenregion wurde mit anderen Metallen vermengt, freigemessen, nach Indien und China exportiert, womit die damalige UDSSR gute Geschäfte machte. Von dort kam es als fertiges Produkt nach Europa, also auch nach Deutschland zurück. Ein Löffel oder Kochtopf aus Tschernobyl-Metall . . . Irgendwann stellte der Zoll an einem LKW aus Indien eine erhöhte Strahlung in seiner Fracht fest. Dieser wurde direkt wieder zurück geschickt . . .

 

Nach wissenschaftlichen Studien, die repräsentativ sind, wurde in der Ukraine und Weißrussland ein Krebsanstieg von 40% seit der Reaktorkatastrophe festgestellt. Diese Daten wurden im nationalen Krebsregister von Russland gesammelt. In Gomel sind es sogar 65%. Ein Zusammenhang mit der erhöhten Strahlung ist somit gegeben. Denn Daten aus früherer Zeit zeigen keine solch hohen Zahlen.

 

Bis heute kommen noch Plünderer in die 30-km-Sperrzone und tragen u.a. Steine der verlassenen Häuser ab, die zum Teil schon halb zerfallen sind. Diese Steine, die jedoch verstrahlt sind, werden an Baufirmen verkauft und dann weiterverwertet.

 

Es gibt vereinzelt Rückkehrer, vorwiegend ältere Leute, die trotz der Strahlung und ohne Strom und Wasser hier leben. Dort, wo sie hin evakuiert worden sind, in einem Plattenbau in einer fremden Umgebung fühlten sie sich nicht wohl . . . und somit kehrten sie einfach in ihre Heimat zurück. Sie bauen Obst und Gemüse an, halten Vieh und stellen viele Nahrungsmittel selber her. Sorgen wegen der hohen Strahlung machen sie sich nicht. „Die paar Jahre, die wir noch zu leben haben . . .“ „ob wir jetzt zwei Jahre kürzer oder länger leben . . .“, so die Begründung der Rückkehrer.

 

Bei einem Besuch in der Sperrzone bekam A. Tetsch Preiselbeeren „aus der Region“ geschenkt, was er zu einer Messstelle brachte. Die gemessene Strahlung war 50 X höher als „normal“, also radioaktiver Sondermüll!

Vortrag von Alexander Tetsch. Bild: Petra Alt
Vortrag von Alexander Tetsch. Bild: Petra Alt

Für die ukrainische Regierung ist die Tschernobyl-Katastrophe vorbei und Entschädigungszahlen werden eingestellt. Ganzkörpermessungen an Kindern mittels Ganzkörperzähler (WBC), die durch private wissenschaftliche Institute durchgeführt werden, zeigen jedoch ein ganz anderes Bild.

A. Tetsch berichtet auch von einem Sterbehospiz für Kinder, die infolge der erhöhten Radioaktivität an Krebs, z.B. Leukämie verstarben. Tausende Fotos verstorbener Kinder zieren den Stationsflur. . . ein erschreckendes Bild.

 

Die 30-km-Sperzone ist weiterhin unbewohnbar. 125 Liquidatoren sind mittlerweile verstorben. 204000 Einwohner dauerhaft evakuiert. 215 Mrd. Euro Gesamtschaden bis 2015.

 

90% der Kinder in der Ukraine sind chronisch krank, z.B. Schilddrüsenprobleme, Diabetes mellitus, Herz- und Lungenerkrankungen, Leistungs- und Konzentrationsschwäche. Das ist auf Dauer ein großes wirtschaftliches Problem für die Ukraine, wenn das Land so viele arbeitsunfähige Invaliden hervorbringt.

 

Anders als in Japan, hat die Ukraine die 30-km-zone um das havarierte AKW bis heute als Sperrzone festgelegt, wo auch der gesamte atomare Abfall, wie Erdreich etc. verbleiben soll. In Japan hingegen macht man jedoch genau das Gegenteil!  Der gesamte Dreck wird im ganzen Land verteilt, in Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder irgendwo, oft unter freien Himmel gelagert. Das Volumen wird durch die Verbrennung zwar wenigen, aber die Radioaktivität bleibt nach wie vor. Sie wurde einfach nur über das gesamte Land verteilt.

 

Die Präfektur Fukushima ist bergisch. Viele Wälder; es wurde sehr viel Obst und Gemüse angebaut. Es werden Flächen dekontaminiert, indem Erdreich abgetragen und Gestrüpp entfernt wird. Das lässt sich in den Wäldern jedoch nicht einfach so umsetzen. Und mit Wind und Regen kommen auch wieder neue radioaktive Partikel, die sich niederlassen.

 

Etwa 100.000 Leute leben immer noch in den Container-Siedlungen und können nicht mehr in ihre Heimat zurück. Denn viele Gebiete sind immer noch stark verstrahlt. 

Fukushima City. Bild: Petra Alt
Fukushima City. Bild: Petra Alt

US-Wissenschaftler führten Studien durch, bei denen Lüftungsfilter der Autos, die im Frühjahr 2011 eingebaut wurden, untersucht worden sind. Wie bei dem Beispiel mit dem Espenblatt aus Tschernobyl weisen die Filter radioaktive Partikel auf, die röntgenologisch als schwarze Sprenkel und Flecken zur Darstellung kommen. A. Tetsch weist darauf hin, dass diese Partikel ja nicht nur in die Lüftungsfilter der Autos, sondern auch in den Körper, insbesondere in die Lunge gelangen.

Die untersuchten Lüftungsfilter der Autos aus Fukushima City wiesen eine sehr hohe Anzahl an radioaktiven Partikel auf. Auch im 230 km entfernten Tokyo wurden noch reichlich Partikel in den Filtern nachgewiesen. Sogar in Seattle, USA wurden vereinzelnd Partikel festgestellt, die nachweislich aus Fukushima stammen.

 

Aufgrund der Windverhältnisse in den ersten Tagen nach der Reaktorkatastrophe, gingen 90% der radioaktiven Partikel über dem Pazifik nieder und 10% über Japan. Der Pazifik ist gleichmäßig mit u.a. Cäsium verseucht worden.

 

A. Tetsch geht auf die festinstallierten Strahlenmesssonden ein, die überall in der Präfektur Fukushima zu finden sind. An einigen der Sonden hat er Kotrollmessungen durchgeführt und festgestellt, dass der eigene Geigerzähler deutlich höhere Strahlenwerte anzeigt, sogar das Doppelte, als die festen Messsonden. (Diese Tatsache wurden durch mehrere Kontrollmessungen verschiedener Organisationen, wie z.B. Greenpeace schon mehrfach bestätigt.) Die Ausrede der Behörden lautet, dass es sich hierbei um einen „Konstruktionsfehler“ der Messsonden handeln würde. In Wirklichkeit die Messzellen jedoch mit Blei ummantelt, damit keine „zu hohe“ Strahlung gemessen wird. Denn Blei schirmt Radioaktivität ab. Dieser „bedauerliche Konstruktionsfehler“ wurde jedoch bis heute nicht behoben.  

 

Die Messwerte, die nach einer Flächendekontamination der wiederzubesiedelnen Wohngebiete erhoben werden, werden mit viel Trickserei ebenfalls geschönt. Mittlerweile stehen 22 Mio. m³ radioaktiv verseuchtes Erdreich, Laub und Dreck in schwarzen Plastiksäcken überall in der Landschaft verteilt und gammeln unter freien Himmel vor sich hin. 

Zwischenlager in Tomioka, Präf. Fukushima. Bild: P.Alt
Zwischenlager in Tomioka, Präf. Fukushima. Bild: P.Alt

Eine Wiederverwertung dieser Erde wird schon seit einiger Zeit diskutiert. Diese soll dann im Straßenbau, an Bahndämmen usw. Verwendung finden.

 

In der Ukraine wurde all der strahlende Müll in die 30-km-Sperrzone geschafft. In Japan macht man genau das Gegenteil – der gesamte Dreck wird zwecks „gleichmäßiger Verteilung“ im ganzen Land verteilt.

Des Weiteren berichtet er über verschiedene Einzelschicksale von Strahlenflüchtlingen mit denen er gesprochen hatte. Fischer, Rinderzüchter und Bauern haben ihre Existenz verloren, da fischen und Anbau ja nicht mehr möglich ist. Kinder, die mit Strahlendosimeter herumlaufen müssen und nur für einen sehr begrenzten Zeitraum nach draußen dürfen. Das Strahlendosimeter dient jedoch nicht zum Schutz der Kinder, sondern nur der Forschung, einer Langzeitstudie über die gesundheitlichen Auswirkungen der erhöhten Niedrigstrahlung.

Junge Erwachsene finden außerhalb der Präfektur Fukushima keinen Ehepartner mehr. Bestehende Verlobungen mussten sogar auch schon gelöst werden – Die Strahlenopfer von heute, werden wie auch schon damals (Hiroshima und Nagasaki), mit Vorurteilen behaftet und diskriminiert.

Durch verharmlosende Fehlinformationen durch die Präfektur wird die Niedrigstrahlung in Fukushima klein geredet. Dazu zeigt A. Tetsch ein Info-Blatt, was an die Bürger verteilt worden ist. Und laut der IAEA, dessen Vorsitzender ausgerechnet auch noch ein Japaner ist, sind die nun gehäuft auftretenden Krebserkrankungen natürlich nicht durch die erhöhte Strahlung entstanden. 

 

Weitere Studien zum Kinderkrebs im Zusammenhang mit der Strahlung sei laut der Universität Fukushima nicht nötig. Aber gleichzeitig wurde nun die Uniklinik um 300 Betten für Hämatologie, Onkologie und „Problemschwangerschaften“ und missgebildete Kinder erweitert. Dazu baute man ein ganz neues Bettenhaus, was 2015 fertig gestellt worden ist. Fragt sich nur warum, wenn doch angeblich kein Anstieg an Leukämie und weiteren Krebsarten, sowie Missbildungen etc. zu erwarten sei . . . hier liegt die Uni im Widerspruch.  

 

Um die „Fluchttendenzen“ der Bevölkerung in der Präfektur Fukushima zu begrenzen, hat die Regierung ein neues Gesetz in Arbeit. Demnach soll die Rückkehr in die evakuierten Gebiete finanziell gefördert und der Wegzug aus der Präfektur Fukushima bestraft werden. Die kostenfreien Wohncontainer sollen auch nur noch bis 2017 zur Verfügung stehen.

Kinder, die statt dem Schulessen ihre eigenen (weniger verstrahlten) Sachen mitbringen, werden gemobbt und erhalten auch keine Unterstützung durch die Lehrer, die nämlich ebenfalls dazu gedrängt werden.

Ärztlich Diagnosen, die im Zusammenhang mit der Strahlung stehen, dürfen nicht gestellt werden. Andernfalls zahlt die Krankenkasse nicht, bzw. die Ärzte werden sogar aus den Ärzteverbänden ausgeschlossen.

 

Abschließend erläutert A. Tetsch ein paar Gründe, warum Japan nicht aus der Atomenergie aussteigen will. Ein Atomausstieg würde die Exportgeschäfte für Nukleartechnologie der Großkonzerne Mitsubishi heavy und Toshiba erheblich beeinträchtigen. Die großen Stromkonzerne würden deutlich weniger Profit machen. Außerdem werden die AKWs zur Bereitstellung von Atomwaffen „benötigt“.  

Im Anschluss nutzten die Zuhörer die Gelegenheit für ein kurzes Gespräch mit Herrn Tetsch und kauften sein Buch „Fukushima 360°“, oder spendeten am SGD-Stand für die Strahlenopfer in Fukushima. 

 

Nachfolgend das Video zur Kerzenmahnwache vom 11.03.2016 in Meerbusch:

 

Sonntag, 13.04.2016

Filmvorführung „Kanon der kleinen Stimmen – Geschichten aus Fukushima“. Eine Dokumentation von Hitomi Kamanaka im Eko-Haus der japanischen Kultur in Düsseldorf

 

Vor einem Publikum von etwa 130 Leuten erfolgte die Einleitung und Vorstellung der Regisseurin Hitomi Kamanaka, die für ihre zweiwöchige Europa-Tour aus Japan gekommen ist. Die Moderation und Übersetzung ins deutsch erfolgte durch unsere Mitglieder Kazuko Karuma-Kölzer und Shinobu Katsuragi. 

Der Film ist zudem auch ein Teil der IBB-Aktionswochen und wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt. In den USA und Kanada wird er ebenfalls gezeigt.

 

Die Regisseurin H. Kamanaka wurde in Japan bereits von den großen Medien kritisiert. Denn ihre Dokumentation spricht Klartext und sagt die Wahrheit, also genau das, was die durch die Atomlobby gesponserten (staatlichen) Sender natürlich nicht so gerne verbreiten wollen . . .   

Der nachfolgende fast zweistündige Film, eine Dokumentation zum Leben in einer verstrahlten Region und der Sorgen der Mütter, die ihre Kinder schützen wollen, ist auf der ganzen Linie spannend und zum Teil sehr ergreifend. Er bringt die Situation der Betroffenen hautnah herüber, so das auch jemand, der sich zuvor noch nie mit der Situation der Betroffenen auseinandergesetzt hat, dass alles realistisch nachempfinden kann.

 

Nach dem Film erläutert H. Kamanaka kurz die aktuelle Situation in Japan und beantwortet die Fragen der Zuschauer.  

 

Am Ausgang nutzen die Zuschauer die Gelegenheit für weitere Gespräche auch an unserem SGD-Stand und spendeten für die Strahlenopfer in Fukushima.