Von unseren Mitgliedern  (ab 2015)  

 

August 2017

Hiroshima Gedenktage und Aktionen gegen Atomwaffen

Zum 72. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, zum Thema „Atomwaffen, AKWs und Fukushima“ fanden gleich mehrere Veranstaltungen an verschiedenen Orten, unter Organisation verschiedener Veranstalter, auch mit Beteiligung durch unsere japanische Antiatom-Gruppe „Sayonara Genpatsu Düsseldorf“ statt. 

 

Düsseldorf

Jugendliche Zeitzeugen aus Fukushima berichten

Am Freitag, den 04.08.2017 waren 8 Jugendliche aus der Präfektur Fukushima zu Gast am Ökotop in Düsseldorf-Heerdt. Begleitet durch die NPO Earth Walkers reisten die Jugendlichen durchs Land und lernten etwas über die deutsche Energiewende. 

Am Ökotop in Düsseldorf-Heerdt berichteten sie als Zeitzeugen über ihre Erfahrungen während der Dreifachkatastrophe 2011, die sie als 9 bis 10jährige Kinder erlebten. Eine Flucht aus der Präfektur Fukushima war ihnen nicht möglich, so dass sie in der radioaktiv verseuchten Umgebung verbleiben müssen. Einer der Jugendlichen trug, wie viele andere Kinder auch, ein Dosimeter zum Umhängen, das 2012 an den Schulen verteilt worden ist. Die erfassten Strahlenwerte wurden den Eltern nie mitgeteilt. Ein anderer Jugendlicher berichtete, dass sie nach Eintritt der Reaktorkatastrophe auf einmal nicht mehr nach draußen durften. Man hatte ihnen erzählt, dass draußen überall krankmachende Bakterien in der Luft wären, auch im Regenwasser. . . hochansteckend! Hieß es.

Mittlerweile wissen diese Jugendlichen besser Bescheid und stehen der Kernenergie eher kritisch gegenüber.

Beim anschließendem Buffet kamen die etwa 30 Besucher mit den Zeitzeugen ins Gespräch.

Die ehrenamtlich arbeitende Organisation Earthwalkers organisiert verschiedene Projekte für Kinder aus Fukushima.   

 

Dortmund

Hiroshima-Gedenktag und Gang zum Ginkgobaum

Zum Gedenken an die Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki versammelten sich am Samstag, den 05.08.2017 etwa 50 Teilnehmer auf dem Platz zu Hiroshima in Dortmund. 

Neben musikalischen Beiträgen und einem Redebeitrag durch die IPPNW, hielt auch ein Mitglied unserer Gruppe, Hayato Fujii eine Rede zum Gedenken an die Atombombenopfer, über den kürzlich abgestimmten Atomwaffenverbotsvertrag in New York und über eine Zeitzeugin aus Hiroshima, die den Abwurf der Atombombe überlebte. (siehe dazu den vollständigen Redetext weiter unten).

Anschließend folgte ein Mahngang zum Ginkgobaum, der in Japan als „der Überlebensbaum“ gilt. Nach dem Einschlag der Atombombe war Hiroshima komplett zerstört. Überraschenderweise überlebte dort jedoch ein Ginkgobaum, der nun zum Symbol für „ewiges Leben“ geworden ist. Somit ist der Ginkgobaum auch zum Symbol für Frieden und Hoffnung geworden.

 

Gronau

Hiroshima-Gedenktag, Atomwaffen - Mahnkundgebung vor der UAA

Zum Gedenken an die Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki, als Warnung vor den verheerenden Folgen durch den Gebrauch von Atomwaffen und um auf die Atomstandorte in

Deutschland aufmerksam zu machen, versammelten sich am Sonntag, den 06.08.2017 etwa 50 Teilnehmer zu einer Mahn- kundgebung vor der Urenco Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau. Neben der IPPNW hielt auch ein Mitglied unserer Gruppe, Petra Alt eine Rede „von Hiroshima bis Fukushima – Japan und die Atomkraft, von damals bis heute“. (Siehe nachfolgende Videos). Moderiert wurde die Veranstaltung durch Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland. Die musikalische Untermalung erfolgte durch den Liedermacher Gerd Schinkel.

 

Beide Redebeiträge auf Video: 

 

Köln

72 Jahre Atombombenabwürfe – Aktion «Atombomben-Alarm»

Vor dem Kölner Dom mahnten am Samstag, den 05.08.2017 Friedensorganisationen mit einer Aktion zu einem Thema „Atomwaffen“, dass leider noch, bzw. wieder brandaktuell ist. 

– BRAND-AKTUELL! – «Auf Achse für Frieden und Abrüstung»

Friedensradtour NRW 2017 der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) vor dem Hauptbahnhof Köln und Aktionsdemo «Atombomben-Alarm» und «Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt». Anschließend ging es vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt bis zum Hiroshima-Nagasaki-Park.

Bilder der Aktion von Klaus Müller

 

72 Jahre Atombombenabwürfe – Gedenken im Hiroshima-Nagasaki-Park am Gedenkstein "ATOMWAFFEN ABSCHAFFEN" – 6. August 2017

Um der Opfer von Hiroshima zu gedenken, wurden am Sonntagabend, den 06.08.2017 in einer feierlichen Zeremonie selbst gebastelte Tōrō-Lichter auf den Aachener Weiher gesetzt. Fließende Lichter", also 

kleine Gebetslämpchen, die in Japan „Tōrō" (Lichtkörbchen) heißen und auf dem Wasser schwimmen gelassen werden. Am 6. August vor 72 Jahren wurden in Hiroshima und Nagasaki viele Menschen durch eine Atombombe getötet. An den jährlichen Gedenkabenden setzt man in Hiroshima diese Tōrō-Lichter mit den Namen der Getöteten und einem Gebet, oder einer Botschaft am Ufer des Flusses Ota, wo sich auch der Atombombendom befindet, auf das Wasser und lässt sie schwimmen, um der vielen Opfer zu gedenken.

Nach dieser Tradition bastelt nun auch der Kölner Arbeitskreis „Hiroshima-Nagasaki“ die „Kölner Tōrō-Lichter" aus Tetra Pak-Getränkeverpackungen und Transparentpapier, um diese dann auf dem Aachener Weiher schwimmen zu lassen.

 

Bilder der AktionGedenken im Hiroshima-Nagasaki-Park“ von Klaus Müller 

BilderTōro nagashi“ von Klaus Müller

 

Erkrath

Vorlesung „Fukushima im Schatten“, ein Zeitzeugenbericht

Bei der Vorlesung, die am Dienstag, den 08.08.2017 in der Stadtbücherei Erkrath stattfand, berichtete der Zeitzeuge Jürgen Oberbäumer, der seit über 30 Jahre in der Präfektur Fukushima lebt,  

aus seinem Buch „Fukushima im Schatten“.   

Der elfte März 2011 und die folgende Woche waren Tage von Vertreibung und Flucht. Das Jahr darauf – ein Hängen an den Fingerspitzen. Dreiunddreißig Kilometer südlich vom AKW Fukushima dai ichi lebt es sich schwer…

Er liest dazu Textstellen vor und berichtet hautnah, was man hier zu Lande nur ansatzweise in den Medien mitbekommen hat. Anschließend folgte eine Diskussionsrunde, bei der die etwa 45 Teilnehmer mit dem Autor ins Gespräch kamen.  

 

Das BuchFukushima im Schatten“, kaufen: Möllmann Verlag 

 

Redetext von Hayato Fujii zum Hiroshima Gedenktag in Dortmund (Originaltext)

20170805 Dortmund 原稿 (Ort: Hiroshima Platz)

Gedenkveranstaltung anlässlich des Atombombenabwurfs vor 72 Jahren auf Hiroshima und Nagasaki

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Liebe Freunde und Mitstreiter,

wir sind dankbar, gemeinsam mit Ihnen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki heute vor 72 Jahren gedenken zu können und grüßen Sie im Namen des Vereins Sayonara Genpatsu (AKW ade!) Düsseldorf in Verbundenheit und Solidarität.

 

Wie Sie wissen, wurde kürzlich am 07.07. dieses Jahres zum ersten Mal seit Menschengedenken über den „Atomwaffenverbotsvertrag“ durch die Vereinten Nationen abgestimmt. Im New Yorker UN-Hauptquartier stimmte die überwältigende Mehrheit von 122 Nationen (= ca 2/3 der Mitgliedstaaten) dafür, dass Atomwaffen niemals mehr eingesetzt werden dürfen. Heute möchte ich gern zu diesem Abkommen etwas erzählen.

 

Bei dieser Versammlung waren auch über 200 Nicht-Ländervertreter, nämlich sogenannte „Hibakusha (Atombombenopfer)“ und Mitglieder von Bürgerinitiativen anwesend, um aktiv mitzuwirken und mit den Vertretern der Nationen zu diskutieren.

 

Als Beispiel möchte ich die 85-jährige Frau Setsuko Thurlow nennen. Sie war als 13-jährige Schülerin in Hiroshima Atombombenopfer geworden, 1954 zum Studium in die USA gegangen. Seit 1955 lebt sie in Kanada und ist dort als „Hibakusha“ und zielstrebige Verfechterin für Atomwaffenabschaffung aktiv tätig. 2007 wurde ihr ein Verdienstorden von der Kanadischen Regierung verliehen.

 

Frau Setsuko Thurlow sagte in ihrer bewegenden Dankesrede:

„Ich hatte nicht mehr geglaubt, diesen Moment jemals erleben zu können. Ich danke allen für ihren beherzten und weisen Einsatz.

Auf diesen Tag, den ersten Schritt zur Ausrottung von Atomwaffen zu machen, habe ich 70 Jahre lang gewartet und ich bin außer mir vor Freude. Dies ist der Anfang vom Ende von Atomwaffen. Atomwaffen sind nicht nur moralisch verwerflich, sondern werden von nun an auch als illegal eingestuft. Die Führer aller Nationen sollten dieses Abkommen unterzeichnen.“

 

Von den Vertretern derjenigen Nationen, die sich um die Verwirklichung des Abkommens bemüht hatten, wurden Freude und Willkommen bekundet, und darin insbesondere der Dank für das Verdienst der „Hibakusha“ zum Ausdruck gebracht.

 

Der südafrikanische Botschafter sagte:

„Unser Dank gilt insbesondere den heute hier anwesenden Hibakusha. Sie haben erst dieses Abkommen ermöglicht.“

 

Auch den offiziellen bürgerlichen Mitgliedern der Versammlung sendeten viele Ländervertreter ihre Anerkennung:

„Ohne den aktiven Einsatz der vielen Bürgerbewegungen wäre dieses historische Ergebnis nicht möglich gewesen.“ (so der Ägyptische UN-Botschafter)

 

Der Botschafter Kubas betonte:

„Durch dieses Abkommen sind Atomwaffen nicht mehr nur unethisch und inhuman, sondern auch widerrechtlich. Nicht mehr nur Gebrauch, Entwicklung, Besitz und Transport der Atomwaffen, sondern auch eine Politik von Abschreckung sowie durch Androhung von deren Einsatz wird illegal.“

 

Die Niederlanden, die als einziger NATO-Mitgliedstaat sowohl an den Verhandlungen als auch an der Abstimmung beteiligt waren, stimmten zwar gegen das Abkommen mit der Begründung, dass „die Pflicht zu nuklearen Strategien der NATO mit den Verbotsklauseln des Abkommens unvereinbar“ seien.

Allerdings räumten sie ein, dass auch sie die Abschaffung von Atomwaffen unterstützen und die positive Auswirkung dieses Verbots anerkennen.“

 

Frau Izumi Nakamitsu (Japan), UN-Untergeneralsekretärin und Hohe Beauftragte für Abrüstungsfragen, betonte,

„Der Abschluss dieses Abkommens sollte als Hoffnungsschimmer für all diejenigen betrachtet werden, die ihr Leben einer atomwaffenfreien Welt gewidmet haben.“

 

Als einziges Land, das im Krieg Opfer der Atombombe geworden war, wurde von Japan weltweit eine aktive Rolle am Abkommen erwartet. Auch der damalige Außenminister Kishida (aus Hiroshima) hatte eine Teilnahme an der Verhandlung angekündigt. Aber da klar war, dass die Atommächte

der Verhandlung und der Abstimmung fernbleiben, begründete Japan seinen Rückzug damit, „dass der Graben unter der internationalen Gesellschaft noch weiter vergrößert würde und somit eine atomwaffenfreie Welt wieder in die Ferne rücke.“

 

Dies war also eine Entscheidung im Hinblick auf Japans Abhängigkeit

unter dem nuklearen Schirm der USA sowie als Gegengewicht gegenüber

der Entwicklung von nuklearen Missiles (ミサイル) durch Nordkorea. Das heißt,

im Dilemma um Nuklearwaffen favorisierte man die Unterstützung der USA,

die sich gegen die Teilnahme an den Verbotsverhandlungen entschieden hatten.

 

Japan legte in seiner Position als einziges Atomopferland seine Bemühungen zur Abschaffung von Atomwaffen und die Bedrohung seiner Sicherheitslage durch Nordkoreas Aufrüstung auf die Waagschale und entschied sich dazu, seine selbsternannte Rolle als Vermittler zwischen Atommächten und Nichtatommächten zu verwerfen.

Dieser Entscheidung durch die japanische Regierung stehen die Hibakusha und auch zahlreiche Bürger Japans skeptisch gegenüber. Frau Setsuko Thurlow kritisierte in ihrer Ansprache im UN-Hauptquartier heftig, dass sie sich „vom eigenen Land verraten und fallengelassen“ fühle.

 

Auch der Vize-Generalsekretär von (英語)Japan Confederation of A- and H-Bomb Sufferers Organization, Fujimori, kritisiert die Vorgehensweise der japanischen Regierung: Die japanische Regierung hat in der Vergangenheit des Öfteren vom Begriff der einzigen Kriegs-Atomwaffen-Opfer-Nation Japan‘ gesprochen, die allerdings das Gegenteil dessen tat, was wir Hibakusha von ihr erwartet haben. Das können wir nicht gutheißen. Der japanische Staat sollte eigentlich an vorderster Front gegen Nuklearwaffen stehen, um das Verständnis der übrigen Nationen zu erlangen.“

 

Herr Tomihisa Taue (Bürgermeister von Nagasaki) veröffentlichte kürzlich die Quintessenz der Friedensproklamation, die am Jahrestag des Atombombenabwurfs in Nagasaki (am 9.8.) im Rahmen der Friedensgedenkfeier verlesen werden soll. Demnach bekräftigte er die Bedeutung des von den UN beschlossenen Atomwaffenverbots und forderte von allen Atommächten sowie von den Ländern, die unter dem Schutz jener stehen, eine Reform der von Nuklearwaffen abhängigen Sicherheitspolitik.

 

In der Forderung ist auch enthalten, dass Japan, das sich nicht an den Verhandlungen beteiligt hatte, das Abkommen unterzeichnen soll. Bei der Pressekonferenz sprach Taue davon, dass „das jahrelange Ringen der Opfer um Verzicht auf Nuklearwaffen durch den Beschluss des Atomwaffenverbots endlich Form angenommen hat, und dass dies für den Atombombenabwurfsort Nagasaki von großer Bedeutung ist.“

 

Dennoch sei man erst am Anfang (des Atomabbaus) angelangt und müsse dem Ganzen erst zu Wirksamkeit verhelfen. Es sollen möglichst viele Menschen von der historischen Bedeutung des Abkommens erfahren.

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Soviel also zu den diesjährigen, historischen Big News über das Abkommen des Atomwaffenverbots.

 

Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam gegen Nuklearwaffen und deren Basis-zutat Plutonium sowie deren Herstellungsanlagen (nämlich AKW) aktiv sein. Mögen AKW, die genau wie Nuklearwaffen den Inbegriff des Bösen darstellen, irgendwann komplett vom Erdboden verschwinden!

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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März 2017

 

Artikel der Rheinischen Post

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Ansprache vom Kazuko Karuma-Kölzer zum Hiroshima-Gedenktag in Dortmund (August 2015)

 

Am 06.08.2015 fand in Dortmund die Friedens- und Gedenkveranstaltung für die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki von vor 70 Jahren statt.  

Ginkobaum im Friedenspark (Bild: P. Alt, Archiv 2013)
Ginkobaum im Friedenspark (Bild: P. Alt, Archiv 2013)

Ein Thema, was auch nach 70 Jahren immer noch aktueller ist als denn je, zumal die Gefahr eines kalten Krieges wieder deutlich angewachsen ist.

Auch die japanische Regierung macht widersprüchliche Angaben, indem Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) einerseits großartig verkündet, dass er Atomwaffen und Krieg ablehnt, aber andererseits das Militärgesetz geschickt untergräbt, so dass der Weg für eine offensive Kriegsführung frei ist und auch die AKWs trotz fehlender Notwendigkeit wieder ans Netz nehmen will.

 

Nachfolgend die Ansprache von Kazuko Karuma-Kölzer (in ungekürzter Originalfassung) vom 06.08.2015 vor dem Ginkobaum im Park am Friedensplatz in Dortmund:

 

Ich bin ein Mitglied der Anti-AKW Initiative Sayonara Genpatsu in Düsseldorf.

Ansprache von Kazuko Karuma-Kölzr (Bild: Takagi)
Ansprache von Kazuko Karuma-Kölzr (Bild: Takagi)

Dieses Jahr wurde ich 60 Jahre alt, d.h. ich wurde 10 Jahre nach Kriegsende, dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki geboren. Wie so vielen Mädchen meiner Generation wurde mir der Name Kazuko gegeben. Das heißt so viel wie Kind des Friedens, Kind der Harmonie. Hierin steckt der Wunsch der Eltern: keinen Krieg mehr, nur noch Frieden. So empfinde ich es auch als meine Aufgabe, heute zu Ihnen zu sprechen, als Bittstellerin für Frieden.

 

Ich wuchs zunächst in Japan auf und hatte keine Ahnung von der Atomenergiewirtschaft in meiner Heimat. Angesichts der katastrophalen Folgen von Hiroshima und Nagasaki und nicht beherrschbarer Risiken von Atomkraft herrschte die Hoffnung und die Überzeugung, jeglicher Nutzung von Atomkraft eine Absage zu erteilen.

 

Aber die Gefahr lauerte in Form von Kernkraftwerken weiter! Diese Art der Energieerzeugung wurde von vielen Nationen als friedliche Nutzung der Atomenergie propagiert und die Amerikaner haben sie an uns Japaner verkauft.  Bis erste Probleme bekannt wurden, wusste ich  - wie die meisten meiner Landsleute - von den zahlreichen japanischen Kernkraftwerken nichts.

 

Während des Studiums in Deutschland erlebte ich die Demonstrationen gegen AKWs. Ich erinnere mich noch, dass damals der Stop der Inbetriebnahme des AKWs in Kalkar als großer Erfolg gefeiert wurde. Dann trat vorübergehend Ruhe ein. Die AKWs haben still vor sich hin gebrütet und unser aller Leben bedroht.

 

Schließlich geschah der atomare GAU in Fukushima. Ich verfolgte wie Millionen andere Menschen auf dem Bildschirm die Riesenwellen, die das Land verschlangen, und den Niedergang des AKW Fukushima Daiichi. Was danach - an eigentlich unbeschreiblichem – Unglück und Leid folgte, ist uns allen aus den Medien bekannt.

 

Laut einer Untersuchung der Regierung sind noch heute weite Landstriche von Präfekturen Fukushima, Gunma, Ibaragi, Chiba, Saitama, Teile von Tokyo, Teile von Präfekturen Miyagi und Niigata stark verseucht mit radioaktivem Caesium. Das Gebiet mit ca. 20.000 km2 und 10 Mio. Einwohnern wird von der japanischen Regierung als „radioaktives Kontrollgebiet“ bezeichnet. Die Höhe der mancherorts gemessenen Radioaktivität von 40.000 Beq/m2 entspricht etwa der Verseuchung von Tschernobyl von vor ca. 30 Jahren und das Gebiet müsste komplett evakuiert werden, wenn man das japanische Gesetz beachten und die Bürger schützen wollte. Man weiß, dass die radioaktive Belastung durch das Reaktorunglück von Tschernobyl zu erheblichen gesundheit-lichen Schäden unter der Bevölkerung in den letzten 3 Dekaden in Weißrussland, Russland und der Ukraine geführt hat. Es leben aber immer noch sehr viele Menschen in und um das Gebiet von Fukushima mit hoher radioaktiver Belastung (1-20 mSv/Jahr), das nach den Vorgaben in Tschernobyl als gefährlich eingestuft wurde und somit den Betroffenen Anspruch auf Evakuierung mit staatlicher Unterstützung zugesteht. Kürzlich hat Greenpeace an einigen Stellen in der Präfektur Fukushima Bodenproben entnommen und deren radioaktive Belastung gemessen. An vielen Orten betrug die Erde über das 10 fache des Schwellenwertes von 1mSv.

Hierzu ist anzumerken, dass Schwellenwerte immer nur eine willkürliche Maßgabe darstellen. Für die Gesundheit gibt es keinen Wert, oberhalb derer die Radioaktivität dem Organismus Schaden zufügt und unterhalb nicht. Radioaktivität bleibt Radioaktivität und wird mit der Folge von Gesundheitsschäden vom Körper aufgenommen, selbst wenn das nicht frühzeitig sichtbar wird.

Die japanische Regierung behauptet, eine Strahlenbelastung unterhalb 100mSv habe keinerlei negativen Einfluss auf die menschliche Gesundheit und hält vorbeugende Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung daher für unnötig. Trotzdem nehmen unter der Bevölkerung in und um die Präfektur Erkrankungen in alarmierendem Ausmaß zu, unter anderem Schilddrüsenkrebs bei Jugendlichen, auch wenn das durch staatliche Untersuchungen offiziell nicht bestätigt wird. Diese sind unter Fachleuten wegen zweifelhafter Methoden äußerst umstritten und wenig vertrauenswürdig,

Die japanische Regierung hat Dekontaminierung in stark belasteten Gebieten veranlasst. In mehreren Städten und Gemeinden wird die Erdoberfläche abgetragen und in Säcke gefüllt. Noch liegen aber diese Säcke überall in der Landschaft herum und strahlen vor sich hin.

Es wird behauptet, inzwischen sei die Erdoberfläche dekontaminiert und wieder bewohnbar. Anfang 2017 sollen dann Anwohner, die in andere Gebiete in Japan geflüchtet sind, wieder zurückkehren. Zur Zeit befinden sich überall in Japan verteilt mehr als 120.000 Flüchtlinge aus diesem Gebiet. Viele davon sind Mütter mit Kindern. Sie erhielten bis jetzt eine Unterstützung von ca. 750 EUR/Monat. Viele Betroffene wollen gar nicht zurückkehren, weil die Gefahr offensichtlich ist, aber wenn diese Unterstützung gestrichen wird, haben sie keine Lebensgrundlage mehr.

Es ist äußerst wichtig, Kindern aus belasteten Gebieten Erholungsurlaub zu ermöglichen, wo sie unbeschwert draußen spielen und unbelastete Lebensmittel zu sich nehmen können. So könnten nach und nach im Körper angereicherte radioaktive Substanzen ausgeschieden werden. Viele Ferienheime und Organisationen in Hokkaido und Okinawa nehmen auf Eigeninitiative und finanziert durch Spendengelder Kinder aus diesem Gebiet auf und ermöglichen so einen kurzen, aber erholsamen Urlaub. Es ist besser als nichts, aber viel effektiver wäre es, wenn Schulklassen regelmäßig in Schullandheime in unbelasteten Gebieten fahren könnten. Von den Schulen ist das nicht vorgesehen, weil damit zugegeben würde, dass es gefährlich ist in diesen Gebieten zu leben! Es gibt viele Initiativen und Organisationen, die solche Maßnahmen stützen. Eine davon ist die Dortmunder Organisation “Hilfe für Japan”, vertreten durch Frau Schlütermann. Durch ihre Spenden wird ein Erholungsurlaub für Kinder aus Fukushima ermöglicht. Aber die Japanische Regierung müsste die Initiative ergreifen und diese Maßnahmen fördern und vorantreiben!

 

Nach der Katastrophe haben die meisten AKWs in Japan stillgestanden, zwecks Sicherheitsinspektion wie es heißt. Die japanische Regierung will sie nach und nach wieder ans Netz nehmen und die japanische Wirtschaft ankurbeln (so die Propaganda der LDP unter Ministerpräsident Abe). Aber sehen Sie doch: Fast 4 lange Jahre konnte Japan ohne Atomenergie seine Energieversorgung aufrecht erhalten. Ohne weitere Risiken einer solchen verheerenden Katastrophe. Wir haben doch der Welt gezeigt, dass es möglich ist, ohne Atomenergie zu leben.

 

In Japan wurde am 15. Juli ein Gesetzesentwurf gegen den Willen der meisten Bürger durchgesetzt, wonach die japanische Armee zur Selbstverteidigung ermächtigt wird, auch wenn nicht Japan selbst, sondern ein Bündnisland wie z.B. die USA angegriffen wird.

 

Zur sog.  „Wahrung des Weltfriedens“ soll die japanische Armee zur Unterstützung Verbündeter in fremde Krisengebiete entsendet werden können.

Japan hat bisher den Weg einer Friedensnation gewählt und den Krieg strikt abgelehnt. Dieses neuerliche Ereignis bedeutet für uns eine komplette Wende. Es besteht auch die Befürchtung, dass Japans AKWs zum Ziel der Angriffe durch fremde Nationen werden können.

 

Unser Appell an die japanische Regierung lautet:

 

1.   Bitte kontrollieren Sie sorgfältig die Gesundheit der Bürger und die Kontamination der Landstriche und ermöglichen besonders den Kindern unbelastete Ferienaufenthalte weit ab von Fukushima.

 

2.   Lassen Sie die AKWs ausgeschaltet! Wir brauchen sie nicht und sind auch ohne sie autark in unserer Energieversorgung.

 

Der Weltfrieden ist unser höchstes Gut. Wir haben genug Kriege gehabt und viele Folgen durch die beiden Atomabwürfe erlitten. Mehr Schäden wollen wir unserer Nachwelt nicht zumuten. Lassen Sie das Gesetz unangetastet, das uns vor Kriegen schützt!