Insiderinfos von unseren Mitgliedern  

Die wöchentliche Freitagsdemo vor dem Parlament in Tokyo – Vorträge von Hironobu Takaoka und Petra Alt  (November 2014)

Seit dem Spätsommer 2011 findet neben den landesweiten Anti-AKW-Aktionen und Demos regelmäßig jede Woche Freitag ab 18:00 Uhr die Antiatom-Demo vor dem Parlamentsgebäude in Tokyo statt, womit der Regierung ein direktes Signal gesetzt werden soll.

Das havarierte AKW Fukushima dai ichi (2013)
Das havarierte AKW Fukushima dai ichi (2013)

Anlass dafür war die verheerende Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima dai ichi, die am 11. März 2011 durch ein Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami ausgelöst worden ist.

Trotz der weiter anhaltenden Probleme in Fukushima, die quasi unbeherrschbar sind und trotz der bereits eingetretenen Folgen, zeigt sich die Regierung unter Shinzo Abe (LDP) weiterhin beratungsresistent und will an der Atomenergie festhalten – „nicht zu fassen“!

Direkt vor dem Amtssitz der Regierung wird jeden Freitag gegen die Wiederinbetriebnahme der AKWs demonstriert, auf die Gefahren und Folgen der Kernenergie hingewiesen und vor den zusätzlichen Gefahren, die insbesondere für Japan zu tragen kommen gewarnt. Damit sind vor allem Erdbeben, geologische Verwerfungslinien, Tsunami und aus aktuellem Anlass auch Vulkane, die möglicherweise aktiv sind gemeint.

No Nuke-Label
No Nuke-Label

In Anbetracht, dass die Stromversorgung trotz Stillstand aller Reaktoren seit über einem Jahr problemlos gewährleistet ist, ist es um so unverständlicher, dass die Regierung statt die erneuerbaren Energien zu fördern, die AKWs wieder ans Netz nehmen will. Auch dieses Thema kommt auf der Freitagsdemo stets zur Sprache.

Das Geheimhaltungsgesetz, was am ehesten die Atomlobby schütz und die Katastrophe am AKW Fukushima dai ichi höchstens weiter verschleiert, sowie die Änderung in Artikel 9 (Lockerung im Militärgesetz), erwecken nicht gerade das Vertrauen der Bevölkerung in die derzeitige Regierung . . . eher das Gegenteil, was die Bevölkerung ebenfalls nicht mehr länger hin nehmen will.

Zur Zeit spitzt sich die Lage ziemlich zu, da eine mögliche Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima immer akuter wird.

Genau diese beiden Reaktoren haben nämlich landesweit als erstes die „Sicherheitsüberprüfungen“ der Atomaufsichtsbehörde NRA bestanden, wurden somit als sicher deklariert und für die Wiederinbetriebnahme frei gegeben.

Die Präfekturverwaltung, sowie weitere Lokalpolitiker stimmten der Wiederinbetriebnahme zu . . . bzw. wurden vermutlich so lange unter Druck gesetzt, bis sie zugestimmt haben. Die Wiederinbetriebnahme der beiden Reaktoren wäre dann ab Anfang 2015 zu befürchten. Das wären dann die ersten beiden Reaktoren, die in Japan wieder ans Netz gehen würden.

Auch bezüglich möglicher Gefahren durch nahe gelegene Vulkane, die aktiv sind,  gab die NRA „Entwarnung“ und der Betreiber Elektrizitätswerke Kyushu (Kyushudenryoku) reibt sich schon die Hände.

Anti-AKW-Fahne mit Grüßen aus Deutschland
Anti-AKW-Fahne mit Grüßen aus Deutschland

Die Freitags-Demo hat nach einer etwas ruhigeren Phase wieder sehr starken Zulauf bekommen. Das zeigt, dass die Pläne der Regierung und das Bestreben der restlichen Atomlobby von der Bevölkerung weiterhin abgelehnt werden.

Auch wir, die Sayonara Genpatsu Düsseldorf sind, so weit es uns möglich ist vor Ort und leisten unseren Beitrag dazu, um der Regierung zu signalisieren, das ein Wiedereinstieg in die Kernenergie in Japan unerwünscht ist.

Demo vor dem Regierungssitz in Tokyo
Demo vor dem Regierungssitz in Tokyo

Mitte Oktober 2014 hielt das SGD-Mitglied Petra Alt, auch bekannt durch antiatom-fuku, eine Rede vor dem Parlament (Redetext s. unten) und Ende Oktober war das Vorstandsmitglied Hironobu Takaoka „Bontaka san“, auch bekannt durch den „Bontakaのブログ from Düsseldorf“ vor  Ort und hielt gemeinsam mit Kazuo Fukushima von der örtlichen Antiatom-Gruppe „原発・核燃とめようかい (Genpatsu kakunen tomeyoukai) eine Rede (Rede spontan, kein schriftl. Redetext), in der die mögliche

Rede vor dem Parlament in Tokyo
Rede vor dem Parlament in Tokyo

Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren am AKW Sendai, die damit verbundenen Gefahren und Probleme zum Tragen kommen. Dazu unterstreicht „Bontaka san“ in seiner Rede, dass das eh nicht erwünschte AKW Sendai, sowie die restlichen AKWs  für die Stromversorgung so wie so absolut unnötig sind; da sie schlicht weg einfach nur gefährlich und ohne sinnvollen Nutzen fungieren! . . .

Dann wurde im Chor der SGD-Slogan ,,Bye bye AKW - Sayonara Genpatsu" gerufen. 

Wir, die SGD stehen im engen Kontakt mit der Genpatsu kakunen tomeyoukai und das ganze Jahr über verteilt ist immer jemand von uns in Japan, der die Lage vor Ort live mitbekommt und somit aus erster Hand berichten kann.

Nachfolgend die Rede von Petra Alt vor dem Parlament in Tokyo in Oktober 2014 (deutsche Version):

Der schnellste Atomausstieg, seit dem es Kernenergie gibt 

Nie zuvor hätte jemand gedacht, dass Japan, die weltweit drittgrößte Wirtschaftsnation mit einem Anteil an 33% Kernenergie im Energiemix etwa 2½ Jahre später, also seit September 2013, einmal völlig frei von Atomstrom sein wird.

Japan ist jetzt seit einem Jahr frei von Atomstrom und die erneuerbaren Energien sind auf dem Vormarsch.

Der starke Wille der japanischen Bevölkerung und der ausdauernden Antiatombewegung ist es zu verdanken, dass Japan in nur 2½ Jahren einen kompletten Atomausstieg geschafft hat. Somit in Japan ein positives Vorbild für die Welt.

Nur die Regierung stellt sich quer, hat nichts gelernt aus Fukushima und will die AKWs wieder ans Netz nehmen, statt den opfern der Reaktorkatastrophe zu helfen.

Japan darf jetzt nicht den selben Fehler machen wie die Ukraine, die trotz der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl weiter an der Kernenergie fest hält.

Von daher müssen wir jetzt stark sein, den Atomausstieg festigen und unser Japan, eure Heimat schützen.

Schützt Japan! Seit weiterhin stark für einen endgültigen Atomausstieg.

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Ein Bericht aus erster Hand - Vortrag von Hayato Fujii in Trier (März 2014)

In der VHS Trier und auf der Antiatomkundgebung zum dritten Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Fukushima, die durch das Anti Atom Netz Trier durchgeführt worden ist, berichtete Hayato Fujii, einer der Vorstands- und Gründermitglieder unserer japanischen Antiatomgruppe „Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V.“ aus erster Hand über die bisher eingetretenen Folgen durch den Super GAU, über die Zustände, dem Missmanagement am havariertem AKW Fukushima dai ichi und dem Procedere der Politik.

Vortrag von Hayato Fujii auf dem Kornmarkt in Trier
Vortrag von Hayato Fujii auf dem Kornmarkt in Trier
Vortrag von Hayato Fujii in der VHS Trier
Vortrag von Hayato Fujii in der VHS Trier

Nachfolgend die Rede von Hayato Fujii:

 

Grußwort Hayato FUJII/Sayonara Genpatsu Düsseldorf/Fukushima Mahnwache 11.03.2014/18:00 Uhr Trier Kornmarkt

 

 Liebe MitstreiterInnen und Mitstreiter!

Mein Name ist Hayato Fujii, und ich bin heute im Namen der Gruppe „Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V.“ hier. Ich freue mich sehr über die Chance, Euch hier und heute von wenig bekannten Tatsachen in Fukushima berichten zu dürfen.

 “Das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ist absolut unter Kontrolle!“ – das verkündet der japanische Ministerpräsident Shinzo ABE der Weltöffentlichkeit in offiziellen Stellungnahmen. Mit dieser Aussage sollen die Menschen in Sicherheit gewiegelt werden, und sorglos die Olympischen Spiele 2020 in Japan besuchen.

 Doch Experten wie der Physiker Hiroaki KOIDE von der renommierten Kyoto-Universität beurteilen die Situation völlig anders: „Die Lage in Fukushima ist überhaupt nicht unter Kontrolle – die Angaben der Regierung sind falsch!“ Aus dem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi strömen tagtäglich radioaktive Substanzen aus, die sich in großem Ausmaß verbreiten.

 Während die japanische Regierung behauptet, dass die radioaktive Strahlung durch das Unglück von Fukushima Daiichi „nur das 168-fache der Hiroshima-Atombombe“ und damit ein Fünftel von Tschernobyl ausmacht, ist nach Aussage des Physikers schon jetzt die Strahlungsmenge von Tschernobyl erreicht – und sie schreitet weiter voran. Kein Mensch vermag zu sagen, wo sich die sich auflösenden Brennstäbe in Reaktor 1 bis 3 befinden.

 Seit der offiziellen Bekanntmachung über die Austragung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio , hindert die Regierung die japanischen großen Medien daran, über die Situation in Fukushima zu berichten.

 Nur selbständige und damit unabhängige Onlinemedien können differenzierte Informationen über das Internet weitergeben.

 Auch Wissenschaftler werden massiv unter Druck gesetzt und mundtot gemacht, so dass keine wissenschaftlichen Berichte über Fukushima und die Atomkatastrophe veröffentlicht werden.

 Bei Untersuchungen von Meerwasser und Meeresgrund im Umkreis von 80 km vom AKW Fukushima Daiichi wurde geschätzt, dass bis heute radioaktiv verseuchte Substanzen von über 10 Billionen Becquerel ins Meer gespült wurden. „In den kommenden Jahrzehnten werden wir auch mit dem Problem von verstrahlten Fischen zu tun bekommen,“ sagen Meeresforscher.

 Der bis zum Supergau zulässige Höchstwert an radioaktiver Strahlung von 100 Becquerel pro Kilogramm wurde inzwischen von der Regierung Japans um das 80-fache erhöht. Nun wird der Bevölkerung vermittelt, dass radioaktive Belastungen unter 8.000 Becquerel noch im sicheren Bereich liegen. Über die tatsächlichen radioaktiven Belastungen des Meeres wird nicht nachgedacht, das Problem wird einfach ignoriert.

 „Wenn man sein Leben lächelnd verbringt, kann die Strahlung einem nichts anhaben“, propagierte der regierungstreue Wissenschaftler Prof. Shunichi YAMASHITA. Dieser Mann wurde zum stellvertretenden Rektor der medizinischen Hochschule von Fukushima berufen.

So ist die Situation in Fukushima.

 Auch im Namen der Menschen von Fukushima bitten wir Euch vom ganzen Herzen: „Bitte vergesst Fukushima nicht!“ Lasst uns gemeinsam aktiv sein, bis zu dem Tage, wo alle Atomkraftwerke dieser Welt abgeschafft sind.

Vielen Dank für Eure Geduld und Aufmerksamkeit!

 Viele der von mir erwähnten Informationen sind auch in der ZDF-Dokumentation vom 26. Februar zu sehen. Der Titel lautet: „Die Fukushima-Lüge: Täuschen, Tricksen, Drohen“ und ist im Internet in der ZDF-Mediathek zu finden. Bitte unbedingt anschauen!

                

Siehe dazu auch den Artikel der Trierer Zeitung „Volksfreund“.

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Gefährlich – Olympische Spiele in Tokyo

Ein Leserbrief (Rheinische Post im Oktober 2013) von Frau Dr. Mariko Fuchs, der den meisten hier in Düsseldorf und Umgebung lebenden Japanern aus der Seele spricht. 

Frau Dr. Mariko Fuchs, Gründermitglied und im Vorstand unserer Gruppe „Sayonara Genpatsu Düsseldorf“ bringt im nachfolgenden Leserbrief zum Ausdruck, wie die meisten Japaner, die in Düsseldorf und Umgebung leben über die Vergabe der Olympischen Spiele 2020 an den Standort Tokyo denken. Sie sind fassungslos und beschämt, da trotz der immer noch gefährlichen Lage am havarierten AKW Fukushima dai ichi und der bereits eingetretenen Gesundheits- und Umweltfolgen die olympischen Spiele in Tokyo ausgetragen werden sollen. Und dann behauptet Ministerpräsident S. Abe (LDP) auch noch, dass die Lage am AKW Fukushima dai ichi, vor allem das „Wasserproblem“ unter Kontrolle sei. Das ist eine glatte Lüge! 

Hintergrund:

Unter der Bedingung, dass das internationale olympische Komitee (IOC) die Spiele 2020 nach Tokyo vergibt, hat der amtierende Ministerpräsident Abe (LDP) eine größere Geldsumme für ein Projekt in Afrika gespendet. Ein direktes Schmiergeld an die IOC wäre wahrscheinlich zu auffällig gewesen. Denn normalerweise hätte Madrid den Zuschlag erhalten sollen.

 

Die derzeitige Lage am AKW Fukushima dai ichi ist alles andere als stabil. Im Frühjahr 2013 wurden die großen Lagerbecken für hochradioaktives Wasser undicht und mussten leer gepumpt werden. Im August bekamen die ersten Lagertanks Leckagen und seit über zwei Jahren gelangt das radioaktiv verseuchte Wasser ins Meer…

 

Abe hat nicht nur Japan sondern die ganze Welt belogen!

Mit der Olympiade will Abe von den Problemen in Fukushima ablenken. Die Welt soll den Eindruck bekommen, dass alles in Ordnung sei.

 

Stattdessen werden die Leute in Fukushima von der Regierung vernachlässigt, Entschädigungen stehen noch aus und zu allem Überfluss wird es den Leuten weiterhin zugemutet in verstrahlten Gebieten leben. Wahrscheinlich wegen dem hohen Aufwand und wohl möglich aus Kostengründen „verzichtet“ die Regierung auf die nötige!! Evakuierung der „leichtgradig“ verstrahlten Gebiete. Dazu gehören nämlich auch die Städte Fukushima City und Koriyama, die zu dem auch noch auf einer wichtigen ICE-Strecke, der Tohoku Shinkansen-Strecke liegen. 

Nachfolgend der Leserbrief

von Frau Dr. Mariko Fuchs:

In der Standortfrage der Olympischen Sommerspiele 2020 wurde für Tokyo entschieden.

Wir, die in Düsseldorf und in der Umgebung lebenden Japaner fühlen uns sehr beschämt und bedauern diese Entscheidung. Denn die Einladungsrede von Premierminister Abe vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) war voll von Lügen.

Er sagte bei seiner Präsentation, die Situation in Fukushima sei unter Kontrolle. Alle Japaner wissen, dass diese Aussage weit entfernt ist von der Wirklichkeit. Über 300 Tonnen verseuchtes Wasser laufen jeden Tag aus dem AKW und zum großen Teil fließt das Wasser in den Pazifik. Er sagte auch, es gäbe auch keine Gesundheitsschäden jetzt und in der Zukunft. Tatsache ist: Die Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen bei Kindern in Fukushima ist schon ungewöhnlich angestiegen.

Letztendlich sind diejenigen, die in Japan überall AKWs gebaut hatten identisch mit denjenigen, die die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden lassen wollen.

Die Mehrheit der Japaner sprach sich stets gegen Tokio aus. Wir hoffen nun, dass Herr Bach und das IOC sich streng gegenüber der japanischen Regierung verhalten und eine schnelle Lösung für Fukushima verlangen. Mit einer entschlossenen Haltung, nämlich, im schlimmsten Fall die Sportler nicht an einen so gefährlichen Ort zu schicken. 

 

Dr. Mariko Fuchs (und acht weitere Unterzeichner)